Schulamtsdirektor Joachim Schnabel und sein Vertreter erläuterten Entwicklungen

Stabilisierte Schülerzahlen an den Mittelschulen

Ganztagsbetreuung gibt es bereits an 26 Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Foto: Archiv2013/09/schulananfang_nn.jpg

NÜRNERGER LAND – Totgesagte leben länger – das trifft auch auf die Mittelschulen im Landkreis Nürnberger Land zu. Keine Zukunft hätte sie, die Mittelschule, über kurz oder lang werde man sie ohnehin abschaffen, so die Töne der Totenglöckchen, die landauf-landab von den Pessimisten geläutet wurden. Doch ganz so schnell wie hier prophezeit, geht es mit dieser Schulform wohl doch nicht bergab. Schulamtsleiter Joachim Schnabel und sein Stellvertreter Gerald Klenk stellten in Lauf die aktuellen Zahlen zu den Grund- und Mittelschulen im Landkreis vor – und siehe da: die Schülerzahlen an den ehemaligen Hauptschulen haben sich nicht nur stabilisiert, erstmals seit Jahrzehnten gibt es sogar einen geringfügigen Anstieg um fast ein Prozent.

Schulschließungen wie in anderen bayerischen Landkreisen wird es im Nürnberger Land nicht geben, so die gute Nachricht von Schnabel. Grund: die Entwicklung der Schülerzahlen ist vorläufig stabil. Wohin der Weg allerdings angesichts der demographischen Entwicklung in einigen Jahren geht, kann im Moment niemand genau sagen.

Neu eingeführt hat man im vergangenen Jahr Übergangsklassen für Schüler, die aus dem Ausland nach Deutschland kamen. Die Kinder werden in diesen Klassen zunächst sechs Monate unterrichtet, damit sie ausreichend deutsch lernen. Derzeit gibt es im Nürnberger Land drei solcher Ü-Klassen, eine davon an der Altdorfer Mittelschule, wo Lehrerin Marion Tuma den Jungen und Mädchen die Grundlagen der deutschen Sprache beibringt.

In den Grundschulen wurden die Klassenstärken von 29 auf jetzt 28 Schüler gesenkt, in der Mittelschule bleibt die Zahl bei 30, dabei handelt es sich allerdings um eine unverbindliche Richtzahl. In den Mittelschulen gibt es dabei eine gesonderte Entwicklung: Weil viele Eltern für ihre Kinder zu ambitionierte Ziele haben und sie auf die Realschule oder auf das Gymansium schicken, obwohl sie dort überfordert sind, kommen die Jungen und Mädchen dann in den siebten, achten oder neunten Klassen auf die Mittelschulen, um dort ihren Abschluss zu schaffen. Die Schülerzahlen steigen deshalb hier in den höheren Klassen an. Dabei ist die Zahl der neuen Lehrer für Mittelschulen derzeit begrenzt. Neuerdings werden hier auch Lehramtsanwärter für Realschulen angestellt – immer mit einjährigen Verträgen. Leicht ist es für diese Lehrkräfte an den Mittelschulen nicht, haben sie doch zwei Fächer studiert, müssen aber an dem für sie eigentlich nicht vorgesehenen Einsatzort mehrere Fächer unterrichten.

Die jahrgangskombinierten Klassen sind laut Schulamtsdirektor Schnabel ein großer Erfolg: „Wir beobachten hier eine gute Entwicklung, die wir auch weiter unterstützen. Die Kinder haben viele Chancen, die sie sonst nicht hätten.“ Derzeit gibt es im Landkreis 40 Klassen, in denen 1. und 2. bzw. 3. und 4. Klassen gemeinsam unterrichtet werden. Davon profitieren laut Schulamt sowohl schwächere wie stärkere Schüler.

Vorreiter bei der Inklusion

Beim Thema Inklusion spielt der Schulamtsbezirk Nürnberger Land eine Vorreiterrolle in Bayern. Das Schulamt unterstützt die Integration von Kindern mit Behinderungen in „normale“ Regelklassen und wird eine unabhängige Beratungssstelle Inklusion einrichten. Außerdem arbeitet das Schulamt in Sachen Inklusion mit dem Howardian Teachers College in Cardiff zusammen. Gemeinsam will man die Lehrerfortbildung vertiefen und im gegenseitigen Austausch neue Impulse setzen. Mittel dafür gibt es von der EU.

Zehn Grundschulen und sechs Mittelschulen sind derzeit „Gebundene Ganztagsschulen“ im Landkreis, zehn Mittelschulen bieten eine offene Ganztagsbetreuung an.

Das sich drehende Personalkarussell sorgt unter anderem für folgende Änderungen: Rektor Jochen Breunig wird an der Mittelschule Altdorf Seminarleiter für das Lehramt für Mittelschulen. Konrektorin Anette Pichl von der Ezelsdorfer Goldhutschule verlässt den Landkreis und wird Schulleiterin in Neumarkt. an der Grundschule in Feucht wird Ralf Karg Nachfolger des in den Ruhestand gegangenen Rektors Wolfgang Vetter. Rita Körndl, bislang Konrektorin an der Grundschule in Burgthann, wird Schulleiterin an der Grundschule in Reichenschwand, in Burgthann wird es keine Konrektorin mehr geben, weil die dazu erforderliche Schülerzahl von 160 Kindern jetzt nicht mehr erreicht wird.

Zurück zu den Mittelschulen im Landkreis: Der kontinuierliche Rückgang der Schülerzahlen in den vergangenen Jahren ist zunächst einmal gestoppt. Ob es sich hier um eine Trendumkehr handelt, oder lediglich eine Stabilisierung auf dem jetzigen Niveau, wird sich zeigen.

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N-Land Alex Blinten
Alex Blinten