Burgverein diskutierte

Die Burg stand erneut im Fokus

Sorgt noch immer für Diskussionen: Die Brandschutzmaßnahmen an der Burg aus dem 12. Jahrhundert.2015/05/Burg-verschandelt_02.jpg

BURGTHANN – Der Burgthanner Bürgermeister Heinz Meyer musste sich auf der Jahreshauptversammlung des örtlichen Burgvereins heftiger Kritik erwehren. Wie berichtet sorgen käfigartige Brandschutzanbauten im Burginnenhof seit Wochen für Diskussionen. Viele Burgthanner sind empört über die Bauten, die ihrer Ansicht nach das historische Baudenkmal verschandeln.

„Alternativlos“ seien die Neubauten gewesen, argumentiert dagegen der Bürgermeister, kein Burg- oder Jazzfest, kein Weihnachtsmarkt wären mehr möglich, auch das Museum nicht mehr zu retten gewesen.

Hinsichtlich der Einwände des Landesamtes für Denkmalpflege führte er aus: Einzig der Durchbruch in der Burgmauer, die Balkonbretter und die Treppe in Richtung Bergstraße wären beanstandet worden. Und andere vom Landesamt vorgeschlagene Varianten hätten den Rittersaal und den Burgkeller zumindest teilweise unbrauchbar gemacht.

Daraufhin kam die Frage eines seit nahezu 40 Jahren in Burgthann lebenden Versammlungsteilnehmers: „Sind diese einsehbar?“, was von Heinz Meyer bejaht wurde. Und auf die Frage „Warum diese Verkleidung der Treppen“ konterte der Bürgermeister: „Damit man die Stahlträger dahinter nicht sieht.“ Außerdem, so der Rathaus-Chef weiter, sei das alles „Ansichtssache“.

Der kritische Bürger befand, dass das alles nach einer „Gelddruckmaschine für ein Architekturbüro“ aussehe, zeigte sich mehr als irritiert über die nicht erfolgte Ausschreibung für die Planung und forderte, dass bei einer derart massiven Veränderung der Bevölkerung unbedingt ein Modell hätte vorgestellt werden müssen und der Burgverein und die Eppelein-Festspiel-Verantwortlichen mit einbezogen hätten werden müssen. Die fast 600.000 Euro hätten eine sinnvollere Verwendung bei der Restaurierung des Rittersaals gefunden.

Wiederholter Applaus aus der Versammlungsrunde war die Folge.

Gewählt wurde dann schließlich auch noch: Die alte Vorstandschaft wurde komplett bestätigt, dazu kam noch eine neue dritte Vorsitzende, Ingeborg Hermann, und zwei neue Revisoren.

Großer Diskussionsbedarf

Die Berichte der Vorstandschaft des Burgvereins verliefen erwartungsgemäß positiv, und der alte Vorstand wurde komplett für weitere drei Jahre wiedergewählt. Einzig der Tagespunkt „Aussprache – Fragen“ zeigte, dass großer Diskussionsbedarf in Sachen „Treppenkäfigen“ besteht.

Erste Vorsitzende Betty Püntzner nannte in ihrem Bericht sechs Austritte aus diesem Grund aus dem Förderverein in den letzten Wochen und fasste kurz die wichtigsten Aktionen und Feste zusammen: Eppelein-Festspiel, Burgfest, Vereinsausflug, Messebesuche, Lebendiges Museum, Internationaler Museumstag und im Juni 2014 begonnene Arbeiten im Burgmuseum. In diesem Zusammenhang wünschte sie sich eine schnelle Lösung für die Präsentation einiger hundert Keramik-Exponate, die Wilhelm Kuch dem Museum zur Verfügung stellen möchte.

Lothar Wiegand, der Schatzmeister des Vereins, konnte zufrieden eine ausgeglichene Bilanz vorweisen, mit dem Hinweis, dass vor allem das Eppelein-Festspiel angesichts der kurzen Spieldauer als starker Aktiva-Posten hervorzuheben sei.

In den 30 Jahren seines Bestehens hat der Burgverein etwa 1,4 Millionen eingenommen, dem gegenüber stehen Ausgaben von ca. 1,2 Millionen. Das Ergebnis von rund 220.000 Euro deckt sich mit dem Vermögen des Vereins, das vor allem im erworbenen Grundstück und Haus in der Schwarzachstraße angelegt wurde.

Die Kassenrevisoren bestätigten die professionelle Kassenführung und beantragten somit die Entlastung des Schatzmeisters und der Vorstandschaft, die auch einstimmig erfolgte.

Barbara Sopper berichtete über die vielfältigen Aktivitäten der Museumsgruppe – derzeit vor allem die Räum- und Archivierungsarbeiten wegen der Umbauten im Turm – und den Überlegungen zu einem neuen Museumskonzept.

Der zweite Vorsitzende Dieter Sopper bedankte sich bei der Arbeitsgruppe für über 1400 geleistete Stunden Arbeit bei den abgehaltenen Veranstaltungen und vor allem beim Renovieren des Hauses, das künftig u.a. als Depot für das Museum genutzt werden soll, da ja der Raum im Obergeschoß des Burgturmes nicht mehr genutzt werden kann.

Festspiel-Leiter Helmut Buchner konnte stolz auf begeisterte Pressereaktionen zurückblicken und sparte nicht mit seinem Dank an Schauspieler, Fördergemeinschaft, Helfer, Sponsoren und Gemeindeverwaltung für das erfolgreiche Festspiel 2014 im „noch romantischen Burghof“.

„Lieblose Verbretterung“

Für 2017 sieht Buchner nun besondere Herausforderungen, da das Stück speziell für die Szenerie unter dem alten Balkon geschrieben wurde. Da diese Spielfläche wegen der neuen Treppenbauten nicht mehr zur Verfügung steht, wird die Wirtshausszene in einen Biergarten verwandelt, neben dem Eingang zum Burgkeller.

Die Tribüne muss verkleinert und der Aufgang verändert werden, da der neue Balkon nach hinten verlegt wurde und nun nur noch seitlich einsehbar ist.

Die „lieblose Verbretterung“, so Buchner, muss während der Spielzeit durch ein filigraneres Eisengeländer ersetzt werden, damit die dort spielenden Szenen auch gesehen werden können und – und das klingt wie ein „Schildbürgerstreich“ der besonderen Art – der mächtige Turm aus dem 12. Jahrhundert muss zumindest dort, wo die neuen Anbauten das mittelalterliche Gefüge massiv beeinträchtigen, mit fast zehn Meter hohen Foto-Folien-Bannern verhängt werden.

Erich W. Spieß

N-Land Der Bote
Der Bote