Nur wenig Resonanz bei Kundgebung der Rechtspopulisten

Pegida in der Tradition der Weißen Rose

Alles Lügner, Heuchler und Verräter: Neuerdings nicht mehr nur die Muslime, sondern jetzt auch die evangelische Kirche. So sieht das zumindest Gernot Tegetmeyer. | Foto: Spandler2016/10/pegida1.jpg

ALTDORF – Ein eher versprengtes Häuflein Zuhörer hatte sich am Montagabend zu der Kundgebung der Vertreter von Pegida Nürnberg am Marktplatz versammelt. Die Islamkritiker nutzten die umstrittene Äußerung von Altdorfs drittem Bürgermeister Dr. Johann Peter Pöllot zum Auftritt von Aiman Mazyek, um Stimmung zu machen gegen den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, gegen Dekan Jörg Breu, die ungleich zahlreicher erschienenen Gegendemonstranten auf der anderen Seite des Marktplatzes, gegen Muslime generell, gegen die evangelische Kirche, ja gegen die Altdorfer insgesamt.

Gernot Tegetmeyer, der Veranstalter der Pegida-Kundgebung, eine Rednerin namens Barbara sowie Michael Stürzenberger gaben sich alle Mühe, die „Verlogenheit“ ihrer Gegner zu untermauern, sei es durch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate aus dem Koran oder indem man große Namen für die eigene Ideologie zweckentfremdete: Herhalten mussten da Martin Luther, Ayatollah Khomeni, Mustafa Kemal Atatürk, aber auch Karl Marx und Arthur Schopenhauer.

Der Beifall, den Dr. Pöllot von der Bühne der Rechten erhielt, dürfte ihm nicht gefallen haben. Er habe das einzig Richtige getan, wurde er gelobt, indem er das, was an diesem Reformationstag passieren sollte, als „Schweinerei“ bezeichnete. „Bleiben Sie stark, lassen Sie sich Ihr starkes Rückgrat nicht verbiegen“, so die Aufforderung. Dekan Jörg Breu dagegen wurde nicht nur diffamiert, sondern regelrecht beleidigt. „Ihr solltet ihn in den A…. treten, dass er seine Schäfchen verraten hat“, rief Tegetmeyer, der angeblich nur direkte Demokratie fordere.

„Wolf im Schafspelz“

Aiman Mazyek wolle nichts anderes als die Islamisierung Deutschlands, er sei der Wolf im Schafspelz, der Prophet Mohamed der Anti-Christ. Mazyek wolle die Kirche nur dazu nutzen, seine Lügen zu verbreiten, denn dies sei im Islam „Ungläubigen“ gegenüber erlaubt. Angriffe musste neben Dekan Breu auch die gesamte evangelische Kirche aushalten, die zu einer „Kirche der Beliebigkeit“ geworden sei, besonders hatten es die Rechten auch auf den Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm abgesehen, der als „widerlicher Heuchler“ herabgewürdigt wurde.

Als Antwort auf die Sprechchöre von der Gegner-Seite und die „Altdorf ist bunt“-Rufe ließ sich Stürzenberger zu dem Kommentar hinreißen: „Altdorf ist blöd, wenn ihr die Augen vor dem Islam verschließt.“

Zugeknöpft im doppelten Sinn: nicht gerade auskunftsfreudig gaben sich die wenigen Zuhörer, die der Bayerische Rundfunk interviewen wollte.
Zugeknöpft im doppelten Sinn: nicht gerade auskunftsfreudig gaben sich die wenigen Zuhörer, die der Bayerische Rundfunk interviewen wollte.2016/10/pegida2.jpg

 

Von dem kleinen Grüppchen der Claqueure, das im Laufe der Ansprachen von 15 auf etwa 25 Teilnehmer anschwoll – Ordner inbegriffen – kamen vereinzelte Schmährufe in Richtung der gegnerischen Demonstranten. Als der BR die Zuhörer befragen wollte, zeigten die sich allerdings recht zugeknöpft, mit Ausnahme eines Herrn, der dann allerdings gleich anbot, der Reporterin das Mikro aus der Hand zu schlagen.

Tegetmeyer erklärte abschließend, er hätte kein Problem damit, dass seine Anhänger so stark in der Minderzahl seien, während die der Gegendemonstranten in so großer Masse aufliefen. „Die Weiße Rose damals waren auch nur wenige und doch hatten die Recht und nicht die Nazis.“ Diesem Vergleich einer rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Organisation mit einer Widerstandsbewegung im Dritten Reich ist nichts mehr hinzuzufügen.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler