Haftstrafe für Burgthanner

Kinderpornos auf Handy und Notebook

Über Skype hatte der Angeklagte kinderpornographisches Material verschickt. Nachdem die Ermittler ihm auf die Spur gekommen waren, durchsuchten sie seine Wohnung in Burgthann.
Über Skype hatte der Angeklagte kinderpornographisches Material verschickt. Nachdem die Ermittler ihm auf die Spur gekommen waren, durchsuchten sie seine Wohnung in Burgthann. | Foto: unsplash2019/12/alejandro-escamilla-Dl6jeyfihLk-unsplash-scaled.jpg

BURGTHANN/HERSBRUCK – Stämmige Statur, das schüttere schwarze Haar mit Gel an den Schädel geklebt und die Strähnen straff zurück gekämmt, so dass die Kopfhaut einen hellen Kontrast zur Frisur bildet, gekleidet in ein graues Kapuzen-Sweatshirt und eine dunkle Jogging-Hose, an den Füßen schwarze Sportschuhe, so tritt der Angeklagte vor das Gericht.

Wegen Verbreitung, Erwerbs und Besitzes kinderpornographischer Schriften muss sich der Burgthanner verantworten, nicht zum ersten Mal. Vor vier Jahren hat die Polizei schon einmal einschlägige Fotos bei ihm gefunden.

Der Angeklagte ist unruhig, ratlos sieht er seinen Anwalt zu Beginn des Verfahrens an, als der den Richter um ein Rechtsgespräch bittet und die Verhandlung unterbrechen lässt. Sein Allerweltsgesicht, dunkel von einem Dreitagebart, bleibt ausdruckslos, während er den Saal verlässt.

Angeklagter gesteht

Hinter verschlossener Tür berät Richter Gläßl dann mit Anwalt und Staatsanwalt das weitere Vorgehen. Fest steht, das hat der Angeklagte mit seinem Rechtsbeistand abgesprochen, dass er alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe einräumen wird und dem Gericht damit eine aufwändige Beweisaufnahme erspart.

Es kann also schnell gehen in diesem Verfahren, in dem nur eine einzige Zeugin aussagen wird, eine Beamtin der Kriminalpolizei in Schwabach, die schildert, was man seinerzeit bei einer Hausdurchsuchung bei dem Burgthanner fand: 36 500 pornographische Bilder und Videos auf dem Handy und dem Notebook des 30-Jährigen. Die meisten davon nicht strafbar, weil es sich um Erwachsenen-Pornos handelte. 20 Fotos und zwei Videos allerdings zeigten pornographische Aufnahmen von Kindern.

Als Richter Gläßl nachfragt, was es denn damit auf sich habe, nachdem der Angeklagte vor vier Jahren doch schon einmal wegen des Besitzes solcher Bilder bestraft worden ist, versucht sich der 30-Jährige mit einer für niemanden im Gerichtssaal nachvollziehbaren Geschichte heraus zu reden. Vor vier Jahren habe sein Cousin das kinderpornographische Material herunter geladen. Er selbst sei damals unschuldig gewesen. Und jetzt habe er versucht, mit den verbotenen Bildern seinem Vetter eine Falle zu stellen. Richter Gläßl winkt ab. Diese Story ist dann doch zu konstruiert, als dass sie vor Gericht irgendjemanden beeindrucken könnte.

Fotos an Bekannte geschickt

Auf die Spur gekommen ist die Polizei dem Burgthanner nach einem Hinweis aus Hannover. Dort filtern Ermittler Internet-Botschaften systematisch nach kinderpornographischem Material. Zweimal fiel der Burgthanner den Hannoveranern auf. In beiden Fällen hatte er Bilder von nackten kleinen Mädchen an Skype-Nachrichten angehängt und an Bekannte verschickt. Die Ermittler benachrichtigten daraufhin ihre Kollegen bei der Kripo in Schwabach. Am 19. Februar dieses Jahres fuhren dann Beamte der Schwabacher Kriminalpolizei bei dem 30-Jährigen in Burgthann vor und durchsuchten seine Wohnung.

Sechs Monate Haft

„Mir gefällt es nicht, dass das jetzt schon zum zweiten Mal passiert“, wendet sich Richter Gläßl an den Angeklagten, nachdem die Kripo-Beamtin von der Hausdurchsuchung berichtet hat. Mit einem einfachen Strafbefehl soll der Burgthanner jetzt nicht mehr davon kommen. Die Zahl der strafbaren Bilder auf Handy und Notebook sei zwar überschaubar, das bewege sich am unteren Rand dessen, was in vergleichbaren Fällen auftaucht. Trotzdem sei jetzt Druck nötig, damit der Angeklagte keine weiteren einschlägigen Straftaten begehe, sagt der Richter.

Sechs Monate Haft sollen diesen Druck ausüben, ausgesetzt freilich auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss der Burgthanner 1500 Euro an den Kinderschutzbund Nürnberg bezahlen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten