„Voll schräge Hochzeit“

Kleinbürger feiern Hochzeit: Szene aus dem Brecht-Stück, das heute noch einmal am Leibniz-Gymnasium aufgeführt wird.2010/12/kleinbuerger_New_1292338082.jpg

ALTDORF – In einer besonders schwierigen Situation sah sich dieses Jahr die Theatergruppe des Leibniz-Gymnasiums Altdorf unter Leitung von Petra Vetter. Da durch den Doppel-Abiturjahrgang G8/G9 ein Großteil des Ensembles die Schule dieses Jahr sogar schon im März verlassen wird, entschied man sich dazu, die diesjährige Aufführung bereits im Winter, anstatt wie sonst vor Ostern auf die Bühne zu bringen. Dies setzte sowohl die Schauspieler als auch die dramaturgische Leitung gewaltig unter Druck. Doch auch entgegen solcher Widrigkeiten schaffte es die Leibniz-Theatergruppe letztendlich, bravourös an ihre Erfolge der vergangenen Jahre anzuknüpfen.

Mit Bertolt Brechts „Die Kleinbürgerhochzeit“ wird ein moderner Einakter aufgeführt, der mit Hilfe von jeder Menge schwarzem Humor, Sarkasmus und Ironie der spießbürgerlichen Gesellschaft einen Spiegel vorhält und auch heute noch eindeutig seine kritische wie komische Wirkung erzielt.

Geschildert wird der (angeblich) wohl schönste Tag im Leben: Das Brautpaar verbringt seinen Hochzeitstag im Kreise der Familie. Dass hierbei einiges schief laufen muss, scheint von vornherein klar zu sein. Zumal die Braut nicht nur aus Liebe heiratet und der Ehemann den Hausstand mit eigener Hand zusammengezimmert hat. Und es kommt wie es kommen muss. Vater und Freunde ergehen sich in peinlichen und bitterbösen „Anekdoten“, über welche neben dem Publikum, in der ausverkauften Aula des Gymnasiums, nur die zwei frühreifen Blumenkinder (Lydia Bökelmann, K13 und Nina Schultz, 10g) zu lachen wissen. Als schließlich aufgrund der sehr dürftigen Handwerkskunst des Bräutigams die Stühle reihenweise zu Bruch gehen (bewährte Bühnentechnik: Walter Flintsch) und nicht mehr ausreichen, kippt die Feier endgültig ins Groteske und in bitterböse wechselseitige Anschuldigungen.

Eines der Highlights des Stückes ist die von Nina Renner (K13) gespielte schon etwas senile Großmutter der Braut, die durch ihr schlechtes Gehör stets unfreiwillig für Lacher im Publikum sorgt.

Grandiose Schauspieler

Die Schauspieler der Theatergruppe spielen ihre Figuren grandios, von Hannah Trautmann und Jorit Oberste-Schemann (Q12/Q11) als verzweifeltem Brautpaar, Kathrin Fröhlich und Sile Bojer (K13/Q12) als ungleichem Nachbarinnenpaar, über die sexuell fixierte Schwester (Sarah Samson K13), die beiden hedonistischen Freunde (Ben Westerath 10c und Philipp Link 10e) bis hin zur vor allem ums Essen besorgten Mutter (Annabella Köpke Q12) und zum ständig schwadronierenden Vater, der von Sebastian Kögel (K14!) gegeben wird, was die Verbundenheit auch ehemaliger Schüler zum Leibniz-Gymnasium eindrucksvoll beweist. Beigetragen zum Erfolg haben sicher auch die auffällig geschminkten Gesichter der Schauspieler und die gekonnten Frisurenkreationen von Ina Middlemiss.

„Die Kleinbürgerhochzeit“ der Theatergruppe des Leibniz-Gymnasiums ist kurzweilige Unterhaltung, die vor allem durch derben Humor und witzige Sprüche besticht, oder wie es Direktorin Regina Fleischer ausdrückte „eine voll schräge Hochzeit“. Das einzige Manko ist vielleicht, dass das Stück wegen des oben beschriebenen Zeitdrucks schon nach einer Stunde zu Ende ist. Vielleicht jedoch nur noch ein Anreiz mehr, sich dieses gelungene Stück einmal anzusehen.

Die letzte Aufführung findet am heutigen Mittwoch, 15. Dezember, um 20 Uhr statt.

Bianca Schrammel & Sabrina Naumann

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