Kommunen zögern, haben aber keine Alternative

Unter der ältesten Holzdecke im Landkreis (1541), im Rittersaal der Burg Hartenstein, tagte der Kreisverband des Bayerischen Gemeindetags. Foto: Märtl2010/10/gemeindetag_New_1285936561.jpg

NÜRNBERGER LAND – Eine Rettung ortsnaher Hauptschulen mit bestmöglichen Bildungsinhalten wird nur dann gelingen, wenn zum einen der Freistaat bereit ist, viel Geld hierfür in die Hand zu nehmen, und die Gemeinden vor Ort partnerschaftlich zusammenarbeiten. Letztendlich hängt der Erfolg der bayerischen Hauptschulinitiative aber davon ab, inwieweit die Eltern davon überzeugt werden können, dass der Besuch einer Hauptschule für deren Kinder nicht in eine Sackgasse führt, sondern einen Weg in einem Schulsystem eröffnet, der nach oben völlig offen ist und darüber hinaus gute Chancen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz bietet. Das war der Tenor der führungen von Referatsleiter Gerhard Dix vom Bayerischen Gemeindetag, der in der Kreisverbandsversammlung des Bayerischen Gemeindetags auf Burg Hartenstein den Landkreisbürgermeistern erneut zu dieser Thematik Rede und Antwort stand. Der Großteil der Gemeindechefs – vor allem die der kleineren Kommunen auf dem flachen Land – hegen erhebliche Zweifel, ob die Mittelschulen als Zusammenfassung mehrerer kleiner Hauptschulen die Rettung für die vielen kleinen Schulstandorte im Nürnberger Land sind.

Dix, der in der Thematik ein exzellenter Fachmann ist, machte deutlich, dass der ländliche Raum in Bayern in den nächsten 15 Jahren ein weiteres Viertel seiner Schüler – aufgrund des Geburtenrückgangs und der Landflucht – verliert. Ob das Modell Mittelschule die Rettung der Hauptschule bringt, versah er (siehe oben) mit einem dicken Fragezeichen. Neben der genauen Beschreibung der Mittelschule (mindestens 500 Kinder auf längere Zeit, alle drei berufsorientierenden Zweige, Ganztagsangebot, M-Zug) benannte Dix auch aus Sicht der Kommunen die Schwachpunkte des Modells.

Der Kultusministerium sage zwar „Freiwillig“, aber das sei „Trixerei“, sagt Dix, „denn wenn der Staat die Notwendigkeit sieht, dann ist es eine Aufgabe des Staates und er ist zuständig für die Ausgestaltung.“

So aber wären die kommunalen Schulaufwandsträger künftig auf örtlicher Ebene noch stärker gefordert als bisher. Ihnen komme die Aufgabe zu, die strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen (Kosten für Busse, Umbauten, Wegfall der Gastschulbeiträge), damit das Spagat einer pädagogisch wertvollen und zugleich ortsnahen Ausbildung der Hauptschüler gelinge.

In den neuen Schulverbünden bleiben die Mitgliedsschulen eigenständig (mit eigenen Sachaufwandsträgern), bilden einen einheitlichen Sprengel und bekommen ein schülerbezogenes Lehrerstundenbudget. Bei zwei weiteren Stichworten ging Dix mit dem hiesigen Schulamtschef Hans Joachim Jenchen einig:

Trotz der neuen Schulverbünde werden einige Hauptschulstandorte (300 von 979 in Bayern sind einzügig) nicht überleben.

Und die Abtrennung des Hauptschulbereichs an einzelnen Standorten verschlechtert für die kleinen Grundschulen den Personalschlüssel. Bislang konnten kleinere Grundschulklassen mit größeren Hauptschulklassen „verrechnet“ werden. Deshalb waren sich alle Versammelten einig, dass die derzeitige Budgetierung der Grundschulen zu ändern sei, weil sie kleine Gemeinden am Land gegenüber den Städten benachteiligt und die Grundschulstandorte gefährdet. Dix: „Wenn mal der Zigarettenautomat die letzte Infrastruktur im Dorf ist, ist es zu spät.“

Als Gründe, warum die zehn Hauptschulen im Landkreis (siehe auch Kasten zum Thema) noch keine Mittelschulen sind, bzw. noch keine Schulverbünde eingegangen sind, nannte Jenchen: Qualität geht vor Geschwindigkeit; es wurde nichts unterschrieben wozu (im letzten Jahr) noch die Gesetzesgrundlage fehlt und es gibt schwierige Konstellation, z.B. beim angestrebten Schulverbund Hersbrucker Schweiz.

Zwar gebe es, so Jenchen, keine Alternative zu den Schulverbünden und deswegen sollten die noch bestehenden Hauptschulen innerhalb des kommenden Schuljahres zu Schulverbünden und Mittelschulen umgewandelt werden. „Danach wird es schwierig sein zu erklären, warum eine Schule noch Hauptschule ist.“ Das Schuljahr müsse genutzt werden für die Entwicklung von Konzepten (pädagogisches Profil einer Schule, pädagogische Entwicklung).

Keine Gemeinde dürfe sagen, „wir haben noch fast ein Jahr Zeit.“ Das Schulamt werde auf jeden Fall auch künftig beratend zur Seite stehen.

Röthenbachs Bürgermeister Günther Steinbauer stellte fest, dass für seinen Bereich die Lösung einfach war. „Es handelt sich um eine gewachsene Schule und das funktioniert.“ Auch Burgthanns Kämmerer Heinz Rupprecht konnte nur Gutes berichten. Seit 2001 habe man funktionierende Strukturen. „Die Mittelschule war nur mehr ein formaler Akt.“ Röthenbachs Rektor Roland Pecher gab sich optimistisch, das Angebot entsprechend den Anforderungen der Betriebe verbreitern zu können. Die Zahl der vermittelten Lehrlinge wächst. Zudem nähere man sich mit den M-Zügen dem Realschulniveau an.

Das aber spreche mittelfristig für die Abschaffung der Hauptschule als eigener Zweig, so die Kritiker der bayerischen Schuldreigliedrigkeit vom grünen Laufer Bürgermeister Benedikt Bisping bis zum schwarzen Ottensooser Kollegen Klaus Falk.

Weitere Themen der Bürgermeisterrunde waren die Zukunft des Kindergartengesetzes, die Vorstellung der privaten Burnout-Station in der Frankenalbklinik Engelthal durch Chefarzt Dr. Thomas Kraus und Informationen zum Thema „Notinseln“ für Kinder. Eingangs hatte Landrat Armin Kroder erneut auf die prekäre finanzielle Situation der Landkreise und Kommunen erinnert und die Forderung nach „frischem“ Geld erneuert und auf die Idee des Landkreistages hingewiesen, die unteren staatlichen Verwaltungsbehörden in den Landratsämtern zu integrieren. Dies sei sinnvoll und nicht Ausdruck dessen, dass die Landräte noch mächtiger werden wollen. Zur Diskussion des Themas Windkraft im Regionalplan unterstrich er erneut, dass der Wunsch des Landkreises ein Konzept sei, das die rechtlichen Vorgaben einhalten kann, aber gleichzeitig die Wünsche der Bevölkerung berücksichtigt. Hartensteins Bürgermeister Werner Wolter erläuterte kurz das Konzept der Burganlage, die 2003 von der Gemeinde gekauft, saniert und erschlossen wurde, um den Tourismus anzukurbeln. Das Konzept, so seine Feststellung, werde angenommen.

Abschließend nannte Kreisverbandsvorsitzender Konrad Rupprecht den Termin der Frühjahrsversammlung. Tagungsort ist am 13. April Schnaittach. Der Markt feiert im nächsten Jahr 1000-jähriges Bestehen. L.M./gz

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