Ohne Termin kein Zugang

Behörden sind nur schwer erreichbar

Mit Hinweisschildern werden momentan Bürger empfangen, die ins Röthenbacher Rathaus wollen (im Bild). In Lauf kommt man an der Pforte sogar nur in Begleitung eines Sachbearbeiters vorbei. | Foto: Sichelstiel2020/06/burgerburo-rothenbach.jpg

NÜRNBERGER LAND — In manchen Rathäusern und im Landratsamt gelten nach wie vor strikte Corona-Einschränkungen. Der Unmut darüber wächst.

„Freundlich, sympathisch und offen“: Das waren die Adjektive, mit denen der damalige Bürgermeister Benedikt Bisping das Bürgerbüro im Laufer Rathaus bei dessen Eröffnung vor vier Jahren beschrieb. Bisping: „Hier ist die erste Adresse für den Bürger, hier tritt er in direkten Kontakt mit dem Staat.“

Ganz so persönlich geht es momentan nicht mehr zu beim Kontakt des Bürgers mit seiner Kommune, ob in Sachen Bauantrag oder Passverlängerung. Erst einmal muss er am Telefon oder per E-Mail einen Termin vereinbaren. Steht er dann tatsächlich vor dem Rathaus, ist Warten angesagt. Besucher, skizziert die Kommune auf ihrer Internetseite das vorgeschriebene Prozedere, würden „von dem jeweiligen Sachbearbeiter am Rathauseingang abgeholt“. Pflicht ist ein Mund- und Nasen-Schutz, gebeten wird außerdem um Händedesinfektion.

Wie sympathisch ist die sympathische Stadt Lauf – so lautet ihr Slogan – in Pandemiezeiten noch? Glaubt man Jürgen Oriold, so herrscht im Laufer Rathaus derzeit eine „Burgmentalität“, wie in manch anderen Rathäusern und im Landratsamt auch. Aus Angst vor dem Corona­virus machten die Verwaltungen die Zugbrücken hoch. Sie gingen auf Abstand zum Bürger – und zwar mehr als nach den Infektionsschutzvorschriften nötig sei. „Bei mir landen die Leute ja, die zu den Passämtern wollen“, sagt Oriold, der in seinem Fotostudio am Laufer Marktplatz Passbilder macht. Die Beschwerden seien zahlreich, meint der Fotograf, „da herrscht großes Unverständnis“.

Kein Durchkommen am Telefon


Mitunter scheitert es schon am Vereinbaren eines Termins. Glaubt man Oriold, ist dafür im Einzelfall eine zweistellige Zahl an Anrufe notwendig, „man kommt sich vor wie ein Bittsteller“. Zumindest für das Röthenbacher Rathaus kann das Sabine Müller (Name geändert) bestätigen. Zwei Tage lang und insgesamt zehn- oder elfmal habe sie anrufen müssen, um einen Termin für das Ausstellen eines neuen Ausweises zu bekommen. „Die Dame, die ich dann am Telefon hatte, war zwar sehr freundlich, aber Durchkommen ist schon schwer“, sagt die 39-Jährige. Sie findet: Mit den zunehmenden Lockerungen der Anti-Corona-Beschränkungen sollte auch die Stadtverwaltung wieder bürgerfreundlicher werden, „also besser erreichbar“. Immerhin beginne jetzt die Urlaubszeit – und mit den Grenz­öffnungen müssten ja viele ihre Pässe auf Stand bringen.

Da erteilt ihr der Bürgermeister aber eine Absage. „Bis auf Weiteres“, sagt Klaus Hacker im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung, werde die Stadt an der vorherigen telefonischen Terminvereinbarung festhalten, „meines Erachtens nach funktioniert das auch ganz gut“. Der Grund für die Regelung ist einfach erklärt: „Sonst drängen sich im Bürgerbüro schnell acht bis zehn Leute, dann ist Abstandhalten schwierig.“

Kein Termin, kein Einlass: Das Landratsamt will an dieser Regelung festhalten. | Foto: PZ-Archiv2020/01/landratsamt-nurnberger-Land-scaled.jpg

Ähnlich argumentiert der Laufer Rathaus­chef Thomas Lang: „Wir würden es gerne ändern, aber wir haben dann im Wartebereich zu viele Menschen. Und der ist nicht besonders groß.“ Es gehe auch um den Schutz der Mitarbeiter, so Lang. Und weiter: „Mir ist bewusst, dass das nicht ideal ist und ich habe Verständnis für die Beschwerden, aber wir müssen nach wie vor Schutzmaßnahmen ergreifen.“

Lauf hat dennoch reagiert und laut Lang den Telefondienst aufgestockt. In Röthenbach verspricht Günter Holzammer, der Leiter des Ordnungsamts: „Wir geben unser Bestes.“ Er bittet aber trotzdem um Verständnis, wenn es zu Wartezeiten komme: „Wir wollen nicht den Azubi ans Telefon setzen, sondern Mitarbeiter, die auch Auskunft geben können.“

Zwei Monate lang geschlossen


Immerhin sind die Rathäuser überhaupt wieder geöffnet. In Röthenbach zum Beispiel war von Mitte März bis Anfang Mai gar kein Publikumsverkehr möglich. Das Landratsamt Nürnberger Land war nach der Ausrufung des Katastrophenfalls sogar zwei Monate lang für die Öffentlichkeit geschlossen, vom 17. März bis zum 18. Mai.

Auch über die Kreisbehörde gibt es viele Klagen, etwa in E-Mails an die PZ-Redaktion. Allen voran geht es dabei um die KFZ-Zulassungsstelle. Auch hier kann man „coronabedingt“ nicht mehr einfach vorbeikommen, sondern muss vorher einen Termin am Telefon ausmachen.

Die Beschwerden, sagt Behördensprecherin Iris Bitzigeio, „sind zum Teil berechtigt“. Die Zulassungsstelle sei zwar voll besetzt und arbeite „im Moment auch Mittwoch nachmittags“, trotzdem sei es „nicht leicht, dem Anrufaufkommen hinterherzukommen“. Das hänge unter anderem daran, dass die Telefongespräche lange dauerten,weil die Mitarbeiter abklären müssten, ob sich die Anliegen nicht auch online oder postalisch klären ließen.

Bitzigeio verspricht Verbesserungen: „Wir ziehen jetzt Personal aus anderen Abteilungen ab, um das Team am Telefon zu verstärken. Wegen der Beratungsfunktion bleiben wir in dieser Abteilung vorerst bei der telefonischen Erreichbarkeit, während Gesundheitsamt und Abfallwirtschaft schon Online-Verfahren eingeführt haben.“

Bis zu 1000 Personen gingen am Tag im Ämtergebäude an der Waldluststraße aus und ein, das sei ein großer Unterschied zu den Rathäusern. Die Räumlichkeiten seien begrenzt, „und wir werden weder unsere Mitarbeiter noch unsere Kunden fahrlässig einem Ansteckungsrisiko aussetzen, indem wir ganz normal öffnen“. Und schließlich führt die Sprecherin dieses Argument ins Feld: „Während in dieser Pandemie Menschen sterben und weltweit die Wirtschaft ins Straucheln gerät, bitten wir um Verständnis dafür, dass nicht alles läuft wie gewohnt.“


Hintergrund

Es geht auch ohne Termin – aber nicht überall


Nicht in allen Rathäusern der Region braucht man erst einen Termin für sein Anliegen. Ottensoos zum Beispiel hat seit Mitte Mai wieder allgemeine Öffnungszeiten. „Nur bei längeren Sachen wie etwa einem Bauantrag sollte man vorher anrufen“, sagt Bürgermeister-Stellvertreterin Tanja Riedel. Die Gemeinde hat es mit ihren rund 2000 Einwohnern aber auch leicht: „Es ist nicht so, dass sich lange Schlangen bilden würden“, so Riedel. Auch das Rathaus in Schnaittach ist wieder frei zugänglich – und laut der dortigen Bürgermeister-Stellvertreterin Maria Pinzer gibt es keine Probleme mit dieser Regelung. Neunkirchen hat sein Rathaus schon sehr früh, nämlich bereits Ende April, wieder geöffnet, bittet allerdings darum, „nur aus wirklich wichtigen Gründen“ zu kommen. Gegebenenfalls müssten Besucher vor der Eingangstür warten, sollten vor ihnen schon mehrere Personen anstehen, heißt es auf der Internetseite der Gemeinde. Das gilt übrigens auch in Ottensoos. Schwaig empfiehlt eine vorherige Terminvereinbarung für Be­suche des Ordnungs- und des Einwohnermeldeamts, schreibt sie aber nicht vor. In Rückersdorf und Leinburg hingegen ist ein Anruf vorab nach wie vor Pflicht, ebenso in Simmelsdorf. Eckental verlangt das nicht, weist aber ausdrücklich darauf hin, „dass viele unserer Angebote auch online möglich sind“. Überall gilt die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Schutzmaske und der Mindestabstand von eineinhalb Metern. Und wo Desinfektionsmittelspender stehen, sollen sie auch benutzt werden.

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