Magischer Ort

Von Altdorf in die Vergangenheit

Die Löwengrube weihten die Altdorfer Studenten zu Ostern 1686 als ihren „Lustort“ ein. Nach 1809 nutzten Altdorfer Bürger die Höhle als Bierkeller. Foto: Horst Großmann2020/06/Altdorf-Loewengrube3.jpg

Prackenfels – Es gibt viele faszinierende Orte im Altdorfer Land, magische Orte. Aber nur wenigen wohnt ein vergleichbarer Zauber inne wie der Löwengrube bei Prackenfels. Geschichte scheint hier eingefroren.

In der einst als Steinbruch angelegten Höhle lässt das von außen hereinfallende Licht Fantasiegestalten entstehen, Konturen bilden sich an Felsvorsprüngen, Schatten wandern über Sandstein. Wer die Augen schließt und sich von der Zeitmaschine zurückbringen lässt ins 16. Jahrhundert, hört laute Rufe von Steinmetzen und unablässiges Hämmern, das Klappern von Pferdehufen auf Stein und Schleifgeräusche. Die Löwengrube war ein Steinbruch, aus dem die Altdorfer das Baumaterial für ihre Universität brachen.

Wieder vorwärts mit der Zeitreise ins 17. Jahrhundert. Jetzt hört man Studentenlieder, Rumpeln von Bierfässern auf felsigem Boden, beim Anstoßen klingende Gläser. Gefeiert haben die Altdorfer Studenten in der Höhle seit 1686. Hier waren sie ungestört, konnten hemmungslos zechen und die in Altdorf verbotenen Duelle austragen.

Die Löwengrube erreicht man über den Wanderweg Nummer 3. Foto: Horst Großmann2020/06/Altdorf-Loewengrube1.jpg

Die Löwengrube war noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts auch als Löwengruft bekannt. Benannt wurde der große Felsenkeller von den Studenten nach ihrem Kommilitonen Baron Friedrich Gottlieb von Löwenstern, einem der damals wohlhabendsten Studenten an der Altdorfer Universität, der viel Geld in das Projekt Löwengrube investierte.

Zusammen mit Hofmeister Johann Christian Christ, den Patriziersöhnen Haller und Löffelholz und einer Studentengruppe um Professor Daniel Moller, dem Rektor der Universität, rodete von Löwenstern die Umgebung der Löwengrube. In den Fels schlugen die Studenten Sitzgruppen und ritzten einen heute noch erhaltenen Spruch in den Sandstein: „Wer nicht geweiht ist unserem Leben, der soll die Höhle nie betreten“. Mit einem großen Fest weihten sie zu Ostern 1686 ihren „Lustort“ ein.

Bis zur Schließung der Universität im Jahr 1809, feierten die Altdorfer Studenten in der großen Höhle bei Prackenfels unzählige Feste. Als es damit Anfang des 19. Jahrhunderts vorbei war, nahmen Altdorfer Bürger den Keller in Beschlag. Wer ein Braurecht besaß, brauchte einen Felsenkeller, um sein Bier dunkel und kühl zu lagern. Dafür war die Löwengrube perfekt geeignet. In einer zweiten Höhle legten die Altdorfer damals eine Kegelbahn an. Um viel Licht in den Innenraum zu bringen, schlugen sie runde Bogenöffnungen in den Fels.

Steinbruch, Bierkeller, Kegelbahn: Die Löwengrube hat einiges erlebt in den vergangenen Jahrhunderten. Foto: Horst Großmann2020/06/Altdorf-Loewengrube4.jpg

1886, 200 Jahre nach der Einweihung der Löwengrube durch Baron von Löwenstern und seine Kommilitonen, feierten erneut Studenten in dem zwischenzeitlich als Bierkeller genutzten ehemaligen Steinbruch. Seminarlehrer Johann Böhm vom Königlich-Bayerischen Schullehrerseminar organisierte damals die Jubiläumsfeier mit seinen Studenten.

Vor rund 200 Millionen Jahren entstand der Räthsandstein der Löwengrube, als sich sandige Sedimente in dem damals ganz Mittelfranken bedeckenden flachen Binnenmeer absetzten. Von Altdorf aus kann man die Löwengrube über den Wanderweg Nummer 3 erreichen. Man kann aber auch mit Rad oder Pkw nach Prackenfels fahren und dann weiter durch den Ort in Richtung Prethalmühle, durch den Weiler und wieder den Berg hinauf. In der scharfen Kehre nach links (man sieht dort den renovierten Auerschen Bierkeller) stellt man sein Rad oder Auto ab und folgt der Wegweisung zur Löwengrube.

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