Junge Altenfurterin für FSJ in Nord-Indien

Ein ganzes Jahr im Himalaya

Hier in den Himalaya-Ausläufern Nordindiens wird Lena Nitsche ihr Freiwilliges Soziales Jahr verbringen. | Foto: GoodFreePhotos2018/08/monastery-on-the-mountaintop-in-ladakh-india.jpg

ALTENFURT – Ein Jahr nach Indien als junges, hübsches 18-jähriges Mädchen? Das klingt nach Hippie-Revival, Flausen im Kopf, Leichtsinn. Doch im Fall von Lena Nitsche ist das ganz sicher anders. Die junge Frau möchte nach ihrem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen und dabei gern in eine andere Kultur eintauchen, unbedingt mit Kindern arbeiten und das Ganze selbstverständlich gut vorbereitet und auf seriöser Basis angehen. Am Dienstag fliegt sie nach Indien und tritt nach einem Vorbereitungsseminar ihren Einsatz im Himalaya an.

Lena Nitsche freut sich auf ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Leh, Nordindien. | Foto: Spandler2018/08/altenfurt-Lena-Nitsche2.jpg

„Erst mal raus“ wollte Lena nach dem Abitur am Pirckheimer-Gymnasium in Nürnberg. Sie ist ohnehin jemand, der sich gern in der Welt umsieht, hat schon einen dreimonatigen Aufenthalt in Metz (Frankreich) als Austauschschülerin hinter sich, der ihr gut gefallen hat. Und nun, vor dem Studium, sollte es noch mal ein größerer Auslandsaufenthalt sein, möglichst weit weg.

Ursprünglich wollte sie als Aupair nach Kanada gehen, dann aber stieß sie auf die Organisation Ecoselva, die ganz ihren Vorstellungen entsprach. Lena ist aktive Handballerin und Jugendtrainierin bei der SG Altenfurt/Feucht und arbeitet in der Pfarrjugendleitung der katholischen jungen Gemeinde Altenfurt. Deshalb wollte sie auf jeden Fall auch im Ausland mit Kindern zu tun haben. Und dabei hat sie die eher benachteiligten im Blick. Ebenso sollten Umweltaspekte eine Rolle spielen bei dem Projekt, das sie sich für ihr Auslandsjahr aussuchen wollte.

Eine kleinere Organisation wie Ecoselva, die nicht kommerziell ausgerichtet ist, früher nur auf Lateinamerika beschränkt war und sich beispielsweise den Schutz des Regenwaldes auf die Fahnen geschrieben hatte, fand sie am ansprechendsten.

Die Dominikanische Republik, Peru und Indien waren die möglichen Einsatzorte und nach einigen Recherchen fand Lena, dass sie das indische Projekt am meisten interessierte, „am entspanntesten“ scheint ihr das aufgrund der studierten Erfahrungsberichte zu sein.

Mission in der Hochwüste

Nun hat sie ihre Mission: Sie wird in der Nähe von Leh in der Hochwüste des Himalaya in Nordindien auf 3.500 Metern die Lehrer einer Schule unterstützen und Kinder unterrichten, vermutlich in Englisch, Mathematik und Sport. Das Projekt, an dem sie dann beteiligt ist, gehörte ursprünglich zur Welthungerhilfe, was bereits zeigt, dass es sich bei den Schülern um welche handelt, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

„Kinder, die aus armen Familien stammen oder als Halbnomaden aufwachsen“ und die normalerweise einen sehr weiten Schulweg auf sich nehmen müssten, um Bildung zu erfahren, sind dort in Klöstern untergebracht, von den kleinsten Vierjährigen bis zur elften Klasse, erzählt die junge Altenfurterin.

Sie selbst wird nicht im Hauptcampus arbeiten, sondern in einer Zweigschule in Tingmosgang, in die Kinder von der ersten bis zur achten Klasse gehen. Eine Riesenumstellung wird da auf sie zukommen, wenn auch sie selbst im Kloster lebt, vormittags unterrichtet, nachmittags bei der Hausaufgabenbetreuung hilft und auch ein bisschen bei der Organisation der Freizeitgestaltung.

Kost und Logis sind frei, ein kleines Taschengeld von 100 Euro steht ihr zur Verfügung. Im Laufe des Jahres wird sie eventuell noch zu einer Gastfamilie ziehen, denn die Ferien in Leh dauern länger als ihre 20 Urlaubstage, so dass sie sich noch ein Praktikum suchen muss.

Mit vier anderen Freiwilligen aus der gesamten Bundesrepublik geht es am Dienstag los, ein Vorbereitungsseminar haben sie bereits in Thüringen absolviert, bei dem sie ein Briefing erhielten, in dem es um kulturelle Eigenheiten ging und darum, wie man sich den Landesgepflogenheiten anpasst, ohne sich zu gefährden oder Irritationen hervorzurufen. Eine weitere Unterweisung wird es nach der Ankunft in Delhi geben.

Selbstverständliches hat man natürlich sowieso schon im Hinterkopf, das wird einem auch immer wieder vorgebetet: In der Dunkelheit als Mädchen nicht allein das Haus verlassen, wenn doch, dann in Begleitung, am besten einer männlichen Person. Dies gilt insbesondere für die großen hinduistisch geprägten Städte.

Anders sei das in Ladakh, der Region, in der Leh liegt, weiß Lena Nitsche. Hier geht es um einen buddhistischen Landstrich, in dem der Stellenwert der Frau grundsätzlich höher ist als in den hinduistischen Gebieten, so dass Übergriffe dort weniger zu erwarten sind. Dennoch wird sie sich an die Tipps der Spezialisten halten: Stets Knie und Schultern bedeckt halten, auch bei großer Hitze lieber lange Hosen tragen.

„Ein cooles Jahr“

Und wie ist die Stimmung der 18-Jährigen, so kurz vor Beginn eines besonderen Lebensabschnitts? Einerseits freut sie sich sehr. „Das wird ein cooles Jahr“, ist sie überzeugt, aber irgendwie ist der Ortswechsel im Kopf noch gar nicht richtig angekommen, merkt sie.

Schwierigkeiten, mit denen sie rechnet, sind zunächst die Akklimatisierung, wenn sie ihren Job in 3500 Metern Höhe aufnimmt, und ein wenig sorgt sie sich auch, ob es klappen wird, von dem Team, mit dem sie zusammenarbeiten soll, auch angenommen zu werden. Die Verständigung mit den Erwachsenen wird auf Englisch funktionieren. Für die Kinder braucht es keine besondere Sprache, „die sind sowieso offener“, und ihr Crash-Kurs in Hindi wird wenig helfen, denn in ihrer Wahlheimat auf Zeit spricht man Ladakhi, einen örtlichen Dialekt.

Reifer werde sie wohl werden nach diesem Jahr und Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen, glaubt die 18-Jährige, die sich besonders auf die Kinder freut und sich allgemein als „Kindermensch“ bezeichnet.

Bis zum Ende des Projekts muss Lena noch 2600 Euro für die Partner vor Ort sammeln, weswegen sie eifrig die Werbetrommel rührt. Weitere Informationen sowie die Bankverbindung gibt es per E-Mail an [email protected] Lena Nitsche wird in den kommenden Monaten über ihren Aufenthalt auf ihrem Blog https://lena-in-leh.jimdofree.com berichten.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler