Regenerative Energien bei Eismannsberg

Ungewisse Zukunft für geplante Windkraftanlagen

Die Windräder bei Kucha: Eine Million Kilowattstunden Strom haben die Anlagen bereits produziert. Ob nicht weit entfernt, auf der Hochfläche bei Eismannsberg, weitere Windräder entstehen können, ist derzeit ungewiss. Foto: Niebler2014/01/windraederkucha_New_1389949207.jpg

EISMANNSBERG — Wie steht es um die Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen bei Eismannsberg? Die Salamitaktik der Bayerischen Staatsregierung in Sachen Entscheidung über die erweiterten Mindestabstände zur Wohnbebauung haben Auswirkungen im Nürnberger Land: Es bleibt völlig offen, ob auf der Fläche nördlich von Eismannsberg zwei Windräder gebaut werden können, wie derzeit angepeilt. Auch die Zukunft der geplanten Windräder am Hansgörgl und nahe Großviehberg im Landkreisnorden ist ungewiss.

Wie berichtet, wird derzeit für das Windkraft-Konzentrationsgebiet bei Eismannsberg ein Bebauungsplan erstellt, der zwei Anlagen nördlich der Ortschaft vorsieht. Thomas Müller, bei der Regierung von Mittelfranken zuständig für die Fortschreibung des Regionalplans, bestätigt, dass die Festschreibung der Flächen bei Eismannsberg als Windkraftkonzentrationsflächen am 1. Februar verbindlich in Kraft tritt. Er kann aber keine Auskunft geben über den Abstand zwischen geplanten Anlagen und der Eismannsberge Wohnbebauung. Dazu verweist er auf die Stadt Altdorf.

Stadtbaumeisterin Alexandra Reinhart erläutert, dass sie bereits die für den Bebauungsplan zuständigen Planer kontaktiert hat. Die sollen den Abstand genau prüfen und gegebenenfalls ausloten, inwieweit sich über den Bebauungsplan Lösungen finden lassen. Reinhart weist aber auch darauf hin, dass die sogenannte 10H-Regelung noch keine Gesetzeskraft hat. Die sieht vor, dass der Abstand einer Windkraftanlage zur Wohnbebauung das zehnfache ihrer Höhe betragen muss. Rund 180 Meter sollen die bei Eismannsberg aufzustellenden Windenergieanlagen hoch sein, die Wohnbebauung müsste dann 1,8 Kilometer entfernt sein. Die Planer haben sich im Altdorfer Bauausschuss bereits skeptisch geäußert, ob dieser Abstand zur Wohnbebauung einzuhalten ist. Stadtbaumeisterin Reinhart bleibt aber zuversichtlich: Gestorben ist das Vorhaben auf der Eismannsberger Hochfläche nicht.

„Solange die Gesetzesänderungen noch nicht bekannt sind, gehen wir erst einmal unseren Weg weiter“, sagen die Bürgermeister Robert Ilg (Hersbruck) und Bruno Schmidt (Reichenschwand) über die beiden Vorhaben. Das heißt, die Stadt Hersbruck und die Gemeinde Reichenschwand halten an ihren Anträgen fest, Vorbehaltsgebiete für Stromgewinnung aus Windenergie ausweisen zu lassen. In die Diskussion um „10H“ hat sich auch Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel eingeschaltet. Dünkel schreibt in einer Mitteilung von der CSU-Tagung in Kreuth, dass selbst intern noch kein Entwurf für eine Gesetzesänderung vorliegt. Er verweist auf Überlegungen zu Ausnahmen. So sollen Gemeinden innerhalb der „10H“-Schutzzone Ausnahmen erlauben dürfen.

Ministerpräsident Horst Seehofer hat diese Sonderbestimmung aber inzwischen davon abhängig gemacht, dass nahezu alle Anwohner für ein Windrad sind. Bei den Projekten bei Eismannsberg, am Hansgörgl und bei Großviehberg haben sich, wie berichtet, Gegenwind-Bürgerinitiativen gebildet, so dass diese Ausnahme im heimischen Raum ausscheidet.

Auch beim Stichtag gibt es eher zu viel als zu wenig Informationen. „10H kommt, nur ab wann, ist noch klar“, bringt es Harald Kiesl auf den Punkt. Schließlich müssen Gesetze auf Bundes- und Landesebene geändert werden.

Eines ist aber klar: 10H würde auf jeden Fall das Ende der Windkraftpläne im Hersbrucker Raum bedeuten. Denn bei etwas mehr als 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung dann eben auch nur 50 Meter hohe Anlagen lohnen sich derzeit nicht. ab/jr

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