Kein Brandschutz

Turm ohne Rettung

Viel zu kleine Fenster zum Anleitern, kein Platz für eine Außentreppe, mangelhafte Innentreppe im Turm. Für Übernachtungen steht er nicht mehr zur Verfügung. | Foto: Spandler2019/04/Altdorf-Torturm.jpg

ALTDORF – Jahrelang sind die Räume im Unteren Torturm genutzt worden, auch als Übernachtungsmöglichkeit für meist junge Leute, dabei waren die Voraussetzungen für den vorbeugenden Brandschutz bei weitem nicht erfüllt. Bürgermeister Erich Odörferließ den Turm jetzt sperren.

Im Stadtrat erläuterte Architekt Norbert Thiel in seiner Funktion als Prüfingenieur für Brandschutz die Mängel, die das Gebäude derzeit vorweist. 1999 wurde der historische Turm mit Anbau zum Gästehaus umgebaut, die Pläne im vereinfachten Verfahren genehmigt.

Dies bedeutet, dass es keine Prüfung der Brandschutzmaßnahmen gab, was damals offenbar auch niemanden sonderlich interessierte. Ein Nachweis für derartige Vorkehrungen existiert also bis heute nicht. Bürgermeister Odörfer war sichtlich froh, dass es in den 20 Jahren der Nutzung zu keinen Zwischenfällen gekommen ist, denn hier wäre die Stadt in der Verantwortung gestanden.

„Rettung nicht gewährleistet“

Umgebaut wurde damals also ohne die entsprechenden Vorgaben, so Thiel, was zuletzt zu folgender Nutzung der Zimmer führte: Im Erdgeschoss war ein kleines Büro untergebracht, im ersten und zweiten Stock Nebenräume mit sanitären Anlagen und im Dachgeschoss die Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste.

Generell brauchen derartige Aufenthaltsräume zwei Rettungswege. Neben der Treppe kann der zweite Rettungsweg auch die Leiter der Feuerwehr sein, aber hier sind die Fenster zu klein, so dass die Retter von außen kaum in das Gebäude einsteigen könnten. Ein Einbau von größeren Fenstern würde wohl am Einspruch der Denkmalschutzbehörde scheitern.

Auch eine Notleiter nach unten sei nicht möglich, weil die nicht bis auf den Boden reichen würde. Und, so erklärte der Fachmann, wenn man den zweiten Rettungsweg doch irgendwie zustande brächte, so müsste auf jeden Fall der erste, sprich die Treppe, in Ordnung sein, was aber auch nicht der Fall sei. Denn die hat an vielen Stellen nicht die erforderliche Breite und Höhe und auch unterschiedliche Treppenstufenhöhen.

„Das geht gar nicht“, versicherte Thiel, außerdem führe die Stiege nicht in einem Zug durch alle Stöcke, sondern man müsse mehrfach die Treppe verlassen und durch Räume weiter nach unten gehen.

Der schwerwiegendste Mangel betrifft den Schlafraum im dritten Geschoss: Der erste Fluchtweg ist nicht in Ordnung, ein zweiter nicht möglich, weil kein Fenster zum Anleitern vorhanden ist.

Die Möglichkeit der Rettung mit Notabstiegsleitern, die erst herabgelassen werden müssen, funktioniert nicht bei Gästen, die sich ja in dem Turm kaum auskennen können. Dies würde auch der Beherbergungsverordnung zuwiderlaufen.

Eine Lösung mit einer komplett neu gebauten Rettungstreppe im Außenbereich wäre aus verschiedenen Gründen – auch wegen der betroffenen Nachbarn – nicht durchführbar.

So zog der Brandschutzexperte das Fazit: „In dem Gebäude sind die Grundsätze zur Rettung von Menschen nicht mehr gewährleistet.“

Kleiner Lichtblick am Rande: Die betroffenen Räume könnten bei entsprechender Nachrüstung weiter genutzt werden, allerdings nur als Ausstellungsräumlichkeiten oder Archiv, nicht jedoch zur Unterbringung von Menschen.

Möglichkeit für Seminarräume

Der Vorschlag von Martin Tabor (SPD), den Turmanbau, nicht den Turm selbst, als dauerhafte Wohnung zu nutzen, fand wenig Anklang. Dr. Peter Wack (FW/UNA) meinte, die Altdorfer wären alles andere als begeistert, wenn man wieder ein Denkmal zu Wohnraum umnutzen würde, vor allem, weil die Stadt und auch die Altstadtfreunde bereits so viel Geld in das Objekt gesteckt hätten.

Ob man denn die unteren Räume wenigstens als Seminarräume nutzen könne, wollte er wissen. Wenn man mit einem Planer zusammenarbeite, könnte man dort 25 bis 30 Personen unterbringen, stellte Thiel in Aussicht.

Unverständnis darüber, dass es vor 20 Jahren überhaupt zum Umbau kam, äußerte Horst Topp (Grüne) und kritisierte indirekt die anwesenden Stadträte, die damals schon im Gremium saßen. Dies wollte der Bürgermeister nicht so stehen lassen und wies darauf hin, dass die Räte in ähnlichen Angelegenheiten die Unterlagen von der Verwaltung vorgelegt bekommen und davon ausgehen, dass die in Ordnung sind. Selber prüfen können sie nicht.

Eckart Paetzold (Grüne) sprach sich für einen repräsentativen Raum im ersten Stock und eine Archivnutzung im obersten Geschoss aus, und Thomas Kramer (CSU) sprach die Kostenfrage an.

Hier schlug Norbert Thiel vor, die üblichen Schritte nacheinander zu gehen: erstens ein Nutzungskonzept erstellen, zweitens klären, was es kosten wird, drittens die baurechtliche Prüfung einleiten. Dem schlossen sich alle Stadträte an.

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann