Neubaugebiet in Ezelsdorf

„Dichter geht nicht“

Die attraktivste Baulücke in Burgthann: die Verlängerung der Bayernstraße, für die derzeit heftig geplant wird. Einzel-, Doppel-, Reihenhäuser und Geschosswohnungen sollen auf dem Areal Bayernstraße entstehen. | Foto: Spandler2018/07/ezelsdorf-bayernstrasse2.jpg

EZELSDORF – Bereits im Dezember des vergangenen Jahres hat der Gemeinderat die Anpassung des Flächennutzungsplans für die Erweiterung des Bebauungsplans Bayernstraße beschlossen, denn die Riesenbaulücke im Herzen von Ezelsdorf soll endlich geschlossen werden. In der Mai-Sitzung wurde von Fachleuten ein Vorentwurf für mögliche Bebauung präsentiert. Nun wurde erneut über das Konzept diskutiert, strittigster Punkt war wie bereits im Mai der Flächenverbrauch bei den einzelnen Grundstücken.

Zu Beginn der Sitzung gingen die Fraktionschefs auf Details ein, die sie gern im Bebauungsplan sehen würden. Günther Nedvidek (CSU) wehrte sich für seine Partei gegen eine größere Verdichtung innerhalb des Baugebiets, wie sie von SPD und Grünen gefordert wird.

Einverstanden sei man mit den etwa 50 Einfamilienhäusern (550 bis 900 qm), 20 Doppelhaushälften (320 bis 450 qm), maximal zehn Reihenhäusern (180 bis 320 qm) und vier Gebäuden für Geschosswohnungsbau mit maximal 40 Wohnungen (60 bis 120 qm).

Weiter regte er an, den bestehenden Spielplatz, der in direkter Randlage an der jetzt schon stark frequentierten Straße liegt, aufzulösen und durch einen zentralen „Begegnungsplatz“ für alle zu ersetzen.

Kleine Geschäfte und Gewerbe

Wichtig sei die Ausweisung als Allgemeines Wohngebiet, damit die Etablierung von kleineren Geschäften und Gewerbe möglich werde, und auch die Einführung eines entsprechenden Bauzwangs innerhalb von drei Jahren. Zumindest am Ortstrand würde man sich die Errichtung von Satteldächern wünschen.

Für die Geschosswohnungen sollte man über eine Tiefgarage nachdenken, ansonsten die Stellplätze erst planen, wenn die Einfahrten der Grundstücke festliegen, Parkbuchten sollten vermieden werden. Abschließend wies Nedvidek noch darauf hin, dass man sich darüber klar werden sollte, an welche Bedingungen der Verkauf der Grundstücke geknüpft sein solle.

Wolfgang Lahm, Sprecher der SPD, schloss sich in vielen Punkten seinem Vorredner an. Ihm war es wichtig, dass bei der Planung zukunftsbezogene Mobilitätskonzepte – E-Mobilität, Fahrradwege-Kennzeichnung – bereits mitgedacht werden.

Der SPD schwebt eine etwas dichtere Bebauung vor, zum Beispiel mehr Wohnungen (50 bis 60), mehr Reihenhäuser, hier allerdings mit größeren Gartenflächen. Mehr Doppelhäuser wären ebenfalls gern gesehen wegen des geringeren Flächenverbrauchs. Auch Lahms Fraktion ist ein guter Mix im Angebot wichtig, so sollten sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen unterschiedlicher Größen vorgesehen werden, ein bestimmter Anteil der Wohnungen müsste barrierefrei sein.

Besonderen Wert legen die Sozialdemokraten auch auf einen Quartiersplatz, der nah bei den Wohnungen liegt, weil diese keine eigenen Gärten bekommen. Außerdem soll bei der Planung darauf geachtet werden, dass ein Aufenthaltsort für Jung und Alt entsteht, damit eine „generationsübergreifende Nutzung provoziert wird“ und Öffentlichkeit entsteht.

Die vorgesehenen Parkplätze erscheinen der SPD allerdings zu wenig, eine Tiefgarage wird auch aus ihrer Sicht befürwortet. Zudem forderte sie, dass man sich nicht zu sehr auf Sattel- und Walmdächer festlegen, sondern auch Pult- und Flachdächer erlauben möge. Wichtig sei auch, bei der Planung nicht das Energiekonzept aus den Augen zu verlieren.

Noch stärker auf eine dichtere Bebauung zielte Margarete Becker ab, die für die Grünen sprach. Der aktuell vorliegende Entwurf sei ja noch lockerer geworden, kritisierte sie, was einem sorgsamen Umgang mit Flächen zuwiderlaufe.

„Können nicht zustimmen“

„Dem können wir nicht zustimmen“, resümierte sie für ihre Fraktion. Außerdem bemängelte sie die Festlegung auf den „fränkischen Baustil“ mit Satteldach- und Farbvorgabe, der nicht mehr zeitgemäß sei.

Klaus Wagner (FW) erklärte sich insgesamt mit dem Konzept einverstanden, mahnte aber an, man sollte sich eine Lösung für die Unterführung an der nahen Bachmühle einfallen lassen, um zu vermeiden, dass es Probleme mit dem Schwerverkehr geben wird. Die hielt der Bürgermeister für ausgeschlossen, weil die Straße auf 7,5 Tonnen beschränkt sei.

Zu den Vorschlägen aus den Reihen der Gemeinderäte nahm Stadtplaner Eckhard Bökenbrink Stellung, insbesondere zum Thema verdichtetes Bauen. Mit der Planung habe man schon die Obergrenze dessen ausgereizt, was in einem Allgemeinen Wohngebiet möglich ist, versicherte er: „Dichter geht nicht.“

Zudem, so informierte der Bürgermeister, würden die größeren Grundstücke und auch vorzugsweise Einfamilienhäuser in Burgthann durchaus noch gewünscht. Dies bestätigte Bökenbrink. Wer nach Burgthann zieht, tue dies wegen der ländlichen Umgebung, wo man noch großzügige Grundstücke bekommen kann, auch wenn man dafür einen weiteren Weg in die Stadt in Kauf nehmen muss. Hier habe man ja zudem noch den Vorteil des nahen S-Bahn-Anschlusses.

Warum dann doch ein so starker Bedarf nach kleineren Wohnformen vorhanden sei, hakte Margarete Becker noch einmal nach. Dies sei eine überholte Wahrnehmung, urteilte Meyer, und Bökenbrink stellte in Aussicht, dass man noch nachbessern könne, sollte der Bedarf an Reihenhäusern doch größer sein als angenommen.

Zum Thema E-Mobilität bemerkte der Stadtplaner, dass man im Bebauungsplan keinen Stromanschluss fordern könne. Der Quartiersplatz soll nach seiner Auffassung zentral liegen und das von Becker ins Gespräch gebrachte Mehrgenerationenhaus sei eine schöne Idee, gerade für ältere Leute. Hier warf der Bürgermeister ein, dass es nicht gerade leicht sein wird, jemand zu finden, der ein solches Projekt bauen möchte.

Keine Solaranlagen

Landschaftsplaner Manfred Hupfer warnte vor der Ausweisung weiterer Parkplätze. Dazu müsse man die Straßen breiter machen, was wiederum auf Kosten der Grundstücksgröße gehe. Ebenso lehnte er Flachdächer ab, weil zu befürchten sei, dass durch die neue Energieverordnung Solaranlagen auf diesen Dächern aufgestellt würden, was aus optischen Gründen zu vermeiden sei. Außerdem riet er davon ab, die an die Grundstücke grenzenden Grünflächen in private Hand zu geben. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich einfach niemand darum kümmert.“

Der Zeitplan sieht nun vor, dass parallel zum Bebauungsplanverfahren ein Ingenieur die Größe des Regenrückhaltebeckens festlegt. „Wenn es ganz gut läuft, können wir noch im Winter ausschreiben“, zeigte sich der Bürgermeister optimistisch. Bauamtsleiter Roland Schmucker teilte mit, dass die Artenschutzprüfung abgeschlossen sei und keine Hindernisse in Bezug auf Tiere oder Pflanzen zu erwarten sind.

Bökenbrink und Meyer schlugen vor, mit dem Entwurf nun ins Verfahren einzusteigen. Gegen die Stimmen der beiden Grünen-Gemeinderäte wurde dem Bebauungs- und Grünordnungsplanvorentwurf zugestimmt und einstimmig die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange beschlossen.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler