Rückgang um fast 50 Prozent

Asyl-Unterkünfte machen zu

Das ehemalige MAN-Roland-Gebäude am Landratsamt wird seit 2016 als dezentrale Asylbewerberunterkunft genutzt. Diese Einrichtung bleibt bestehen. | Foto: Gramlich2019/08/man-roland-asylbewerber-lauf.jpg

NÜRNBERGER LAND – Der Landkreis Nürnberger Land hat seit Jahresbeginn fünf dezentrale Asylbewerberunterkünfte geschlossen und wird bis Ende Dezember weitere fünf Einrichtungen zumachen. Aufgrund der zurückgehenden Bewerberzahlen sei der Bedarf einfach nicht mehr gegeben, berichtete der zuständige Sozialamtsleiter Wolfgang Röhrl im Ausschuss für soziale Fragen im Landratsamt.

Aktuell gibt es im Nürnberger Land 1635 Plätze für Asylbewerber, belegt sind tatsächlich nur 979. Und davon wiederum seien 190 sogenannte Fehlbeleger. Personen also, die den Asylstatus erreicht haben und eigentlich ausziehen müssten, es aufgrund der Knappheit an bezahlbarem Wohnraum in vielen Orten aber nicht können.

Der höchste Stand wurde 2018 erreicht, als insgesamt 2 598 Plätze in sieben von der Regierung von Mittelfranken betriebenen Gemeinschaftsunterkünften sowie in 42 dezentralen Unterkünften des Landkreises für die sogenannte Anschlussunterbringung vorgehalten wurden.

Von den jetzt geschlossenen Unterkünften befanden sich zwei in Hartenstein, zwei in Hersbruck und eine in Pommelsbrunn. Von den derzeit noch 33 dezentralen Unterkünften sollen bis zum Jahresende noch zwei in Burgthann sowie jeweils eine in Hersbruck, Schnaittach und Schwarzenbruck aufgelöst werden.

Bis Ende 2020 soll die Zahl der dezentralen Unterkünfte dann auf 19 reduziert werden. Das entspricht einem Rückgang von fast fünfzig Prozent gegenüber der Hochphase im Jahr 2018. Nachdem bei der überwiegenden Zahl der Objekte des Landkreises eine Mietvertragsdauer von circa fünf Jahren vereinbart wurde, laufen ab dem aktuellen Jahr vermehrt Verträge aus. Aktuell gebe es keinen Grund, die Mietverträge zu verlängern.

Ab 2014 wurden bedingt durch den Anstieg der Asylbewerberzahlen in Deutschland in größerem Umfang Objekte zur dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern durch den Landkreis angemietet. Das Ziel sei stets gewesen, alle Asylbewerber ordentlich – das heißt nicht in Zelten oder Turnhallen – unterzubringen. Dieses Ziel sei erreicht worden, stellte Landrat Armin Kroder anerkennend fest, wenngleich in der Hochphase des Asylbewerberzustroms eine gleichmäßige Verteilung im Nürnberger Land nicht möglich gewesen sei. Sein Fazit nach vier Jahren fällt trotzdem insgesamt positiv aus: „In Zusammenarbeit mit Haupt- und Ehrenamtlichen sowie den Mitarbeitern der Asylsozialberatung haben wir beachtliche Integrationserfolge im Landkreis erreicht.“

Aufgrund der nachlassenden Zugangszahlen sowie des Auszugs von Asylbewerbern nach der Anerkennung des Asylstatus wird vom Bayerischen Sozialministerium unter dem Titel „Umsteuerung“ das Ziel verfolgt, Überkapazitäten zu vermeiden und die Auslastung der bestehenden Objekte zu erhöhen. Die Situation habe sich jetzt so stabilisiert, dass die Anzahl der Asylbewerberunterkünfte reduziert werden könne, erklärte Wolfgang Röhrl. Das Vertragsende gelte selbst für Objekte in einem besonders guten Zustand, bei denen eine Verlängerung erstrebenswert wäre: Der Landkreis habe aber keine Wahl und „muss die Vertragsverhältnisse peu à peu beenden“.

Die sieben großen Gemeinschaftsunterkünfte mit insgesamt 384 Plätzen im Nürnberger Land bleiben dagegen weiterhin bestehen, da hier seitens der Regierung Verträge über eine längere Laufzeit abgeschlossen wurden. Eine dieser Unterkünfte ist in Lauf beispielsweise das ehemalige Man-Roland-Gebäude, direkt gegenüber dem Landratsamt.

„Wir wollen hier die Gemeinden mit dem Problem des Wohnraummangels für anerkannte Asylbewerber nicht allein lassen“, gibt Röhrl zu bedenken. Im Zuge der Unterkunftsschließungen stehen er und sein Team deshalb in engem Kontakt mit den Gemeinden und der Asylsozialberatung. Gespräche mit den Vermietern und Kommunen über die Nachnutzung der geschlossenen Objekte (zum Beispiel als preisgünstige Wohnung oder Obdachlosenunterkunft) würden nach Möglichkeit angestrebt, so der Referent.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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