Hubschrauberabsturz am Sonntag

Bekannter Start-up-Gründer unter den Toten

Noch völlig unklar ist, warum der Hubschrauber am Sonntag gegen Mittag in ein Waldstück in Baden-Württemberg stürzte. | Foto: News5/Merzbach2021/10/n5_211017_ID21997_5-1-crop.jpg

BUCHEN/NÜRNBERGER LAND – Bei dem Hubschrauberabsturz am Sonntag im Odenwald sind nicht nur der Laufer Recyclingunternehmer Frank Merkel sowie sein 18-jähriger Sohn ums Leben gekommen. Unter den drei Toten befindet sich offenbar auch der Gründer des Unternehmens Augustus Intelligence, das in die Lobbyismus-Affäre um den CDU-Abgeordneten Philipp Amthor verwickelt war.

Das Polizeipräsidium Heilbronn geht davon aus, dass der 34-jährige Wolfgang Haupt mit in der Maschine saß, wie es auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung bestätigte. Ein DNA-Abgleich zur endgültigen Klärung stehe aber noch aus, so ein Sprecher. Zur Identität der anderen Opfer äußerten sich die Beamten bisher nicht.

In den Schlagzeilen

Haupt, der laut Spiegel aus Fürth stammt, hat Augustus Intelligence 2018 mitgegründet. In die Schlagzeilen geraten war das nach eigenen Angaben auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen wegen seiner Verbindungen zu Amthor, der zeitweise einen Direktorenposten innehatte. Er betrieb Lobbyarbeit. Auch der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war für Augustus Intelligence tätig. Das Start-up mit Sitz in New York musste im April dieses Jahres Insolvenz anmelden. Es war nie klar, mit welchen Produkten es überhaupt Geld verdienen wollte.

Der Hubschrauber des Typs Robinson R44,der am Sonntag gegen 13 Uhr in ein Waldstück nahe Buchen im Neckar-Odenwaldkreis stürzte, war in Herzogenaurach gestartet. Er gehörte dem 61-jährigen Merkel. Laut Polizei ist aber offen, wer die Maschine geflogen hat.

Die Absturzstelle wurde inzwischen wieder freigegeben. „Alle Teile des Wracks sind aus dem Wald geborgen“, so ein Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums am gestrigen Nachmittag. Vor Ort waren auch Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Bis sie ihre Untersuchungsberichte veröffentlichen, dauert es oft mehrere Monate.

Wohin Merkel, sein Sohn und Haupt unterwegs waren, ist dem Polizeisprecher zufolge „nicht Gegenstand der Ermittlungen“, danach frage die Polizei bei einem Verkehrsunfall ja auch nicht.

Das Unternehmen Umweltdienste Merkel GmbH mit Sitz in Lauf und einer Niederlassung in Speikern ist nach eigenen Angaben in der Entsorgung für Unternehmen wie Kommunen und Landkreise tätig. Es hat 130 Mitarbeiter und 70 Fahrzeuge, die unter anderem im Nürnberger Land unterwegs sind. Gegründet wurde die Firma 1957 von Georg Merkel, 1992 übernahm sein Sohn Frank die Geschäfte.

„Große Bestürzung“

„Mit großer Bestürzung“ reagierte Laufs Bürgermeister Thomas Lang am Montagvormittag auf den Tod des 61-Jährigen und seines Sohns. Im Unternehmen war die Nachricht zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei allen Mitarbeitern angekommen – die Fahrer waren noch unterwegs auf ihren Touren.

Merkel gehörte bis 2020 dem IHK-Gremium Lauf sowie mehrere Jahre dem Fachausschuss Energie und Umwelt der mittelfränkischen Industrie- und Handelskammer an. Johannes Bisping, der Laufer IHK-Vorsitzende, lobte den Unternehmer als ein „engagiertes und aktives Mitglied“, dass sich immer eingebracht habe. Bisping: „Wir sind bestürzt und unser tiefes Mitgefühl gilt der Familie.“

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