Paare spielen mit der Magie der Zahlen

Vertrauen in die Schnapszahlen

Treten heute vor den Standesbeamten: Michael Köck und Jana Neumann. Ob Söhnchen Leonidas mit seinen gerade mal 26 Tagen die Zeremonie genauso souverän über die Bühne gehen lässt wie den Fototermin, wird sich herausstellen.2012/12/leonidas_New_1355236201.jpg

NÜRNBERGER LAND – 9.9.99, 10.10.10, 11.11.11: Schnapszahlen als Daten für besondere Ereignisse werden immer wieder gern genommen – für besondere Feiern, vor allem natürlich für ein solch unvergessliches Fest wie die Hochzeit. Heute also der 12.12.12. Er ist die letzte Chance für Abergläubische, die Großes vorhaben und annehmen, solche Zahlen bringen Glück. Oder für vergessliche, die den Hochzeitstag nicht so schnell verschwitzen, wenn sich auch das Datum leicht merken lässt. Wer den heutigen Termin verpasst hat, bekommt so schnell keinen ähnlichen mehr, denn einen 13.13.13 oder 14.14.14 wird es definitiv nicht geben.

Wir haben uns auf den Standesämtern umgehört, ob der heutige 12.12.12 denn ein gefragter Hochzeitstermin war. Und uns mit einigen Paaren unterhalten, die auf Hochzeitstage mit Schnapszahlen setzen. Um es vorweg zu nehmen – allzu viele sind es nicht: Keine Anmeldung hatten Feucht und Winkelhaid. In Leinburg und Schwarzenbruck hat sich je ein Paar kurzfristig entschlossen, in Altdorf werden sich zwei und in Burgthann sogar drei Heiratswillige auf dem Standesamt einfinden. Kein Freund solcher Trauungen ist auch Schwarzenbrucks Bürgermeister Bernd Ernstberger, der selber seit fast 30 Jahren Eheschließungen vollzieht: „Ich denke, dass die Bürger bei uns vernünftiger mit dem Hochzeitstermin umgehen als in der Großstadt Nürnberg“, macht er das Stadt-Land-Gefälle verantwortlich für den unterschiedlichen Run auf besondere Hochzeitstermine.

Auch aus den Standesämtern des Nürnberger Landes hört man ähnlich nüchterne Kommentare: Am Land heiratet man lieber am Wochenende, damit man ordentlich einen drauf machen kann. Auch die kalte Jahreszeit und der Termin so kurz vor Weihnachten spricht nicht unbedingt für eine Heirat zum heutigen Datum. So ließe sich erklären, warum der Ansturm am 8.8.88 oder 9.9.99 größer war.

Zwei, denen der Zeitpunkt im Dezember dagegen sehr gelegen kam, sind Michael Köck und Jana Neumann. Die beiden haben sich in München kennen gelernt und wohnen seit Mai in Altdorf. Drei Jahre kennen sie sich, seit zwei Jahren sind sie ein Paar. Der sichtbare Beweis ihrer glücklichen Beziehung ist 26 Tage alt, heißt Leonidas und ist mit ein Grund, warum man sich den staatlichen Segen geben lässt.

Letzte Schnapszahl für lange Zeit

Und warum nun ausgerechnet am 12.12.12? Für Jana spielte auch eine Rolle, dass dieser Termin auf lange Zeit der letzte besondere sein wird. Für Michael ist die Zahl zwölf als Glückszahl der Mayas ohnehin von besonderer Bedeutung. Der 29-Jährige wollte unbedingt ein spezielles Datum in die Eheringe eingravieren lassen und hat schon im Januar mit diversen Standesämtern telefoniert, um sicher zu gehen, dass der Termin im Dezember klappt.

Seine zukünftige Frau wurde allerdings etwas skeptischer, als sie den voraussichtlichen Termin für Leonidas‘ Geburt erfuhr: der 26.11. Verdammt knapp, fand sie, aber die tatsächliche Geburt zehn Tage früher, hat die Planungen für den heutigen Tag gerettet.

Irgendwie scheint der Glaube an die Magie der Zahlen bei beiden auch eine Tradition zu haben. In der Südtiroler Familiengeschichte des Fliesenlegers trifft man immer wieder auf solche Daten, und ein Verwandter der 26-jährigen Jana Neumann hat ebenfalls an einem 12.12. geheiratet.

Auch auf die Uhrzeit hat man bei der Wahl des Standesamtstermins geachtet, erklärt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin: Er beginnt um 11.30 Uhr, so dass es 12.12 Uhr sein könnte, wenn sich die beiden gegenseitig die Ringe ansteckt – der passende Moment.

An die passende Uhrzeit hat auch ein anderes Paar gedacht: Monique Ampleews und Sebastian Redwig fanden 12 Uhr passend für dieses Datum. Dabei war für sie dieser Tag eigentlich zunächst ein Ausweichtermin, erklärte der 28-jährige Sebastian. Nachdem sich die Röthenbacher im April entschlossen, sich das Jawort zu geben, hatte man sich auf den Advent geeinigt. „Das ist eine gemütliche Zeit, Altdorf im Schnee hat doch seinen ganz besonderen Reiz“, begründet Monique ihre Wahl für den Monat Dezember. Ein Samstag hätte es allerdings schon sein sollen, möglichst der 15. Dezember. Doch da war nichts mehr frei, und auf einmal stach den beiden die Schnapszahl drei Tage zuvor ins Auge. Die Idee gefiel ihnen dann so gut, dass sie das Datum fest machten, obwohl es mitten in der Woche liegt. Aberglaube war also nicht im Spiel, obwohl es der 22-jährigen Sachbearbeiterin schon sehr wichtig war, dass noch in diesem Jahr geheiratet wird, denn die Unglückszahl 13 am Ende des Hochzeitsjahrs hätte ihr dann doch nicht so gefallen…

Gefeiert wird nach der Zeremonie im Familienkreis mit einem Sektempfang im alten Rathaus, danach geht es zum Essen ins Rote Ross, geflittert wird im Sommer in Namibia. Eine kirchliche Trauung soll es nächstes Jahr im Juni geben, wobei es dann keine Rolle mehr spielt, dass die dann im Jahr 2013 stattfindet, denn der offizielle Heiratstermin ist schließlich der 12.12.12.

Seit 13 Jahren glücklich

Eine der von uns befragten Standesbeamtinnen meinte, dass Ehen, die zu solch kuriosen Daten geschlossen werden, oft nicht lange hielten, weil sie manchmal kurz entschlossen, nur als Gag eingegangen würden. Diese Sicht wird auf erfreuliche Weise von Sandra und Alwin Silberhorn aus Unterferieden widerlegt: Die beiden fanden den 9.9.99 ganz witzig und zogen in Burgthann vor den Standesbeamten. 13 Jahre sind sie mittlerweile verheiratet, arbeiten gemeinsam in der Firma von Alwin Silberhorn in Oberferrieden, haben kurz vor der Hochzeit ein gemeinsam gebautes Haus bezogen, in dem sie immer noch wohnen und dreifachen Familienzuwachs bekommen: Annika (9), Franzi (8) und Toni (5) gehören mittlerweile zur Familie, die am 9.9.99 offiziell besiegelt wurde.

Für die beiden jungen Leute gab es damals mehrere Gründe, den Bund der Ehe ausgerechnet an diesem Tag zu schließen. Die Großeltern von Sandra traten am 3.3.30 vor den Altar und waren 49 Jahre glücklich verheiratet, das machte Mut. Außerdem hat es für die beiden zeitlich gut in die Planung gepasst, das Datum ließe sich gut merken, finden sie, und natürlich hofft man, dass es auch weiterhin Glück bringt. In diesem Sinne wünschen die beiden erfahrenen „Schnapszahl-Hochzeiter“ allen Paaren, die heute „ja“ sagen, „alles Gute und viele glückliche, gemeinsame Jahre“.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler