Drei Altdorfer mussten sich wegen schwerer Körperverletzung verantworten

Schlägerei hatte ein Nachspiel vor Gericht

Symbolfoto. | Foto: Fotolia2016/11/Gerichtsverhandlung.jpg

ALTDORF/NÜRNBERG – Es ist kurz nach vier Uhr am Morgen des 28. Februar 2016, als es vor der Diskothek Nachtschicht in Nürnberg kracht: Eine Gruppe junger Männer aus Altdorf gerät mit anderen Disko-Besuchern aneinander. Die Gegner der Altdorfer erhalten Schläge ins Gesicht, eine junge Frau fällt mit dem Hinterkopf auf das Straßenpflaster und erleidet eine Gehirnerschütterung. Jetzt hatte die Schlägerei in Nürnberg ein Nachspiel vor dem Hersbrucker Amtsgericht, wo sich das Trio aus Altdorf wegen schwerer Körperverletzung verantworten musste.

Wie so oft, wenn vor einem Gericht der Ablauf einer Prügelei rekonstruiert werden soll, wird es schwierig: Wer wann wen getreten, geschlagen, geschubst und beleidigt hat, sollen die einzelnen Zeugenaussagen zumindest ansatzweise klären.

Weil die Tat aber schon eine ganze Weile zurückliegt, konnten sich die Zeugen nicht mehr in allen Einzelheiten an die Ereignisse des frühen Morgens erinnern.
Streit eskalierte

Offenbar hatte es bereits im Inneren der Diskothek Streit zwischen den Beteiligten gegeben, der dann vor der Tür eskalierte, als die beiden Gruppen beim Verlassen des Lokals aufeinander trafen. Ein 21-Jähriger ging beim Handgemenge mit seinem 20-Jährigen Altdorfer Widersacher zu Boden und erhielt dabei mehrere Schläge ins Gesicht. „Wurde auch auf den am Boden Liegenden eingetreten?“ fragt Amtsrichter Waldemar Müller die Zeugen.

Erinnern kann sich daran heute keiner mehr. Und wer wen mit welchen Schimpfworten beleidigt hat, ließ sich vor Gericht auch nicht klären. Ein weiterer Ablauf des Geschehens allerdings wurde von allen Zeugen übereinstimmend geschildert: Einer der Altdorfer schlug einem 23-jährigen Postzusteller so fest gegen den Kopf, dass dieser gegen eine Schaufensterscheibe knallte und dann zusammen sackte. Der junge Mann erlitt ein Hämatom und war anschließend über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben.

Mit dem Kopf aufgeschlagen

Die Freundin des Postzustellers ging sofort auf den Angreifer los und drosch auf ihn ein, bis dieser sie so heftig wegschubste, dass sie mit dem Kopf aufs Straßenpflaster fiel.

Während der jüngste der drei Altdorfer mit einer Geldstrafe in Höhe von 1300 Euro davonkam, bestrafte Richter Müller die beiden anderen mit jeweils 3600 Euro wegen Körperverletzung. Außerdem müssen sie die Kosten des Verfahrens tragen.

Der Vorwurf der schweren Körperverletzung, das räumte auch Staatsanwalt Paul Vogt ein, ließ sich nicht aufrechterhalten, ebensowenig wie der Vorwurf der Beleidigung. Die Auseinandersetzung vor der Diskothek sei alles in allem nicht so gravierend gewesen, wie nach Lektüre der Anklageschrift zu erwarten war, fasste Richter Müller am Ende zusammen.

Müller bestrafte die beiden Älteren härter, weil beide keine unbeschriebenen Blätter bei der Polizei sind. Diebstahl, Sachbeschädigung, versuchte Nötigung, Unterschlagung und Erschleichung von Leistungen haben die jungen Männer auf dem Kerbholz, beide sind jeweils viermal in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Und beide fühlen sich jetzt ungerecht behandelt.

Warum er denn verurteilt werde, wenn die junge Frau, die auf ihn eingeschlagen habe, straffrei davon komme, will einer der beiden von Richter Müller wissen. Weil das nicht Gegenstand des Verfahrens sei, erklärt ihm der Richter und erläutert am Ende, dass er nun eine Woche Zeit zum Überlegen hat, ob er das Urteil annimmt oder dagegen angeht. Der Angeklagte will darüber nachdenken.
Während das Verfahren gegen den Jüngsten des Trios mit einer Geldstrafe ohne Urteil eingestellt wurde, akzeptierte der Dritte seine Strafe in Höhe von 3600 Euro.

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N-Land Alex Blinten
Alex Blinten