Schnaittacher Friseurin heute in „Goodbye Deutschland“

Auswandern im zweiten Versuch

Jason, Bennie und Tina Palumbo freuen sich auf ihr neues USA-Abenteuer. Das heute Abend erstmals Thema in „Goodbye Deutschland“ ist. Foto: Privat2015/08/Goodbye_Deutschland__Palumbo_Familie.jpg

SCHNAITTACH/BURGTHANN — Den Traum von mehr Sonne und mehr Farbe im tristen Alltag haben viele, aber Auswandern hat Tücken. Das wissen Zuschauer der Vox-Reality-Serie „Goodbye Deutschland“ nur zu gut. Am Dienstagabend (22.15 Uhr) kommt eine weitere Geschichte dazu. Die der Schnaittacher Friseurin Tina Palumbo. Sie geht mit ihrem Mann und ihrem Sohn im September in die USA. Wieder, denn es ist der zweite Anlauf nach einem gescheiterten Versuch vor zwölf Jahren.

So viel ist schnell klar im Gespräch: Für ein ruhiges, gleichmäßiges Leben ist Tina Palumbo nicht geschaffen. „No risk, no fun“, sagt sie fast ein wenig draufgängerisch, nur wenige Tage, bevor sie zum zweiten Mal ihrer fränkischen Heimat für immer den Rücken kehrt. 15 Jahre ist es her, als sie Ähnliches sagte: „Ich will was erleben“, konstatierte die damals 22-Jährige. Und ihre einzige Möglichkeit sah sie – nach drei Jahren als Friseurgesellin in Nürnberg – in einem Au-Pair-Jahr in den USA.

Es wurde New Jersey an der Ostküste, nur eine Autostunde von New York entfernt. Pulsierend war ihr Werktagsleben zunächst aber überhaupt nicht, als sie in einem wohlsituierten Haushalt die beiden Kinder hütete und „als Erwachsene“, wie sie noch immer empört einwirft, um 22 Uhr zu Hause zu sein hatte. „Es war nicht so toll“, erinnert sie sich, aber es kamen ja immer auch die Wochenenden, an denen sie in New York andere Au-pairs traf und mit ihnen regelmäßig „Discos auscheckte und feierte“.

Die eigentliche Geschichte beginnt aber, als sie in Trenton, der Hauptstadt New Jerseys nebenbei wieder mit Haareschneiden begann. Denn gegenüber im Coffeeshop schmeckte der Kaffee besonders gut und der Manager, Jason Palumbo, kam auch besonders gerne über die Straße zum Friseur. „Das war ganz romantisch“, schwärmt die 38-Jährige heute noch. „Er ist von der Art her ein Cowboy und ein Träumer auch.“ Der damals 30-Jährige war es, der ihr in den blühendsten Farben vom weiten Land und der Natur pur in Wyoming erzählte, woher ein Teil seiner Familie stammte. Dorthin wollte er wieder zurück, und zwar nicht ohne Tina, die „ziemlich fix“, kaum drei Monate später, ebenfalls Palumbo hieß.

„Das ist nur Natur“

Die Hochzeit fand noch in New Jersey statt, bevor das frisch gebackene Ehepaar nach Laramie in Wyoming zog. Sie arbeitete wieder als Friseurin, er hatte eine Disco und Bar. Zwei Jahre ging das gut. Und das sind die Stellen, an denen die Interviewer von „Goodbye Deutschland“ gewöhnlich nachhaken. Denn Tina Palumbo ging bald auf, dass sie etwa 81 Kilometer nördlich von Denver in einem der konservativsten Landstriche der USA gelandet war. Und sie verstand, warum sie Freunde gewarnt hatten, als sie noch in New Jersey von ihren Plänen erzählt hatte: „Natur? Da ist nichts! Da ist nur Natur!“ Dazu kam, wie sie durchblicken lässt, der bis dahin ausbleibende Kindersegen.

Glück und Unglück der Aussiedler ist das dramaturgisch äußerst willkommene Material der Filmleute. „Sie verstehen es, dich motiviert und locker zu halten, so dass man mehr und mehr von sich preisgibt“, sagt Tina Palumbo. Aber dann ging es in die kriselnde Beziehung rein und „da wurde es schon ein bisschen sehr persönlich“. Sie wusste natürlich: Das gehört zum Reality-TV dazu.

2003 wollte sie unbedingt zurück. „Ich hatte extremes Heimweh“, sagt sie. „Mir hat es in Wyoming nicht gefallen.“ 27 war sie damals, ihre Mutter, die in Feucht lebt, organisierte ihr gleich einen Friseurladen: den Salon Ostermeier in der Nürnberger Straße in Schnaittach, der dann „Art of Hair“ hieß. Zuerst kehrte sie alleine zurück. Ihr Mann wickelte in Laramie noch alles ab und folgte ihr. In den folgenden zwölf Jahren kam Sohn Bennie zur Welt, die Palumbos kauften ein Haus in Burgthann und seit 2013 befindet sich der Schnaittacher Salon in der Bahnhofstraße, umgetauft auf „Rock your hair“.

Aber das große Familienglück stellte sich nicht ein. Jason Palumbo war für Amazon viel unterwegs und zu selten zu Hause. Er begann wieder zu träumen – von einer eigenen Bar mit deutschem Bier, „Dirndlmädchen“ als Bedienung und Oktoberfeststimmung. In Wyoming wäre das der Hit. Da ist er sich sicher.

Und seine Frau? „Ich habe hier zwölf Jahre meinen Traum gelebt“, sagt sie, „und jetzt mache ich das für ihn“. Es sei ohnehin wieder an der Zeit, etwas zu verändern. Dabei stürze sie sich keineswegs blind ins Abenteuer. „Ich bin jetzt auch älter, ich hab ganz andere Vorstellungen von meinem Leben.“ Außerdem breche sie keineswegs alle Zelte ab. Für den Laden in Schnaittach habe sie eine Betriebsleiterin eingestellt und auch das Haus in Burgthann haben die Palumbos nicht verkauft, sondern lediglich vermietet. „Es ist immer so, wenn Ehepartner aus verschiedenen Ländern kommen“, meint sie: „Dann ist immer alles ein bisschen auseinandergezerrt.“ Sie selbst mag beides. „Ich bin gerne hier und dort.“

Alle zusammen freuen sich auf den Schritt, „mein Mann ganz riesig“. Er sei richtig positiv und marschiere einfach drauf los. Sie sei eher deutsch und ein wenig bodenständiger. Daher kommt vielleicht auch ein leichter Anflug von Zweifel, wenn sie über ihren neunjährigen Sohn Bennie spricht, der im September in der vierten Klasse eingeschult wird. „Hoffentlich schaffen wir das“, sagt sie und schiebt noch schnell ihren Mutmacherspruch nach: „No risk, no fun.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren