The Rose & Crown und BobMila

Routiniert und leidenschaftlich

BobMila, nun nicht mehr als Duo, sondern mit größerer Instrumentalbegleitung. | Foto: privat2016/06/bobmila3.jpg

ALTDORF – Das Brauhaus, getragen vom gemeinnützigen Verein Brauhaus Altdorf, mausert sich zur unentbehrlichen Location für Konzerte in der Region. In den alten Gewölben fühlt sich der Besucher schnell in ungleich hippere Städte versetzt: Liebevoll hat sie der Verein mit Schwarzweißfotografien, urigen Möbelstücken, einem rüstigen Klavier und einer delikat bestückten Bar dem Muff der Jahrzehnte entrissen. Man fühlt sich auch als Erstbesucher sofort wohl, was zum einen an der familiären Atmosphäre unter Betreibern wie Publikum liegt, zum anderen aber auch an der Auswahl der Bands. Und Auswahl ist hier der entscheidende Terminus: Erster Vorsitzender Harald Lippert, der gut gelaunt und alle Fäden in der Hand haltend wie der gelassene große Bruder durch die Räume streift, berichtet, die Anzahl der Anfragen von Bands aus ganz Deutschland sei immens. Umso löblicher, dass auch regionale Acts nicht zu kurz kommen. Zuletzt konnten mit The Rose & Crown und BobMila zwei in mehrerlei Hinsicht besondere Gruppen gewonnen werden.

The Rose & Crown sind in den letzten Jahren zu einem Begriff in der Metropolregion Nürnberg geworden, der für professionell geschriebenen und gespielten Piano-Pop steht. Mercan Kumbolu (Gesang), Julia Fischer (Klavier, Gesang) und Christof Stahl (Schlagzeug) heißen die drei sympathischen jungen Musikerinnen und Musiker, die alle Lieder schreiben, gemeinsam arrangieren und für das neue Album „All I Wanna Say“ im Tonstudio Katzer in Nürnberg aufgenommen haben.

Mit dem Album, das sie in Zeiten von Streaming und Downloads bewusst als physischen Tonträger veröffentlicht haben (interessanterweise auf dem gleichen Label wie die Altdorfer Band Giftwood, dem Osnabrücker Indie-Label Timezone), kommen sie ihrem eigenen Sound immer näher, wie sie berichten: Jazz, Blues und Pop gehen eine eingängige Melange ein, getragen von den zwei soulig-verrauchten Stimmen von Fischer und Kumbolu.

Das funktioniert auch eindrucksvoll auf der Bühne im Brauhaus. Augenblicklich ist man allein in einer Bar, viel zu spät in der Nacht, die gleich zum Morgen wird, irgendwo in New York, Frankfurt oder Sydney vielleicht. Oder eben Altdorf. Fischers Klavier, energetisch, gefühlvoll und präzise wie ein Uhrwerk gespielt, perlt und hämmert, wiegt und streichelt. Christof Stahl klopft dazu auf einem fein gestimmten Gretsch-Schlagzeug abwechslungsreich, aufbrausend, groovend und elastisch. In der Mitte vorne steht Mercan Kumbolu, die Frontfrau, kommuniziert subtil mit dem Publikum, immer präsent und voll in der Musik aufgehend. Eine solche Performance, die gleichermaßen routiniert wie leidenschaftlich daherkommt, überzeugt und wird vom Brauhaus-Publikum mit begeistertem Beifall bedacht. The Rose & Crown sind tatsächlich eine Band, die man sich auch gut in den Charts vorstellen kann – und mag .

Innig und dynamisch

„Freut Ihr Euch schon auf BobMila?“, fragt Mercan Kumbolu am Ende ihres Sets und lässt wissen, es habe Spaß gemacht, mit den Kollegen vorher backstage „abzuhängen“. Die Altdorfer reagieren eindeutig. Natürlich wollen sie ihre neue Lieblings-Geheimtipp-Band sehen. Das Vater-Tochter-Duo Bernd und Mila Fischer erobert umgehend die Herzen auch derjenigen Zuhörer, die sie zum ersten Mal sehen. So innig, dynamisch und leidenschaftlich sind ihre Interpretationen nicht nur von Songs berühmter Kollegen wie Adele (und die muss man ja auch erst mal singen können), Rihanna, Bon Iver oder Sophie Hunger, sondern auch ihrer Eigenkompositionen. Bisher gibt es davon nur zwei („All The Things“ und „Ulf“), aber die machen definitiv Lust auf mehr.

Das Stimmwunder ist hier vor allem Mila, die mit gerade mal 17 Jahren singt, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres auf der Welt. Zugleich singt sie, und das ist ungleich wichtiger, als gäbe es nichts Größeres, Wichtigeres auf der Welt. Und das ist für die Zeit des Auftritts eine unbestrittene Übereinkunft zwischen Publikum und Band. Spannende, intime und ergreifende Momente entstehen da. Bernd Fischer wird da fast übersehen, dabei ist sein Beitrag so essenziell wie meisterlich: Unauffällig webt er sein Netz aus fein gesponnener Akustikgitarre, hebt die emotionale Intensität an den wichtigen Stellen, bearbeitet sein Instrument voll Energie und Selbstvergessenheit. Und obendrein singt er noch, mit einer Stimme, für die andere Sänger schon mal auf die eine oder andere Gage verzichten würden.

Seit kurzem haben die beiden zudem eine Rhythmusgruppe um sich geschart, die in Altdorf keine Unbekannten sind: Rolf Scharrer bedient den Bass mit der von ihm gewohnten Einfühlsamkeit und Präzision. Sein Rhythmuspartner, mit dem er sich praktisch blind versteht, ist Schlagzeuger Jörg Szameitat, mit dem er etliche Jahre bei Dillberg gespielt hat und der in anderer Funktion auch bei Giftwood aktiv ist. Der Dritte im Bunde ist E-Gitarrenveteran Oliver Spieß, der den Sound meist unauffällig abrundet, aber auch mal das ungestüme Solo von der Leine lässt.

Frische, feurige Band

Diese Drei bilden das kongeniale Pendant zu Bernd und Mila Fischer, unterstützen die emotionalen Schattierungen ihrer Lieder, gehen mit, wohin diese zwei gehen, werden laut, wenn es laut sein muss, und leise, wenn es leise sein muss. Eine frische, feurige neue Band hat Altdorf da. Und nach drei euphorisch aufgenommenen Zugaben – dem gnadenlos groovenden Liquor Store Blues, dem unglaublich verletzlichen Skinny Love und dem wehmütigen Someone Like You – entlässt ein seliges Brauhaus-Publikum BobMila in die Nacht. Man munkelt, die Musiker hätten mit den neuen Freunden von The Rose & Crown backstage und vor allem am rüstigen Klavier noch weiter gesungen und gespielt, lange nachdem die letzten Zuschauer das Brauhaus verlassen haben.

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