Wer war Wallenstein?

Wissenschaftler präsentieren Ergebnisse

Die vier Herausgeber sind stolz auf ihr Werk (von links): Prof. Dr. Georg Seiderer, Dominik Sauerer, Prof. Dr. Birgit Emich und Prof. Dr. Dirk Niefanger. | Foto: Mock2018/06/Altdorf-Wallenstein-Symposium-Buchvorstellung.jpg

ALTDORF – Brutaler Kriegsverbrecher, heroischer Feldherr, getriebener Sternengläubiger – zur Person Albrecht von Wallensteins gibt es viele Interpretationen. Er ist eine der faszinierendsten und umstrittensten Figuren des Dreißigjährigen Krieges. Wer war er? Dieser Frage hat sich das internationale Symposium „Wallenstein. Mensch. Mythos. Memoria“ der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg im April 2017 gewidmet. Der aus der Tagung hervorgegangene Sammelband wurde vergangenen Sonntag öffentlich vorgestellt.

„Der Beginn des Dreißigjährigen Kriegs liegt 400 Jahre zurück. Dennoch ist er unangenehmer Weise hoch aktuell“, sagte Prof. Dr. Birgit Emich. Immer wieder werde er mit heutigen Kriegen verglichen, besonders mit dem Bürgerkrieg in Syrien. Wege, die damals zum Westfälischen Frieden geführt haben, könnten Inspiration für Friedenslösungen geben, erklärte die Historikerin vergangenen Sonntag im Wichernhaus. Sie ist eine der vier Herausgeber das Sammelbandes „Wallenstein. Mensch. Mythos. Memoria“.
In dem Buch sind die Ergebnisse des Wallenstein-Symposiums, das April 2017 in Nürnberg getagt hat, festgehalten. Angeregt hatte den wissenschaftlichen Dialog zur Figur Wallenstein Hans-Peter Schmidt, ehemaliger Schirmherr der Festspiele und Vorsitzender des Stiftungsrats der Nürnberger Versicherung. Die Erfahrung, sein Forschungsthema auch interessierten Laien vorzustellen, sei sehr interessant und inspirierend gewesen, berichtete Mitherausgeber Prof. Dr. Niefanger. „Natürlich kommen da ganz andere Fragen als von meinen Studenten“, sagte der Literaturwissenschaftler. Die Zusammenarbeit mit der Nürnberger Versicherung, die das wissenschaftliche Projekt hauptsächlich finanziert hat, sei daher sowohl angenehm als auch fruchtbar gewesen.

Des Feldherrn Facetten

„Moderne Geschichtsschreibung sollte, ja muss eigentlich interdisziplinär geführt werden“, sagte Historikerin Emich. Es gehe in den Beiträgen daher nicht nur darum, der historischen Persönlichkeit Wallensteins möglichst nahe zu kommen, sondern auch zu beleuchten, wie der Feldherr nach seinem Tod dargestellt wurde, ergänzte ihr Kollege und Mitherausgeber Prof. Dr. Georg Seiderer. Insgesamt 28 Forscher der Fachdisziplinen Geschichts-, Literatur-, Kultur- und Musikwissenschaft sowie Kunstgeschichte aus Deutschland, Österreich, Italien, der Tschechischen Republik und Großbritannien haben zu einem 580 Seiten starken Sammelband beigetragen. Wallenstein selbst werde in all seinen Facetten beleuchtet, erklärte Dominik Sauerer, der vierte Herausgeber: als rebellierender Jungspund, Kriegsunternehmer, Diplomat, Politiker, Bauherr, Mäzen, aber auch als an schmerzhaften Krankheiten Leidender, der phasenweise in der Astrologie Zuflucht sucht. Darüber hinaus erschließen die Forscher die Bilder, die von Wallenstein seit dem 17. Jahrhundert in Literatur, Kunst und Musik, im Film und in der aktuellen Vermarktung verbreitet werden. Das Sahnestück für alle Altdorfer: Dr. Wolfgang Mährle beleuchtet in seinem Beitrag „Der gewalttätige Student“ Wallensteins kurze turbulente Studienzeit an der hiesigen ehemaligen Universität.

Wie geht es weiter?

Auch wenn der Band „Wallenstein. Mensch. Mythos. Memoria.“ neue Erkenntnisse liefert, ist die Suche nach Wallenstein und damit die Entmystifizierung seiner Person noch nicht abgeschlossen.
Künftig werden deshalb in einem dreijährigen Turnus – und damit parallel zu den Festspielen – unter dem Titel „Altdorfer Gespräche über Wallenstein und seine Zeit“ Ergebnisse weiterer Forschungsarbeiten präsentiert werden. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Person Wallenstein und der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wird unter Federführung eines internationalen und hochkarätig besetzten Kuratoriums stehen, welches am vergangenen Sonntag von Bürgermeister Erich Odörfer konstituiert worden ist.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray