Saisonarbeiter aus dem Ausland fallen weg

Bauern erhalten viele Hilfsangebote

Das Hopfenanbinden steht in den kommenden Wochen an, dafür werden viele Helfer gebraucht. Heuer könnten es weniger Saisonarbeiter aus dem Ausland und dafür mehr Studenten oder Köche sein. | Foto: PZ-Archiv2020/04/hopfen-Drahtanlage-2.jpg

Speikern/Eckental. Wenn die Temperaturen eine Woche lang über 20 Grad Celsius klettern, kommt der Spargel aus dem Boden, sagt Ulrike Bierlein. Einen Hektar Spargel bauen die Speikernerin und ihr Mann Harry an, als einer von nur noch wenigen Betrieben im Landkreis. Ulrike Bierlein weiß, warum. Acht Wochen dauert die Ernte, ohne Ruhetag, in aller Herrgottsfrühe geht es los, bei Bierleins von 4.30 Uhr bis elf Uhr morgens. Nicht, weil das frühe Aufstehen so viel Spaß macht, sondern, weil es später durch die schwarze Folie unerträglich heiß werden kann. „Das ist eine unheimliche Arbeit“, sagt Ulrike Bierlein. „In der schönsten Zeit des Jahres hat man keinen Urlaub. Deswegen macht das fast keiner mehr.“

Hilfe bekommen die Bierleins seit ein paar Jahren von einem rumänischen Pärchen. Diesmal könnte das anders sein. Denn durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen europaweiten Einschränkungen werden deutlich weniger Saisonarbeiter in die Bundesrepublik gelangen. Bis Ende Mai werden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bundesweit etwa 100 000 Saisonarbeiter in der Landwirtschaft benötigt. Zunächst hieß es, die Einreise sei generell nicht möglich. Nun will der Bund die Einreise unter strengen Auflagen erlauben.

Warten auf Rumänen

Ob die Bierleins davon etwas haben, ist aber noch nicht sicher. „Wir brauchen die wieder“, sagt Harry Bierlein, und die beiden Rumänen wollen auch kommen. Aber ob sie unter denjenigen sind, die ins Land gelassen werden, ist unklar. Der Betrieb würde auch Ersatz aus Deutschland nehmen, es gibt Anfragen von Studenten und Kurzarbeitern. Doch da gibt es einen Haken, sagt Ulrike Bierlein. Es dauert etwa eine Woche, bis jemand eingearbeitet ist, „nicht jeder kann Spargel stechen, man braucht das Gefühl, wie der Spargel wächst“. Die Arbeit ist schwer, aber das ist nicht das Schlimmste: Was ist, wenn die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgehoben werden und die Kurzarbeiter wieder in die Betriebe wollen oder die Studenten in den Lehrsaal? Dann fehlen plötzlich die nötigen Arbeitsplätze.

Gaststätten kaufen keinen Spargel

Andererseits ist unklar, wer den Bierleins den Spargel heuer abnimmt. Bleiben die Gasthäuser zu, fällt der wichtigste Absatzmarkt weg. Dann ist fraglich, ob sich der Betrieb die Arbeiter überhaupt leisten will. „Wir brauchen Planungssicherheit“, sagt Ulrike Bierlein, „wir wissen noch nicht, wie das funktionieren soll“. Viel Zeit für eine Entscheidung haben sie nicht mehr, nach Ostern dürfte der Spargel aus dem Boden kommen, schätzt Ulrike Bierlein.

Im Landkreis dürften die Speikerner die einzigen Spargelbauern sein, die Erntehelfer brauchen, sagt Werner Wolf. Der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth verweist auf die wenigen Betriebe, die das „weiße Gold“ überhaupt noch anbauen. Insgesamt gebe es wohl noch rund vier Hektar. Zudem gebe es im Nürnberger Land größtenteils kleinere Strukturen und Familienbetriebe, das sei in diesem Fall von Vorteil.

Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf wirbt gerade während der Krise für die heimische Landwirtschaft. „Wichtig ist, dass man die Produkte aus der Region konsumiert“, so der Ottensooser. Den Bauern, die 365 Tage im Jahr für die Grundnahrungsmittel Sorge tragen, gebühre Wertschätzung und Anerkennung.

Saisonarbeiter in verschiedenen Wohnungen

Ein anderer landwirtschaftlicher Bereich ist ähnlich stark auf Saisonarbeiter angewiesen: 13 Hopfenbauern gibt es im Siegelbezirk Hersbruck, der das Nürnberger Land und Umland abdeckt, auf etwa 230 Hektar wird Hopfen angebaut. Vorsitzender ist der Herpersdorfer Markus Eckert, der einen Biohof bewirtschaftet. „Ich hab meine Leute frühzeitig ins Land geholt“, sagt Eckert. Wegen der Pandemie setzt er auf besondere Vorsichtsmaßnahmen: Für die Helfer aus Rumänien und Polen, die schon seit Jahren mithelfen, hat er in vier Wohnungen untergebracht. Sollte jemand krank werden, fallen dadurch nicht gleich alle aus.

Drei Stoßzeiten gibt es für Hopfenbauern: Das Aufhängen des Hopfendrahtes, der mit Lanzen im Boden fixiert wird. Das geschieht aktuell. Anschließend werden Ende des Monats etwa drei Wochen lang die Hopfentriebe um die Drähte gebunden. „Das ist der meiste Aufwand und körperlich sehr anstrengend“, so Eckert. Die Ernte folgt Anfang September.

Eckert sagt, die Pandemie werde auch für Hopfenbauern ein „einschneidendes Erlebnis“, die Produktion sei weltweit sehr hoch. Fiele nun der Umsatz weg, könnten Bauern ohne langfristige Verträge Probleme bekommen. „Es sind unsichere Umstände, keiner weiß, was morgen passiert.“

Für die Polen lohnt sich die Einreise nicht

Rund 120 Saisonarbeiter sind im Siegelbezirk Hersbruck angestellt. Wie viele diesmal davon aus dem Ausland kommen, bleibt abzuwarten. Eckert sagt, viele Polen nähmen sich für das Hopfen anbinden etwa drei Wochen Urlaub von ihrer regulären Arbeit daheim. Doch nun müssten sie nach der Rückreise zwei Wochen in Quarantäne. Da lohne sich der Arbeitstrip nicht mehr.

Eckert hat Anfang der Woche alle Betriebe im Siegelbezirk angerufen und war positiv überrascht: Jeder sei bereit, sich gegenseitig zu helfen, wenn Not am Mann ist, es gebe viele Angebote von Studenten, Köchen, Messebauern oder Schülern, die aktuell nichts bis wenig zu tun haben. Bei ihm haben sich auch viele Brauereien gemeldet, aus Neumarkt, aber auch aus Köln oder Stralsund. Deren Mitarbeiter würden notfalls einspringen. „Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß“, betont Eckert. „Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen. Alle.“

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