Fränkisch-oberpfälzisches Team holt deutschen Vizetitel

Meisterhaft grilliert

Ab sofort dürfen sie sich Deutsche Vizegrillmeister nennen. Hinten (v.l.): Christian Rudolph, Ralf Lieb, Joachim Lewis alias „Schnitzel“, Holger Schloemp, Daniel Ehbauer. Vorne (v.l.): Conny Schulz, Martin Schulz, Silke Schloemp, Christian von Lospichl. Mit im Team, aber nicht auf dem Foto: Werner Pfeufer. | Foto: privat2016/09/Grill-doch-mal-Team2.jpg

HAGENHAUSEN/BERG – Ausgerüstet mit nicht weniger als zwei Gasgrills, einem Kugelgrill, einem Water-Smoker, zwei Keramikgrills und einem großen Smoker-Anhänger reiste das Team „Grill doch mal“, dem auch der Hagenhausener Joachim „Schnitzel“ Lewis angehört, aus dem oberpfälzischen Berg in die hessische Barockstadt Fulda. Ein ziemlicher logistischer Aufwand war der Transport all der benötigten Geräte – aber er hat sich gelohnt! Denn auf dem Heimweg hatten die Profibrutzler nicht weniger als den Vizetitel der Deutschen Grillmeisterschaften im Gepäck.

Besonders im Sommer frönen die Deutschen der heiß geliebten Fleischeslust über glühenden Kohlen. Auch die Mitglieder des Teams „Grill doch mal“ sind große Fans des Grillens. Für sie beginnt die Saison allerdings weitaus früher, denn im August, wenn die Brutzlerei Hochkonjunktur hat, heißt es für sie: Auf zu den Deutschen Meisterschaften.

Das erste Mal nahm das Team vor zwei Jahren an ihnen teil. 2014 in Schweinfurt erreichten sie Platz zehn, 2015 in Hennef bei Köln bereits Platz fünf. Heuer gaben die Grillkünste gar den stolzen zweiten Platz her. „Wir haben Blut geleckt“, sagt Martin Schulz über den Ehrgeiz seines Teams. Gemeinsam mit Frau Cornelia, gelernte Köchin und Konditormeisterin, betreibt er eine Grill- und Backschule in Berg. Aus ehemaligen Kursteilnehmern dieser Schule ist das zehnköpfige Team hervorgegangen.

Seit Februar treffen sich die Grillfreunde – aus Hagenhausen, Berg, Forchheim, Loderbach, Deining und Dortmund – einmal monatlich in Berg, um an ihren Garkünsten zu feilen und sich im Sommer in der Profiklasse behaupten zu können. Für jedes Treffen setzen sie aus dem Pool der unterschiedlichen Kategorien, die im Wettbewerb gefordert sind, einen anderen Schwerpunkt – mal Fleisch, mal vegetarisch, mal Fisch, mal Dessert.

„Danach sind sie satt!“

An den diesjährigen Meisterschaften in Fulda nahmen ganze 37 Teams teil, 20 davon in der Profiklasse. Die Amateure grillen vier, die Profis sechs Gänge. Am Sonntag, dem Wettkampftag, muss pünktlich zum Mittag um 12 Uhr der erste Gang „Stör“ serviert werden. Die weiteren Profi-Gänge – Veggie, Spareribs, Impro-Gang, Bürgermeisterstück und Dessert – folgen im Stundentakt. Kein Pappenstiel, wenn einem neben den Juroren auch noch 15.000 Besucher über die Schulter schauen dürfen.

Einige Teams hängen ihren Stand ab. Dafür hat Martin Schulz wenig Verständnis. „Wir wollen das nicht. Die Besucher sollen zuschauen und Fragen stellen können.“ Zusätzlich zu den elf geforderten Portionen grillen sie wohlweislich noch einiges mehr, das häppchenweise probiert werden darf.
Die elf Portionen jeden Gerichts werden der Jury gereicht. Sechs dürfen die Juroren auf hübsch angerichteten Tellern direkt am Stand verzehren. Vier Portionen verpacken die Griller in Blindboxen, von denen eine andere Jurorengruppe kostet, ohne zu wissen, von welchem Team die Box kommt. Jedes Jurymitglied verspeist über den Tag verteilt 12 bis 14 Portionen. „Danach sind sie satt“, schmunzelt Schulz.

Schupfnudeln vom Grill

Mit meisterhaftem Gesamtergebnis holte Team „Grill doch mal“ am Ende des Tages den Vizetitel. In der Einzelwertung der Gänge punkteten sie mit ihrem „Vegetarischen BBQ mit Beilage“ (Platz zwei), sowie den „Spareribs“ und dem „Impro-Gang“ (jeweils Platz drei).

Zum Gemüse-Gang servierten die Freunde eine besondere Beilage. „Daniel hatte sich in den Kopf gesetzt, Schupfnudeln zu grillen, und seit Monaten daran getüftelt“, verrät Schulz. Selbst die Beilagen müssen bei den Meisterschaften vom Grill sein und dort ist nur der Rost zulässig. Eine Stahlplatte oder Alu sind das Höchste der Gefühle – aber keine Töpfe und Pfannen.

Spargel, Karotten und Ratatouille-Türmchen kamen mit ihrer ungewöhnlichen Beilage sehr gut an und landeten auf dem zweiten Platz. Die Zutaten des Impro-Gangs erfuhren die Griller erst einen Tag zuvor. Flexibilität, Erfahrungsschatz und Ideenreichtum sind gefragt.

Hier machte sich das monatliche Trainieren und Probieren besonders bemerkbar. Mitte September packen die Brutzler erneut all ihr Equipment und Know-how zusammen. Dann fahren sie nach Bremen: Europameisterschaft.
Als eines von zehn deutschen Teams dürfen sie dort ihr Heimatland vertreten. Serviert werden soll eine heimische Spezialität. Mit Schäufele vom Grill wollen die Oberpfälzer und Franken mit ihren Freunden aus Dortmund dann hoch hinaus.

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N-Land Julia Hornung
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