Quartett mit Ziel Landratsamt

NÜRNBERER LAND (gz) — Ab sofort wird um die Wette gelächelt. Denn der Wahlkampf im Landkreis wird jetzt ernst. Am 2. März bestimmen die Bürger Landrat, Kreistag und Gemeinderäte neu. Bei den Bürgermeistern gibt es im Gebiet der PZ nur in sieben Orten die Wahl: in Lauf, Röthenbach, Ottensoos, Neunkirchen, Schnaittach, Simmelsdorf und Eckental. Die Republikaner haben auch einen Landratskandidaten nominiert, der bisher nicht im Kreistag sitzt und aus Baiersdorf stammt: Arnold Decker.

Der eine zeigt gewinnend die Zähne. Der andere zeigt sich gut gebräunt. Der dritte wirkt jugendlich-spitzbübisch, der vierte milde-altersweise. Ob Norbert Dünkel, Norbert Reh, Armin Kroder oder Hans-Joachim Dobbert: Lächeln können alle vier Männer, die sich aus CSU, SPD, FWG und Grünen um die Nachfolge von Landrat Helmut Reich bewerben.

Die Wahlprospekte sind fertig, die Plakate in Druck, die Internetauftritte aktualisiert. Jetzt geht es hinaus in die Kälte, an die winterlichen Infotische. Oder in die Säle, in die das Publikum gelockt werden will.

Wurst mit Meerrettich

Armin Kroder, 34, Abteilungsleiter im Landratsamt und Bewerber der Freien Wähler, hat diese Woche mit kleinen Happen das Wahlvolk zu locken versucht. Eine Dose Wurst samt Meerrettich vom heimischen Hof in Neunkirchen war allen Besuchern der FWG-Veranstaltung mit dem Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger in Röthenbach versprochen.

Die Karl-Diehl-Halle war voll, aber sicher vor allem aufgrund der politischen Neugier. Der jüngste Bewerber um die Reich-Nachfolge verweist auf seine berufliche Karriere, seine familiäre Verbindung (die Eltern sind seit Jahrzehnten kommunalpolitisch aktiv) und auf seine Parteienferne.

Nöte der Bürgermeister

Im wesentlichen auf sich selbst und seine lange kommunalpolitische Erfahrung setzt der Schwarzenbrucker Bürgermeister und Kreisrat Norbert Reh (62). Er ließ kaum eine Nominierungsversammlung seiner Ortsvereine aus und fragt die SPD-Bürgermeister nach ihren Nöten. In Hersbruck schlug er seinem Kollegen Wolfgang Plattmeier vor, die Gesundheitsregion müsse künftig das gesamte Nürnberger Land erfassen.

Beide wünschen sich eine stärkere Vernetzung der Wellness-Angebote im Landkreis. Auch um die Sanierung der Hersbrucker Realschule würde sich Reh als Landrat kümmern. Die größte Veranstaltung der SPD im Hersbrucker Land bekommt Schützenhilfe aus Nürnberg: Oberbürgermeister Ulrich Maly kommt am Sonntag, 27. Januar, 11 Uhr, zum Neujahrsempfang des SPD-Unterbezirks in den Markgrafensaal Hohenstadt.

100-Punkte-Programm

Norbert Dünkel (46), Geschäftsführer der Lebenshilfe, ist als Bezirksrat, Kreisrat, stellvertretender Landrat und Stadtrat an vielen Orten politisch zuhause. Entsprechend nutzt er die verschiedenen Kanäle, um die lokalen Themen wie B 14-Kreisverkehr oder BRK-Streusalzlager voran zu bringen. Mit einem frühzeitig vorgelegten 100-Punkte-Programm hat er von der Struktur- bis zur Sozialpolitik jedes Problem im Landkreis abgedeckt. Zugleich propagiert er aber die Teamarbeit, variiert den Slogan „Dünkel packt’s an“ auch in „Packen wir es gemeinsam an!“

Was die Promi-Unterstützung bei der CSU angeht, so hat Ministerpräsident Günther Beckstein wohl bald keine Kabinettsmitglieder mehr in München. Gestern war Sozialministerin Christa Stewens in Schwaig, am 20. Januar ist ebendort Europa-Minister Markus Söder. Am gleichen Tag spricht Wirtschaftsminister Erwin Huber in Schnaittach, drei Tage später Landtagspräsident Alois Glück in Altdorf. Am Sonntag, 10. Februar, 15.30 Uhr kommt dann der Ministerpräsident selbst wieder in die Dauphin-Speed-Event-Halle. Diesmal allerdings nicht wegen der Hersbrucker Ehrenbürgerwürde, sondern als Wahlhelfer für die CSU Hersbruck.

Biobauer kommt

Was soll da Grünen-Bewerber Hans-Joachim Dobbert (56) dagegen setzen, außer dem trotzigen Slogan: „Es wird Zeit, dass es in Bayern den ersten grünen Landrat gibt“. Lange Erfahrung in der Politik hat auch der grüne Versicherungsmakler. Und ohne die Grünen, meint er stolz, „wäre der Landkreis klimapolitisches Niemandsland“.

Mit Prominenz werben aber auch die Landkreis-Ökos: Landtags-Fraktionssprecher und Biobauer Sepp Dürr kommt am Montag, 21. Januar, 19.30 Uhr, in den Grünen Baum nach Kühnhofen, seine Kollegin Margarete Bause spricht in Altdorf, die Nürnberger grüne Landtagsabgeordnete Christine Stahl in Schnaittach.

Ansonsten konzentrieren sich die Grünen auf den Wahlkampf vor Ort. Nur in zehn von den 27 Landkreis-Gemeinden stellen sie Gemeinderatslisten. In Lauf, wo die Ära Pompl nach Jahrzehnten zu Ende geht, machen sie sich mit Benedikt Bisping Hoffnung auf die Eroberung des Rathauses.

Vier auf einen Streich

Kann man die vier Landratskandidaten auch im Paket buchen? Mindestens zweimal. Schon nächsten Mittwoch, 16. Januar, 19.30 Uhr, gibt es in Lauf eine Podiumsrunde in der Kirchengemeinde St. Otto, Ottogasse 5. Die Kandidaten werden von Mitgliedern des Dekanatsrats befragt zu Themen um Kirche und Politik, Familie und Armut. Auch der Bund Naturschutz lädt die vier am Mittwoch, 13. Februar, 19.30 Uhr in den Sportpark Altdorf, Heumannstr. 5, aufs Podium.

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