Besondere Geschichte einer Straße

Auf der Goldenen Straße von Lauf nach Nürnberg

Sie ist seit Jahrhunderten der westliche Eingang nach Lauf: die Nürnberger Straße. Auf der rechten Seite sehen die Passanten zurzeit die Wohnwagons der Bauarbeiter, die den Fabrikkomplex des Werkzeugherstellers Emuge erweitern. In wenigen Monaten wird das Emuge-Werk beide Seiten der Nürnberger Straße säumen. | Foto: Beck2020/09/Nurnberger-Strasse-Lauf-September-2020-Foto-Beck_010.jpg

LAUF – Auf ihr wandelten vor 700 Jahren Fürsten und Kaiser – und Händler transportierten ihre Güter durch das Heilige Römische Reich: Die Goldene Straße durch Lauf, besser bekannt als ehemalige B14 und unter ihrem heutigen Namen Nürnberger Straße.

Die einst mühsam bepflasterte Handelsroute folgte dem Lauf der Zeit in Richtung Industrialisierung. Heute ist auf dem rund einen Kilometer glatten Asphalt nur noch wenig vom einstigen Flair edler Fürstentümer zu spüren.
Auf den ersten Blick wirkt die vielbefahrene Strecke wenig einladend. Doch wer sich Mühe gibt, kann Schönes entdecken, zum Beispiel das historische Verlagshaus der Pegnitz-Zeitung. Der Weg vom Friedensplatz in der Stadtmitte, dem heutigen Beginn der Nürnberger Straße, bis zur Ortsausfahrt Richtung Rückersdorf ist eine kleine Reise durch die Zeit.

Ein wenig Glanz ist noch zu sehen

Anfangs sind sie zu sehen, die kaiserlichen Jahre. Wo sich tagsüber der Benzingestank der Autos mit Gerüchen fränkischer Küche vermischt, erhebt sich das stattliche Nürnberger Tor über den Platz, das in seiner jetzigen Form seit dem 14. Jahrhundert den Übergang in die Laufer Innenstadt markiert. Schon Karl IV. passierte das Tor auf dem Weg zu seiner Laufer Residenz, dem Wenzelschloss.

Lauf profitierte von den Plänen des Kaisers, der das Reich ab 1341 übernahm und seine Heimat Böhmen mit dem fränkischen Teil des Reiches verknüpfen wollte. Er ließ die Handelsstraße von Prag nach Nürnberg streng bewachen, befreite sie von Zöllen und nannte sie die „Goldene Straße“. Nur noch das Nürnberger Tor und einige verbliebene Fachwerkhäuser erinnern heute an mittelalterlichen Handelswegzeiten.

Das Nürnberger Tor ist seit 1355 der Eingang in die Laufer Altstadt und lag an der Nürnberger Straße. Heute beginnt diese 50 Meter vor dem Tor. / Foto: Beck2020/09/Nurnberger-Strasse-Lauf-September-2020-Foto-Beck_002.jpg

Nach dem Ende der Kaiserzeit im Jahr 1806 wandelte sich Lauf von der Frühindustrie der Hammerwerke zum modernen Industriestandort. Die schnelle Verbindung nach Nürnberg war der Grund dafür, dass sich im 19. Jahrhundert zahlreiche Betriebe entlang der Nürnberger Straße ansiedelten, deren Verlauf seit 1855 festgelegt ist.

Die alte Schule wurde zum Parkplatz

Den ersten Abschnitt bis zur Hirtenbrücke säumen heute Reihen zweistöckiger Häuser mit bröckelndem Putz und der große Parkplatz „Alter Schulhof“. Hier bezeugten ab 1847 die Schulhäuser – eines für Mädchen, eines für Knaben – die industrielle Entwicklung Laufs mit einer stetig wachsenden Bevölkerung. Nach dem Abriss der alten Schule wurde ihr Grund zum Parkplatz.

Während die obere Hälfte der Straße durch kleine Häuser, einige Kneipen und etwas Grün noch wie eine Innenstadt wirkt, beginnt in der unteren Hälfte das Zeitalter der Industrialisierung. Die Spuren werden breiter, führen vorbei an Autohändlern, Hochhäusern und Tankstellen, kurz vor der Ortsausfahrt Richtung A 9 münden sie in die Kreuzung an der Brücke West.

Standort für Firmen

Wo in der Rush-Hour hunderte Autos hinter roten Ampeln Schlange stehen, hatten seit Anfang des 20. Jahrhunderts wichtige Firmen wie die Süddeutschen Isolierrohrwerke, die Emuge, die Speckstein-Porzellanwerke und Döbrich & Heckel Steatit Werke ihren Standort. Ihr starker Güterverkehr war Grund für den stetigen Ausbau der Nürnberger Straße.

Nach rund 100 Jahren zog das ehemalige Werk des Keramikherstellers Döbrich & Heckel am Ortseingang Lauf nach Altdorf. Der Nachbar, Werkzeughersteller Emuge, übernahm das Gelände und baut hier seinen neuen Fabrikkomplex. Schon bald wird er das Ende der Nürnberger Straße auf beiden Seiten säumen. Autos fahren dann unter dem gläsernen Übergang durch, die das alte und neue Reich von Emuge verbindet – wie eine sehr kurze goldene Straße.

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