BN-Ortsgruppe Burgthann gründete Schwalben AG

Überlebenshilfe für gefiederte Nachbarn

Junge Rauchschwalbe (links) wird von der Mutter gefüttert.2016/03/db-burgthannrauchschwalbe.jpg

BURGTHANN – Dem Volksmund nach sollen Schwalben jenen Höfen Segen bringen, unter deren Dächern sie Nester bauen. Leider werden diese Vögel immer seltener. In Bayern stehen sie mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Die Burgthanner Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) will diesem traurigen Trend entgegenwirken. Schon seit zwei Jahren wird eine Schwalben AG vorbereitet, die sich die Rettung der an sich beliebten Vögel auf ihre Fahnen geschrieben hat. Das Projekt macht Fortschritte, Helfer werden aber noch gesucht.

Rauchschwalbe und Mehlschwalbe sind die beiden heimischen Arten, die immer schlechtere Lebensgrundlagen vorfinden und daher im Bestand immer mehr abnehmen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Einige, wie die Intensivierung der Landwirtschaft mit steigendem Pestizideinsatz, die Klimaveränderung, die gerade im vergangenen Jahr wegen Wasser- und Insektenmangel zu großen Brutausfällen und buchstäblichem Verhungern oder Verdursten der Vögel geführt hat, sind vor Ort kaum beeinflussbar. Bei anderen Problemen kann aber fast jeder helfen.

Betreuer für Schwalbenreviere gesucht

Zunächst wollen die Leute vom BN die aktuelle Zahl im Untersuchungsgebiet dokumentieren, erklärt Norbert Behr, der Vorsitzende des Ortsvereins. Davon ausgehend kann man dann überprüfen, wie sich auf längere Sicht der Bestand verändert und – hoffentlich – vergrößert. Evi Laubach vom BN hat hierzu eine maßgeschneiderte Excel-Datei entwickelt, in die die gemeldeten Daten jährlich eingetragen werden. Da das zu untersuchende Gebiet aber sehr groß ist – es umfasst die gesamte Großgemeinde, Pfeifferhütte und Lindelburg –, werden viele Schwalbenfreunde gebraucht, die sich jeweils zu zweien (oder mehreren) um ein Revier kümmern, idealerweise um das vor der eigenen Haustür, und die Daten zur Dokumentation weitergeben. Der BN freut sich über jede helfende Hand, 16 Burgthanner Reviere sowie je eines in Lindelburg und Pfeifferhütte sind zu betreuen.

Welche Aufgaben hat nun der Betreuer eines Schwalbenreviers? Zunächst muss er herausfinden, wo die Vögel bereits Nester haben. In der Excel-Datei werden alle Tiere mit Adresse aufgeführt und durchnummeriert. Das muss jährlich vorgenommen werden, denn es kommen immer wieder neue Brutstätten dazu oder es fallen welche weg, leider oft durch Menschenhand, zum Teil sogar in der Brutzeit, weiß Norbert Behr. Manche Mitbürger bringen Netze an der Hauswand an, um sie vor Kotverschmutzung zu schützen, aber: „Diese Verstöße gegen das Bundes-Naturschutzgesetz können sehr teuer werden.“ Permanente Nester an Gebäuden, wie sie die Schwalben normalerweise bewohnen, sind sogar außerhalb der Brutperiode geschützt. Natürlich gibt es Ausnahmen in besonderen Fällen wie etwa bei Renovierungen, aber die bedürfen der Genehmigung durch die Naturschutzbehörden, sonst handelt es sich um eine Straftat. Hier wird ein besonders sorgsames Vorgehen verlangt, für entfernte Nester muss ein Ausgleich geschaffen werden.

Mehlschwalbe beim Nestbau.
Mehlschwalbe beim Nestbau. | Foto: privat2016/03/db-burgthannmehlschwalbe.jpg

 

Neben dem Zählen und Lokalisieren der Schwalben-Behausungen ist es auch Aufgabe der Revierbetreuer, den Kontakt zu den Hausbesitzern zu suchen und nachzufragen, ob es denn Probleme mit den gefiederten Untermietern gibt. Kot ist ein häufiges Ärgernis, der BN hilft hier zum Beispiel durch das Zurverfügungstellen und Anbringen von Kotbrettern. Aufgeklärt wird auch über die rechtliche Lage und darüber, wie das Projekt unterstützt werden kann. Der BN-Vorsitzende: „ Feldwege sind heute fast alle geschottert oder asphaltiert, früher fanden die Tiere in Fahrspuren feuchten Lehm zum Bau ihrer Häuser. Wer in der Nähe seines Hauses ein großes Loch im Boden oder einen Trog mit nassem Lehm zur Verfügung stellt, der hilft schon viel beim Nestbau.“

Ferner sollen die Betreuer vorläufige Ansprechpartner sein, wenn es um kranke Tiere geht. Sie vermitteln dann weiter an Bernd Michl vom Landesbund für Vogelschutz oder Norbert Behr vom BN.

Haus mit Schwalbenwohnungen

Ein weiteres mit der Schwalbenpflege verbundenes Projekt ist die Errichtung eines Schwalbenhauses. Dabei handelt es sich um ein künstliches Gestell, auf dem möglichst viele Behausungen für die Schwalben angebracht werden. Ein solches Haus kostet an die 10.000 Euro und stellt für einen Verein wie den Bund Naturschutz natürlich eine Herausforderung dar. Sehr gefreut hat man sich daher über die Spende von Dr. Petra Kastner aus Ezelsdorf, die für die Anschaffung 2000 Euro zur Verfügung stellte. Der BN will ebenso viel lockermachen, zudem hofft man noch auf weitere Sponsoren und will die Gemeinde mit ins Boot holen.

So könnte das Schwalbenhaus aussehen, das für Burgthann angeschafft werden soll. Es wird von einer Spezialfirma aus Stroh und Leichtbeton hergestellt und ist TÜV-geprüft. Große Modelle können bis zu 100 Wohnungen für die Schwalben bereitstellen.
So könnte das Schwalbenhaus aussehen, das für Burgthann angeschafft werden soll. Es wird von einer Spezialfirma aus Stroh und Leichtbeton hergestellt und ist TÜV-geprüft. Große Modelle können bis zu 100 Wohnungen für die Schwalben bereitstellen. | Foto: privat2016/03/db-burgthannschwalbenhaus.jpg

 

Bürgermeister Heinz Meyer schlug als Standort schon mal den Spielplatz neben dem Kindergarten in Burgthann vor, ein Standort, der sich anbietet, denn das Gelände der ehemaligen Bauschule, auf dem sich nun das Wohngebiet Hirschberger Gärten entwickelt, liegt ganz in der Nähe und war früher ein Schwalbenparadies. Durch die Baubewegungen sind die Tiere in die Nähe ausgewichen, manche später wieder in die Hirschberger Gärten umgezogen. Darüber herrschte allerdings nicht nur Begeisterung.

Nachdem der BN feststellen musste, dass viele Hauseigentümer Abwehrmaßnahmen trafen, formulierte er einen Beschwerdebrief, der vom Investor an alle Grundstückseigentümer weitergeleitet wurde. „Viele der Neu-Burgthanner haben sich hier aber schon einsichtig gezeigt und etliche freuen sich, wenn sie die Tiere unter dem Dach beobachten können“, lässt sich laut Behr feststellen.

Wer gern als Revierbetreuer bei der Schwalben AG mitarbeiten möchte, melde sich bei Norbert Behr, Tel. 09183 266 bzw. n.behr@web.de oder bei Bernd Michl, Tel 0151 12402899 bzw. b-michl@lbv.de

Erfreuliche Notiz am Rande: Die Ortsgruppe des BN in Feucht hat bereits signalisiert, das Kartierungssystem zu übernehmen, auch die Kreisgruppe zeigte sich interessiert. Über einen Zeitungsartikel im Boten ist man sogar im westfälischen Rheine bei Münster auf das Projekt gestoßen, das nun auch dort realisiert werden soll.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler