Sitz für Marlene Mortler

Brüssel statt Berlin

Noch am Mittag, als sie ihre Stimme im Dehnberger Feuerwehrhaus abgab, war der Einzug ins Europaparlament für Marlene Mortler (CSU) alles andere als eine ausgemachte Sache. Am Wahlabend konnte sie sich dann schnell freuen.
Noch am Mittag, als sie ihre Stimme im Dehnberger Feuerwehrhaus abgab, war der Einzug ins Europaparlament für Marlene Mortler (CSU) alles andere als eine ausgemachte Sache. Am Wahlabend konnte sie sich dann schnell freuen. | Foto: Andreas Sichelstiel2019/05/DSC_2774.jpg

DEHNBERG – Dass es so glatt laufen könnte, hatte sie selbst nicht erwartet: Die Dehnbergerin Marlene Mortler zieht für die CSU ins Europaparlament ein.

Am Wahl­abend zeichnete sich bereits unmittelbar nach den ersten Hochrechnungen ab, dass der 63-Jährigen ihr sechster Platz auf der CSU-Liste ein Mandat in Straßburg beziehungsweise Brüssel beschert. Zum 1. Juli wird aus der Bundestags­abgeordneten, die seit 2002 den Wahlkreis Roth/Nürnberger Land in Berlin vertritt, eine Europaabgeordnete.

Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, erlebte den Abend in der CSU-Zentrale in München, nachdem sie mittags ihre Stimme im Dehnberger Feuerwehrhaus abgegeben hatte. Am Montag steht für die Dehnbergerin eine Sitzung des Parteivorstands an, bereits tags darauf geht es nach Brüssel. „Der Termin stand bisher nur vorsorglich in meinem Kalender“, so die 63-Jährige, der die Freude am Telefon anzumerken war. „Schön, dass der Wahlkampf so gekrönt wird“, sagte sie.

Mortler will sich, wie angekündigt, vor allem in der Agrarpolitik engagieren, hier könne sie ihre Erfahrung und Kompetenz einbringen, so ihre eigene Einschätzung.

Freude auch bei den Grünen

In Feierlaune waren aber nicht nur die Christsozialen im Landkreis. Das Abschneiden der Grünen, die die SPD weit überholten, sorgte bei manchem Politiker für gute Stimmung: „Wir machen nachher einen Bio-Prosecco auf“, verkündete der Laufer Bürgermeister Benedikt Bisping. Das Ergebnis seiner Partei führt er nicht nur darauf zurück, dass Klima- und Artenschutz diesmal zentrale Themen waren, nein, die Grünen hätten mit einer klaren Pro-Europa-Linie „gerade auch die jungen Leute erreicht“.

Vor allem für die SPD waren die Verluste desaströs. Im Landkreis kamen die Genossen bei der letzten Europawahl noch auf 26,7 Prozent, in Röthenbach hängte sie sogar knapp die CSU ab. Doch diesmal stimmten gerade einmal 11,4 Prozent der Landkreisbürger für die Sozialdemokraten, selbst in der SPD-Hochburg Röthenbach waren diese nur drittstärkste Kraft hinter den Grünen.

Die Wahlbeteiligung im Nürnberger Land pendelte sich bei über 65 Prozent ein. Das ist gegenüber 2014 ein gewaltiger Zuwachs. Damals lag sie mit nur 44,8 Prozent auf einem Tiefstand.

 

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel