Jahreswechsel in Hersbruck

Auch an Silvester gelten Regeln

Das Feuerwerk von Silvester 2016, im Vordergrund die Stadtkirche. Schön ist es, aber es ist auch immer Vorsicht geboten. | Foto: Jürgen Ruppert2017/12/Silvester-Heb.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Kaum ist Weihnachten vorbei, geht es auf das nächste Fest zu – Silvester. Bei den meisten darf an diesem Abend Knallerei und Böllern nicht fehlen. Doch Achtung, hier ist vom Einkauf bis zum Zünden Vorsicht geboten: In den vergangenen Jahren erlitten allein in Bayern im Schnitt über 50 Menschen zum Jahreswechsel Knalltraumen, Brand, Kopf- oder Augenverletzungen, teilt die Polizei mit.

Das Steigenlassen von Raketen ist nicht ungefährlich. Noch riskanter wird es, wenn nicht zugelassene Feuerwerkskörper zum Einsatz kommen. „Hier besteht die Gefahr von Fehlzündungen“, sagt Johann Meixner, Chef der Hersbrucker Polizei. Mangelhafte Verarbeitung und die Verwendung von Industriesprengstoff können selbst bei korrekter Anwendung zu lebensbedrohlichen Verletzungen führen, weiß das Hauptzollamt Nürnberg. Solche Produkte stammen in der Regel aus dem Ausland – vor allem aus Polen und der Tschechischen Republik –, denn in Deutschland ist der Verkauf von zugelassenen pyrotechnischen Gegenständen einheitlich geregelt.

In die Bundesrepublik dürfen daher nur zugelassene Feuerwerkskörper mitgebracht werden. Die Einfuhr von nicht zugelassenen Feuerwerkskörpern ist nach den Vorschriften des Sprengstoffgesetzes verboten und strafbar. „Bußgelder bis zu 50 000 Euro, sogar Freiheitsstrafen, sind hier möglich“, warnt Meixner. In diesen Fällen wird stets ein Strafverfahren eingeleitet, die Feuerwerkskörper werden beschlagnahmt. Reisefreimengen werden nicht gewährt, macht der Zoll klar. Das Hauptzollamt Nürnberg rät daher dringend, nur zugelassene Qualitätsprodukte bei autorisierten Händlern zu kaufen und immer darauf zu achten, dass die BAM- oder CE-Zeichen nicht gefälscht sind (siehe Tipps).

Hat man sich mit den richtigen Waren versorgt, geht es mit der Achtsamkeit beim Abbrennen weiter: „Jeder, der Böller oder Rakete zündet, muss sich darüber klar sein, dass er verantwortlich dafür ist, was mit und im Zuge des Böllers passiert“, betont Christof Rothkegel, Chef des Bürgerbüros Hersbruck. Und Meixner ergänzt, dass nur Erwachsene ab 18 Jahren Silvesterfeuerwerk abbrennen dürfen. Die so schöne Knallerei sei „potenziell gefährlich“. Und zwar nicht nur für Menschen, sondern auch für Gebäude.

Wie landesweit gilt ebenso in Hersbruck Paragraf 23 der Sprengstoffverordnung, der ein Feuerwerk in „unmittelbarer Nähe zu Fachwerkhäusern“ verbietet. Wer sich nicht daran hält, dem droht eine Anzeige zwecks einer Ordnungswidrigkeit, erklärt Rothkegel. Übrigens muss zudem zu Krankenhäusern, Kirchen und Seniorenheimen Abstand gewahrt werden. Ein spezielles Sicherheitskonzept der Stadt für die Silvesternacht gebe es aber nicht, sagt Rothkegel, nur eine enge Abstimmung mit der Polizei. Anders wäre das bei einer großen Party. Dennoch versucht die Polizei laut Meixner – wenn es die Einsatzlage zulässt – in der Innenstadt präsent zu sein und gegebenenfalls bei gravierenden Verstößen einzuschreiten.

Bislang waren die Ordnungshüter bei Schlägereien, Hilflosigkeit aufgrund Alkoholkonsums, Einsamkeit oder Bränden gefragt. Lärm spielte weniger eine Rolle: „Traditionsgemäß sind die Leute in dieser Nacht toleranter und reagieren auf Lärm nicht so empfindlich“, weiß Meixner. Er betont aber dennoch: „Nur ab einer gewissen Zeit muss Schluss mit Lärm, Feuerwerk und Party sein. Silvester ist kein Freibrief für Sachbeschädigungen.“ Das Sprengen von Briefkästen oder Mülltonnen sei eine Straftat.

Und was ist am Tag danach? „Eigentlich sollte der, der knallt, auch aufräumen“, macht Rothkegel klar. Die meisten Hersbrucker würden das auch tun, dennoch war der Bauhof am Neujahrstag 2017 rund 35 Stunden damit beschäftigt, etwa drei Kubikmeter Müll zu beseitigen. Rothkegel appelliert, die Spuren der eigenen Silvesterböllerei am nächsten Morgen, „wenn alles abgekühlt ist“, selbst wegzuräumen: „Dabei kann auch der Kopf durchlüften.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch