Bürgerfragen an Rathauschef Odörfer

„Warum kauft Altdorf nicht das Graffiti-Areal?“

Beste Lage in Altdorf: Ein Bauzaun versperrt den Zugang zum ehemaligen Graffiti-Biergarten, in dem eine Senioren-Wohnanlage entstehen soll. Viele Altdorfer sehen durch das Bauprojekt den Baudergraben verschandelt, zumal der alte Baumbestand fallen muss. Andere verweisen auf dringend benötigten Wohnraum für Senioren in Zentrumsnähe. | Foto: Blinten2017/03/Graffiti-Areal.jpg

 

ALTDORF – Eine Mehrheit aus CSU und FW/UNA hat im Stadtrat grünes Licht gegeben für eine Bebauung des Graffiti-Areals mit Senioren-Wohnungen. Bürgerinnen und Bürger appellieren nun, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.

40 Einheiten sollen auf dem Graffiti-Areal entstehen, zusätzlich ein Pflegestützpunkt der Arbeiterwohlfahrt. Errichtet wird das Projekt von einem Neumarkter Investor. Wie mehrfach berichtet, lehnen SPD und Grüne das Vorhaben vehement ab und forderten, die Stadt solle das über 3000 Quadratmeter große Grundstück kaufen und so entwickeln, wie von Architekt Hubert Kress geplant.

Nach unbestätigten Informationen soll die Immobilie in bester Lage in Altdorf knapp über 1,7 Millionen Euro kosten. Eigentümer ist die Münchner Inselkammer Immobilien GmbH, die sich inzwischen mit der Neumarkter Firma Kölbl Bau GmbH und der AWO über einen Verkauf einig sein soll.

Kölbl-Geschäftsführer Michael Bittner hat im Stadtentwicklungsausschuss in Altdorf im Februar das Vorhaben seines Unternehmens erläutert, AWO-Landkreischef Christian Fügl berichtete in derselben Sitzung von Gesprächen mit Inselkammer, in denen die Eigentümer betont hätten, dass ihnen der Bau von Seniorenwohnungen in Kooperation mit der AWO ein Anliegen sei.

Gegen massive Bebauung

Viele Altdorfer wollen trotzdem nicht akzeptieren, dass das ehemalige Biergartengelände mit seinem alten Baumbestand überbaut werden soll. „Warum kann die Stadt das Graffiti-Areal nicht kaufen?“ fragte deshalb Renate Kaschmieder auf der jüngsten Bürgerversammlung im Sportpark, nachdem Bürgermeister Erich Odörfer die Finanzsituation der Stadt erläutert hatte, die sich alles in allem recht positiv präsentiert, wenn auch mittelfristig große Belastungen wegen zahlreicher nötiger Investitionen auf die Stadt zukommen werden.

Finanziell sehe es für Altdorf doch gar nicht so schlecht aus, so Kaschmieder, da könne die Stadt das Grundstück doch erwerben. „Wir wollen diese massive Bebauung nicht, der die alten Bäume weichen müssen, der Baudergraben wird doch verschandelt.

Allerdings ist der Beschluss für eine Bebauung des Geländes mehrheitlich von Stadtrat gefasst worden. „Wir leben in einer Demokratie“, so Bürgermeister Erich Odörfers Antwort auf Kaschmieder. „Der Stadtrat hat so entschieden.

Appell an den Stadtrat

Eine Bürgerin appellierte an den Bürgermeister und die zahlreichen Stadträte in der Bürgerversammlung, ihre Entscheidung zum Graffiti-Areal noch einmal zu überdenken. Das Grundstück habe einen hohen Stellenwert für Altdorf.
Denken Sie bitte daran, dass wir viele ältere Mitbürger in Altdorf haben, für die wir Wohnraum brauchen“, so Odörfers Erwiderung. Woraufhin aus dem Publikum nachgefragt wurde, ob die Wohnungen denn für den Normalverdiener überhaupt bezahlbar seien.

Durchaus, so der Bürgermeister, Investor und AWO haben im Stadtrat und im Hauptausschuss versichert, dass im Baudergraben keine Luxuswohnungen entstehen werden.

Die Gegner des Projekts für Seniorenwohnungen im Baudergraben haben zwar die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens ins Gespräch gebracht, um das Vorhaben zu Fall zu bringen. Allerdings ist fraglich, wie man damit weiterkommen will. Inselkammer kann nicht enteignet werden. Und die Stadt hat für das Grundstück auch kein Vorkaufsrecht. Es ist allein Sache des Eigentümers, an wen er verkauft. Einfluss nehmen freilich kann die Stadt auf Ausmaß und Umfang des Baus im Baudergraben.

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N-Land Alex Blinten
Alex Blinten