Übergangsklasse als Erfolgsmodell

Willkommenskurs für junge Asylbewerber

Lehrerin Marion Touma und ihre Übergangsklasse, eine heterogene, aber motivierte und wissbegierige Gruppe, die so schnell wie möglich dem Regelunterricht auf Deutsch folgen können soll. Foto: Spandler2015/03/altdorfuebergangsklasse_New_1427461501.jpg

ALTDORF – Die aktuelle Flüchtlingswelle rollt weiter und in den Landkreis kommen viele asylsuchende Kinder und Jugendliche, mit oder ohne Eltern. Unabhängig vom Aufenthaltsstatus gilt auch für sie die Schulpflicht. Wichtigste Voraussetzung, diese Vorschrift erfüllen zu können, ist das Beherrschen der deutschen Sprache. In sogenannten Übergangsklassen erhalten die Flüchtlingskinder das nötige sprachliche Rüstzeug, bis sie in einer Regelklasse dem Unterricht folgen können. Eine dieser Klassen im Nürnberger Land befindet sich an der Mittelschule Altdorf.

Marion Touma hält verschiedene Pappschilder in der Hand. Die einen bezeichnen Alltags-Tätigkeiten, die anderen Tageszeiten. Zehn Schülerinnen und Schüler sitzen im lockeren Halbkreis vor der Tafel und sollen herausfinden, welche Tätigkeit zu welcher Uhrzeit geschieht. Wenn die Antwort korrekt ist, werden die beiden zueinander passenden Schilder an die Tafel geheftet. „Wohin hänge ich ‚spazieren gehen‘?“, will sie wissen, und gleich schnellen ein paar Zeigefinger in die Höhe. Richtig, neben die Zeitbestimmung „nachmittags“ – beide Schilder landen an der Tafel. Der Eifer der Kinder ist erstaunlich. Jedes ist konzentriert und arbeitet mit, und das liegt nicht allein an der überschaubaren Gruppe. Denn eines verbindet die heterogene Klassengemeinschaft: Alle sind hoch motiviert, wollen unbedingt deutsch lernen, denn alle hoffen darauf, in der Bundesrepublik ein neues Zuhause zu finden. Dazu gehört neben der ganz wichtigen Sprache auch, die Gepflogenheiten in Deutschland kennenzulernen. Marion Touma, die selbst mit einem Syrer verheiratet ist, lässt daher neben Grammatik- und Vokabelpaukerei auch geschickt immer wieder Informationen einfließen, die den jungen, manchmal traumatisierten Menschen das Leben in der neuen Heimat erleichtern sollen.

Mit dabei auch die Schul-Sozial-Pädagogin Tabea Häusler, die als Ansprechpartnerin fungiert, denn durch ihre besondere Situation existiert für die jungen Asylbewerber viel mehr Gesprächs- und Erklärungsbedarf als für die Altdorfer Mittelschüler. Das Gleiche gilt auch für Elterngespräche. Weitere Unterstützung erfahren Marion Touma und ihre Schützlinge durch Förderlehrerin Ursula Maletius-Kugler.

Die Erfolge sind messbar, berichtet stellvertretender Schulleiter Gerd Steuer stolz, doch mehr Personal könnte die Qualität der Förderung noch erhöhen, die Lehrerstunden reichen eigentlich nicht aus. „Unser Ziel ist es, die ausländischen Schülerinnen und Schüler so schnell wie möglich in die Regelklassen zu integrieren“, versichert er. Momentan werden in der Altdorfer Übergangsklasse Kinder aus Asylbewerberheimen in Lauf, Feucht, Altdorf, Leinburg und Schwarzenbruck im Alter von zwölf bis 17 Jahren unterrichtet. Wobei die unbegleiteten Asylsuchenden aus Rummelsberg noch einmal ein Spezialfall sind, so Steuer. Sie machen sich gern älter, denn sie wollen ja so schnell wie möglich arbeiten. Außerdem, so fügt Tabea Häusler an, stehen sie oft unter besonders großem Druck, weil ihnen ein echter Familienverband fehlt und sie offensichtlich so leiden mussten, dass sie es auf sich nahmen, sich allein nach Deutschland durchzuschlagen.

Schrittweise in die Regelklasse

Wie lange die jungen Leute in der Übergangsklasse lernen, die gern auch als Willkommensklasse bezeichnet wird, hängt von vielen Faktoren ab. In jedem Fall werden sie schrittweise in Regelklassen eingeführt, d.h. zunächst testet man stundenweise, ob sie in den praktischen Fächern zurechtkommen, bevor sie auch in intellektuell anspruchsvolleren Unterricht integriert und schließlich an die Schulen in ihren „Heimat“-Gemeinden zurückgeschickt werden.

Über ein Musterbeispiel an Integration freut sich Steuer derzeit. Der 15-jährige Morris aus Syrien, der ein gutes Dreivierteljahr in der Übergangsklasse gelernt hat, ist mittlerweile so gut, dass er nun in Steuers achte Regelklasse übertreten kann und dort seinen Quali ablegen wird. „Der hält sogar schon kleine Referate in den verschiedenen Fächern auf Deutsch“, stellt der Konrektor fest. Und noch etwas ist für ihn besonders wichtig und erfreulich: Nicht nur sprachlich klappt die Eingliederung, sondern auch sozial, zumindest innerhalb der Schulhausmauern. „Es gibt keine Probleme zwischen den deutschen Schülern und denen der Übergangsklassen“, betont er, denn durch den gleitenden Übertritt von einer Willkommens- in eine Regelklasse lernen sich die Kinder und Jugendlichen schnell kennen und akzeptieren – eine wichtige Erfahrung für beide Seiten.

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