Madame Baheux im Betsaal

Wutbürger Wiener Art

adame Baheux, das Quartett um Frontfrau Jelena Popržan, nimmt sein Publikum mit auf einen Balkan-Trip. | Foto: Patrick Hutter-Blüml2019/12/Madame-Baheux-1-by-Padraig-Huttel-Blueml.jpg

ALTDORF – Es war ganz schön was los am Samstag im Wichernhaushof. Auf dem Altdorfer Weihnachtsmarkt drängten sich die Besucher, genossen Glühwein, Flammkuchen und Bratwurstbrötchen bei winterlichen Temperaturen. Gleich nebenan im Betsaal wurde derweil die Bühne für einen furiosen Konzertabend bereitet: Madame Baheux war zu Gast und der Saal war voll bis in den letzten Winkel.

Das Quartett aus Wien startete mit einem Schlagzeugsolo, aus dem sich ein balkanischer Tanz herausschälte. Südosteuropäische Landeskunde war immer wieder Thema in den Texten und den Ansagen der Frontfrau Jelena Popržan. Ebenso Migration, schließlich musste mit der niederösterreichischen Gastarbeiterin Lina Neuner ein „Nicht-Jugo“ in die Band integriert werden.

Temperamentvoll und virtuos wurden Lieder von Ewan MacColl über Traveller, Bert Brecht – Seeräuber-Jenny – oder vom „altösterreichischen Rapper“ Georg Kreisler interpretiert. Das deftig-humorige Schawapeanzara-Lied über einen Wutbürger Wiener Art sorgte für viel Lachen im Saal, obwohl man beim dadaesken Fiktiv-Wienerisch schon sehr genau hinhören musste.

Überhaupt hat Madame Baheux das Publikum schnell eingenommen, es fieberte bei jedem Song regelrecht mit und spendete den Solisten immer wieder spontanen Applaus.

Der Balkan – psychedelisch erklärt

Zur Höchstform liefen die Musikerinnen auf, als sie den Balkan psychedelisch erklärten. Und das geht am besten über das Gefühl, über vertrackte Rhythmen, fast orientalisch anmutende Skalen und vielstimmigen Gesang. Jelena Popržans Bratsche, Lina Neuners häufig gestrichener, meist jazzig gespielter Kontrabass und Ljubinka Jokics rockige E-Gitarre bildeten dabei ein eingespieltes, organisches Gefüge. Maria Petrova bediente das Schlagzeug mal filigran, mal mit Wucht – am eindrucksvollsten, wenn sie mit der riesigen Rahmentrommel Tupan nach vorne trat.

Jelena Popržan kann auch den Soul, etwa in ihrem Song „How Many Times I’ve Heard This Song“ über den missglückten Versuch, einen Ohrwurm zu zähmen. Und den Blues, wenn der selbstmitleidige innere Monolog einer Politikerin dramatisiert wird. Auch dies wird mehrfach deutlich: Madame Baheux hat Haltung und Botschaft. Es lohnte sich also in jeder Hinsicht, gut hinzuhören. Der Funke sprang über, das Publikum war begeistert.

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