Ezelsdorfer leben mit Hornissen-Nest im Haus

Keine Angst vor dicken Brummern

Ein Bücherregal hat sich die aktuelle Königin zur Sommerwohnung für ihre Volk auserkoren. Die Besitzerfamilie stört‘s nicht. | Foto: Spandler2018/09/Ezelsdorf-Hornissennest4.jpg

EZELSDORF – Dass Hornissen in der Öffentlichkeit als gefährlicher wahrgenommen werden als sie sind, hat Tradition. Wespen sind schon lästig und ihre Stiche schmerzhaft, wie viel bedrohlicher muss es dann erst sein, von einer Hornisse attackiert zu werden? So lautet eine noch immer weit verbreitete Meinung. Insektenforscher wissen es besser, und ein schönes Beispiel friedlicher Koexistenz zwischen Mensch und Tier findet sich in der Pfaffenherdstraße in Ezelsdorf.

25 mal 35 Zentimeter misst ein stattliches Hornissennest, das in der Diele eines Mehrfamilienhauses einer Ezelsdorfer Familie den Sommer über entstanden ist. Mit seinen feinen Farbnuancen, Schattierungen und Maserungen eigentlich ein Wunderwerk der Natur. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Bau für das Insektenvolk von den kleinen Tierchen selber errichtet wurde.

„Tiere sind sehr friedlich“

Andere Bewohner würden wegen dieser ungewöhnlichen Nähe der zahlreichen Insekten wohl in Panik geraten, den Kammerjäger holen oder – was tatsächlich nicht ganz ungefährlich und zudem verboten ist – selber versuchen, das Gebilde zu entfernen. Nicht so der Bewohner dieses Hauses. Er hat ganz offensichtlich eine Schwäche für diese Tiere und freut sich sogar über ihre Anwesenheit.

Unverständnis zeigt er dagegen für die Abwehrhaltung mancher Zeitgenossen. Auch ist es nicht das erste Mal, dass er die gelb-schwarzen Insekten als Gäste zu Hause hat: „Ich hatte schon vor vielen Jahren einmal Hornissen in meinem Jugendzimmer, damals habe ich in München studiert, und da das Fenster gekippt war, haben die Hornissen die Zeit und den ungestörten Raum genutzt, im Zimmer ein Nest zu bauen. Die Erfahrungen mit diesen Untermietern waren damals wirklich positiv: Die Tiere sind sehr friedlich,“ erinnert sich der Ezelsdorfer.

Er hätte sogar noch einige Zeit lang in dem gleichen Raum geschlafen, in dem die Insekten am Bauen waren. Erst als das Volk immer größer wurde, sei er damals ausgezogen, unter anderem auch, weil die Tiere ja auch in der Dunkelheit aktiv sind.

Ruhe auf der Terrasse

Auch der Bruder des Ezelsdorfer Hornissenhausbesitzers teilt diese Gelassenheit, was die Hornissen angeht. Er freut sich, dass man auf der Terrasse in diesem Jahr seine Mahlzeiten einnehmen konnte, ohne von Mücken oder Wespen belästigt zu werden, denn ein Hornissenvolk fängt pro Tag bis zu 500 Gramm Insekten als Futter für die Larven.

Dem Hornissenfreund ist es ein großes Anliegen über die Tiere aufzuklären, um zu erreichen, dass der Umgang mit ihnen entspannter und natürlicher wird. Wenn im Frühjahr die neue Hornissensaison startet – die aktuellen Völker sind bereits am Absterben -, dann wäre es ihm wichtig, dass Hausbesitzer, die bemerken, dass an Haus oder Garage Nester entstehen, nicht in Panik verfallen. „Ruhe bewahren und die Tiere gewähren lassen“, ist sein Rat. „Im Gartenhaus oder auf dem unbenutzten Dachboden sollten sie hoffentlich kein großes Problem sein.“

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler