Baulücken in der Stadt größer als gedacht

Platz für 4000 Neu-Altdorfer

Baulückenschluss in der Nürnberger Straße: Jahrzehntelang gab es hier stadtauswärts rechter Hand einen großen Garten mit Obstbäumen. Jetzt wird hier gebaut. | Foto: Blinten2019/09/Altdorf-Bauluecke.jpg

ALTDORF – Für Altdorf gibt es ein neues Baulückenkataster. Die Bauverwaltung hat sämtliche Flächen geprüft. Und siehe da: Stadtplanerin Franziska Paizs hat vier weitere Hektar potentielles Bauland aufgetan.

Vier Jahre alt ist das letzte Baulückenkataster für die Stadt Altdorf. Jetzt gibt es ein neues. Stadtplanerin Franziska Paizs vom Planungsbüro Grosser Seeger hat das Verzeichnis aller im Stadtgebiet freien Flächen erstellt. Es zeigt wie sein Vorgänger aus dem Jahr 2015, dass es in der Stadt noch viel Platz gibt, für Zuzüge von über 4000 Menschen und für rund 20 zusätzliche Gewerbebetriebe. Theoretisch. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

„Enormer Aufwand“

Abgesehen davon, dass die Stadt sich selbst eine Grenze von 1000 Einwohnern gesetzt hat, die man bis 2035 zusätzlich nach Altdorf holen will, lassen sich noch lange nicht alle der 296 in Stadt und Außenorten vorhandenen Baulücken für eine Wohn- oder Gewerbebebauung mobilisieren. Bernhard Dotzer und seine Kollegen vom Altdorfer Bauamt haben die Grundstücke einzeln untersucht, Fläche für Fläche. „Ein enormer Aufwand“, wie Bürgermeister Erich Odörfer dazu feststellt.

Welche Art von Baulücken sind das? Sind es mögliche gewerbliche Flächen? Wohnbauland? Grünflächen? Besteht hier überhaupt Baurecht? Und dann: Sind die Eigentümer auch zum Bauen bereit? „Freie Flächen gibt es noch viele in der Stadt“, sagt Odörfer, „aber kaum jemand ist bereit, Gründstücke zu verkaufen.“

Hier geht es um fast 33 Hektar Land innerhalb des Stadtgebiets. Wobei bemerkenswert ist, dass seit der Erfassung der Baulücken durch Stadtplaner Matthias Rühl im Jahr 2015 noch einmal vier Hektar Freiflächen hinzu kamen. Rühl hatte vor vier Jahren noch rund 29 Hektar Freiflächen in der Stadt festgestellt und im Kataster erfasst. Er sprach damals von einem enormen „Entwicklungspotential“ der Stadt.

Dabei ist das mit dem Entwicklungspotential so eine Sache, wenn zu den Baulücken in der Altdorfer Innenstadt etwa alte Obstgärten oder Grünflächen mit Bäumen gehören, die grünen Lungen der Stadt also, die bei einer Überbauung verloren gehen würden.

Eine innerstädtische Verdichtung soll zwar verhindern, dass an den Stadt- und Ortsrändern neue Baugebiete ausgewiesen werden. Es macht aber kaum Sinn, Grünflächen oder Grundstücke mit Baumbestand in der Stadt zu bebauen, um am Ortsrand Wiesen zu schützen. Das war vor vier Jahren der Standpunkt von Dr. Johann Pöllot (CSU) im Stadtentwicklungsausschuss.

Welche Flächen sind erhaltenswert?

Das Baulückenkataster ist Voraussetzung für den neuen Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt. Für Stadträte und Verwaltung bietet es einen guten Überblick über die Flächen, die in Altdorf vorhanden sind. Mehr aber auch nicht. In Eigentumsrechte von Grundeigentümern kann die Stadt mit einem Baulückenkataster natürlich nicht eingreifen.

Jedenfalls haben die Stadträte nun eine gute Grundlage für Diskussionen, welche freien Flächen ihnen erhaltenswert erscheinen und wo sie sich eine Bebauung vorstellen können. Dann müssen jeweils die Eigentümer mit ins Boot. Wenn die mit an einem Strang ziehen, kommt man voran.

Stadtplanerin Franziska Paizs weist darauf hin, dass bis zum Jahr 2035 etwa 50 Prozent der vorhandenen Baulücken im Altdorfer Stadtgebiet für die Wohnbebauung mobilisiert werden könnten.

Der neue Flächennutzungsplan der Stadt ist fast fertig. Bernhardt Walk vom Planungsbüro Grosser Seeger hat im Stadtentwicklungsausschuss den dazugehörigen Landschaftsplan für Altdorf vorgestellt und auf das weitere Verfahren verwiesen.

Bereits im Frühjahr, noch vor den Kommunalwahlen, könnte er beschlossen werden – wenn der vorgesehene Zeitplan eingehalten wird und keine größeren Änderungsanträge mehr eingehen.

Der bestehende FNP der Stadt Altdorf stammt aus dem Jahr 1997. Ein entscheidender Unterschied zu seinem Nachfolger: Im noch aktuellen Plan sind noch rund 40 Hektar Vorbehaltsflächen für Wohnbebauung enthalten, die die Planer für den neuen, 2020 in Kraft tretenden FNP, herausgenommen haben.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten