Kinder spendeten Taschengeld für Feuerkinder

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BURGTHANN — Eingebunden in eine Weihnachtsfeier vertrauten die Schüler der Grundschule eine Spende in Höhe von mehr als 386 Euro Diakon Kurt Thierbach vom Operationsprojekt „Feuerkinder“ unter der Trägerschaft der Rummelsberger Anstalten an. Nicht etwa Gelder der Eltern sollten die Kinder am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien mitbringen, sie sollten es vielmehr von ihrem Taschengeld abzweigen, so lautete die Bitte ihrer Lehrerinnen.
Die „ärmsten Kinder dieser Welt“ im über neuntausend Kilometer entfernten Tansania wohnten noch in aus Lehm gebauten kleinen Hütten, schliefen zu dritt in einem Bett, so schilderte Thierbach die Situation dort. Das lebensnotwendige Wasser, oft über Kilometer auf dem Kopf der Frauen hergetragen, diene einzig und allein der Essenszubereitung. Bei Krankheiten mangele es an Medikamenten und Ärzten oder schlicht am Geld.
Die meisten Familien in dem ostafrikanischen Land sind so arm, dass sie den Tagessatz von umgerechnet einem Euro für einen Krankenhausaufenthalt nicht aufbringen können. Ihre Kinder werden deshalb im Nkoranga-Krankenhaus bei Usa River von dem Team um Dr. Schraml kostenlos behandelt.
In den primitiven Hütten ohne Stromanschluss gebe es lediglich eine offene Feuerstelle, auf der das ärmliche Essen zubereitet und davor auch geschlafen werde. Kämen Kinder – in erster Linie seien es unbeobachtete Krabbelkinder – diesem offenen Feuer zu nahe, stünden sie unversehens in Flammen.
Dabei zögen sich die Kinder und Jugendlichen schreckliche Verbrennungen zu. Um die äußerst schmerzhaften Brandwunden zu versorgen, fehle es am ordnungsgemäßen Verbandszeug, an Schmerzmitteln, an Krankenschwestern oder Ärzten.
Die sich danach bildenden, steinharten Verbrennungsnarben seien geradezu scheußlich entstellend, wusste Thierbach aus eigenen Beobachtungen. Schlimmstenfalls kämen Verkrüppelung (Narbenkontrakturen) an Händen, Gelenken, Armen oder Beinen und Entstellungen im Gesicht hinzu.
Ergreifend schilderte der Diakon den besonders schlimmen Fall eines Kleinkindes. Dank der Spenden aus den Vorjahren habe man es bei einem Tansania-Besuch des Ärzteteams um Chefärztin Dr. Annemarie Schraml (Orthopädin), Dr. Heinz Giering (Anästhesist) und weiteren Orthopäden, OP-Schwestern und Krankenpflegern fachkundig über Tage hinweg versorgen können.
Die Überlebenschancen seien in Anbetracht der Schwere der Verbrennungen äußerst gering gewesen. So reise er jährlich einmal während seines Jahresurlaubs im Gefolge des Hilfsteams für drei Wochen in den Norden Tansanias.
Das dabei benötigte umfangreiche medizinische Material, bis zu zweieinhalb Tonnen, wird in Deutschland gekauft, hier verpackt und muss vorher nach Tansania transportiert werden. Dr. Schraml und ihr „Feuerkinder-Team“ gäben in Tansania in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe.
Er, Thierbach, Krankengymnast und Physiotherapeut, bemühe sich dort um die notwendigen vor- und nachoperativen Körperübungen.
Neben den Feuerkindern würden aber auch angeborene Klumpfüße, verursacht durch Mangelernährung oder durch Trinkwasser mit zu hohem Fluorgehalt, extrem verbogene Beine sowie andere orthopädische und unfallchirurgische Erkrankungen und Verletzungen kostenlos operativ und konservativ behandelt.
Im Namen seines Teams dankte Thierbach herzlich für die erhaltene Spende und versicherte, dass jeder Cent und jeder Euro den hilfsbedürftigen Kindern Tansanias zugute komme. Letztlich bejubelten alle Grundschüler, Schulleiterin Renate Ott-Schwander und Organisatorin Christine Wiesand das beachtlich Sammelergebnis. 

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