Flächen in der Nachbarschaft des Bauhofs wurden vor 43 Jahren überplant

Odörfer entdeckte Bebauungsplan für Altdorfs Osten

Hier geht es in das Gebiet, das 1971 überplant wurde. Der rechtskräftige Bebauungsplan wurde damals von Bürgermeister Heinrich Späth und dessen Stellvertreter Friedrich Weißkopf unterzeichnet. Bis Rathauschef Erich Odörfer den Plan im Archiv des Rathauses entdeckte, wusste in Altdorf offenbar niemand davon, auch die Grundeigentümer nicht. Foto: Blinten2014/06/bebauungsplan1971.jpg

ALTDORF – Gewerbeflächen gefällig? In Altdorf tun sich ganz neue Möglichkeiten auf, weil ein rechtskräftiger Bebauungsplan für ein großes Gebiet im Osten der Stadt aufgetaucht ist. Nein, nicht aufgetaucht, Bürgermeister Erich Odörfer hat den Plan entdeckt, als er im Archiv des Rathauses stöberte. Rings um den städtischen Bauhof, in der Nähe der Kläranlage und in der Nachbarschaft von Auto Bott und Beton Meyer an der Abzweigung der Nürnberger Straße ist ein großes Gebiet überplant worden.

Das ganze liegt allerdings schon eine ganze Weile zurück, 1971 wurde der Bebauungsplan aufgestellt, unterzeichnet wurde er damals von Bürgermeister Späth und 2. Bürgermeister Weißkopf. Für die Stadt gibt es jetzt die theoretische Möglichkeit, im Osten ein neues großes Gewerbegebiet zu entwickeln. Doch die Begeisterung darüber hält sich in Grenzen. Gewerbegrund wird zwar in Altdorf immer wieder nachgefragt. Ob man deshalb aber das große Bebauungsplangebiet aus dem Jahr 1971 komplett entwickeln soll, daran haben die Mitglieder des Altdorfer Stadtentwicklungsausschusses ihre Zweifel. Wie also mit dem 43 Jahre alten Plan umgehen, von dessen Existenz niemand etwas ahnte? Nachdem Odörfer ihn im Archiv entdeckt hatte, setzte er sich mit dem Landratsamt in Verbindung. Dort muss der Plan ebenfalls vorliegen, ist aber bisher noch nicht gefunden. Was damit zusammen hängen kann, dass er noch zu Zeiten des Altlandkreises archiviert wurde, also vor der Gebietsreform, und jetzt an unbekanntem Ort liegt.

Unabhängig davon will Ernst Bergmann (SPD) die Angelegenheit dann diskutieren, wenn man den Flächennutzungsplan der Stadt berät: „Wir sollten das in aller Ruhe angehen und unter städtebaulichen Aspekten beraten.“ Altdorf braucht nach Bergmanns Überzeugung nicht an jedem Ortseingang ein Gewerbegebiet. „Deshalb sollten wir den Bebauungsplan einfach aufheben.“ Für Dr. Johann Pöllot (CSU) ist es hochinteressant, dass der Bebauungsplan auch den Eigentümern von Grundstücken im Osten der Stadt nicht bekannt war. Entwickeln müsse man keineswegs das ganze Gebiet, so Pöllot, aber möglicherweise kleinräumig in der Nachbarschaft der jetzt schon bestehenden Gewerbeflächen. Ähnlich sieht das Dr. Bernd Eckstein (CSU), der sich allerdings auch mit einer größeren Entwicklung des Gebiets anfreunden könnte: Man müsse dabei überlegen, wie weit man von der Wohnbebauung entfernt bleibt, insgesamt wäre es für die Stadt aus Ecksteins Sicht von Vorteil, weil die Stadt neue Gewerbegebiete brauche.

Entgegengesetzter Meinung ist Margit Kiessling, die von einem Ausverkauf der Natur sprach. Dem müsse man mit einem Gewerbeflächenmanagement im Landkreis begegnen. Das aber, hielt ihr Bürgermeister Odörfer entgegen, funktioniere nicht, weil die Gewerbebetriebe da ihre Steuern zahlen, wo sie angesiedelt sind.

Eckart Paetzold (Grüne) schloss sich Bergmanns Vorschlag an, den Bebauungsplan einfach aufzuheben. Und schnell solle das geschehen, so der Stadtrat der Grünen. Ob das aber schnell oder einfach geschehen kann ist noch nicht klar. Möglicherweise muss die Stadt mit Schadensersatzklagen von Grundbesitzern rechnen.

Bergmann fasste am Ende zusammen, was viele Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses genau so sehen: Ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1971 kann nicht Maßstab heutigen städtebaulichen Handelns sein.
Und dann stand da noch die Frage im Raum, was in den Tiefen des Rathausarchivs noch so alles schlummert. Vielleicht ein Aufhebungsbeschluss für den 1971er Bebauungsplan? Damit wäre die Sache dann wieder erledigt.

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