Rektorin der Ezelsdorfer Goldhut-Schule

Eine Perfektionistin geht

Vorfreude auf den Ruhestand und Wehmut beim Gedanken an den Abschied: Gertrud Wetzel beim Probeliegen auf ihrer neuen Gartenliege. | Foto: Spandler2019/02/Ezelsdorf-Wetzel3.jpg

ELSDORF – Ein langes Lehrerleben geht zu Ende, ein neues, noch nicht bekanntes Leben in Freiheit kommt. Dafür, dass der Beginn dieses neuen Abschnitts Gertrud Wetzel, der Noch-Rektorin der Goldhut-Schule in Ezelsdorf, nicht zu leicht fiel, sorgten ihre Kollegen, Schüler und einige Ehrengäste in einer anrührenden Feier zu Beginn ihrer Freistellungsphase. 

Dass sich das Kollegium so viele Höhepunkte für die Abschiedsfeier hat einfallen lassen, beweise zum einen, wie beliebt sie ist, zum anderen auch, dass sie die Feier nicht selbst mitgestaltet hab. „Denn du machst nicht viel Aufhebens um deine Person“, charakterisierte Schulamtsleiter Jörg Baldamus die „liebe Gertrud“. Und er hatte noch viele andere Attribute, mit denen er die Kollegin bedachte. Wie bei allen anderen Grußrednern spielten nicht nur ihre Fachkompetenz, sondern auch ihre menschlichen Qualitäten in den Abschiedsworten eine große Rolle.

Seit 1986 in Ezelsdorf

Die neue Konrektorin Alexandra Sonntag nannte sie „eine ganz besondere Lehrerin und eine ganz besondere Chefin“. Bürgermeister Heinz Meyer fand, dass sie die Schule gut und geräuschlos geleitet habe, was für sich spreche, und dass das Miteinander von Schule und Rathaus ein ausgezeichnetes war. Vor einer langen Umarmung wünschte er, dass ihr zu Hause bewusst sei, dass sie nun Partnerin und nicht mehr Chefin sei.

Rote Herzen und das ein oder andere verdrückte Tränchen im Kollegium: Die umgedichtete Club-Hymne wurde zum emotionalsten Moment der Abschiedsfeier. | Foto: Spandler2019/02/Ezelsdorf-Wetzel2.jpg

41 Jahre und vier Monate war die gebürtige Augsburgerin im Schuldienst. Das rechnete Jörg Baldamus in seinem Rückblick auf das Lehrerdasein von Gertrud Wetzel vor. Er fragte sich, wie viel Trost sie in dieser Zeit gespendet, wie viel rote Tinte sie verbraucht und wie viele Eltern sie „in die Spur gebracht“ hat.

1977 ist sie in den Vorbereitungsdienst gekommen. Die zweite Lehramtsprüfung 1980 legte sie bereits in Nürnberg ab, wo sie viele Schulen kennen lernte, darunter auch etliche problematische. Der Schulamtsleiter zählte auch ihre zahlreichen Sonder-Qualifikationen auf. Sie ist Mentorin, Betreuungs-, Praktikums- und Beratungslehrerin sowie Zweitprüferin beim Staatsexamen. Und er wies darauf hin, dass Wetzel bereits 1986 nach Ezelsdorf kam, wo sie nach ein paar weiteren Durchläufen im Nürnberger Land schließlich 2007 Schulleiterin wurde. Sie sei verantwortlich für die gute Grundstimmung an der Schule. „Am wichtigsten aber waren dir die Kinder“, denen sie ganz sicher Werte fürs Leben mitgegeben habe. Und zwar nicht nur die Basiskompetenzen, sondern auch „Halt, Orientierung und Wärme“.

Offenheit und Anerkennung

Ähnlich lobende Worte fanden die Vertreterinnen des Elternbeirats, des Horts an der Schule und der Kindertagesstätten. Aus ihren Beiträgen wurde immer wieder deutlich, dass Gertrud Wetzel mit allen kooperativ umging. Die Zusammenarbeit sei stets von Achtung, Offenheit und Anerkennung geprägt gewesen. Und sie sei auch nicht vor neuen und unkonventionellen Wegen zurückgeschreckt.

Auch Annette Pichl, heute Rektorin der Grundschule Wolfstein in Neumarkt, erinnerte sich an ihre Zeit als Konrektorin in Ezelsdorf mit Blick auf ihre damalige Chefin. Diese Rückschau kleidete sie ins Bild einer Bootsfahrt und illustrierte sie anhand von Fotos aus gemeinsamen Ezelsdorfer Jahren. Was der Kapitänin an Bord in diesen Jahren besonders wichtig gewesen sei neben dem traditionellen Dreiklang Lesen – Schreiben – Rechnen, zählte sie in ihrer Rede auf. Dabei nannte sie vor allem Lese-, Gesundheits- und Umwelt-Erziehung, die sich in zahlreichen Projekten und Veranstaltungen äußerten.

Nach einigen Anekdötchen, die die Zuhörer schmunzeln ließen, resümierte auch sie: „Ich habe viel von dir gelernt.“ Dabei hob sie die Beharrlichkeit und Vertrauensbildung der Schulleiterin hervor sowie ihre Fähigkeit, auch manchmal im rechten Moment einfach zu schweigen. Für das gesamte Lehrerkollegium sprach Nicole Schmitz, die die Rektorin neben einer tollen Ratgeberin einen „ganz lieben Menschen“ nannte. Alle schätzten an Gertrud Wetzel ihre vertrauensvolle Arbeit und dass man bei ihr mit allen Anliegen stets ein offenes Ohr und eine offene Tür gefunden habe. „Du hast immer 100 Prozent gegeben“, fasste sie zusammen, „einfach eine Perfektionistin“.

Rührende Abschiedsmomente

Als Abschiedsgeschenk durfte die verehrte Schulleiterin und bekennender Club-Fan eine Holzliege enthüllen und darauf schon einmal Probeliegen. Dazu sang die gesamte Lehrerschaft – dramaturgisch perfekt –  die umgedichtete FCN-Hymne. Statt „Die Legende lebt“, hieß es nun „Unsre Gertrud geht“. Schon bei Andreas Rüsings Interpretation von „Time to say good-bye“ schniefte so mancher im Kollegium. Doch der neue Text auf den Fußball-Song ließ auch die Hauptperson schwer schlucken.

Die Kinder kamen ebenfalls zu Wort. Da war zum einen die Klasse 4b mit ihrem Trommelstück, das sich die Chefin zum Abschied gewünscht hatte. Zum anderen gab es Film-Einblendungen von Schülern, die im Stil von „Dingsda“ Begriffe umschrieben, die die Rektorin erraten musste.

Kein Wunder, dass der scheidenden Schulleiterin, die Schützenhilfe von ihrer Familie im Publikum erfuhr, nach dem ganzen Lobesmarathon die Abschiedsworte schwerfielen. In ihren Dank bezog sie nicht nur die Kollegen mit ein, sondern das gesamte Personal der Schule, aber auch alle, mit denen sie in ihrer aktiven Zeit zusammengearbeitet hatte.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler