Comenius-Projekt in Feucht abgeschlossen

Lernwirkstatt ein „Leuchtturm der Inklusion“

Zum Abschluss des COMENIUS-Regio-Projekts traf man sich in Feucht zu einer Feierstunde.2015/07/lernwirkstattscvhirm3_New_1436533501.jpg

Das COMENIUS-Regio-Projekt des Staatlichen Schulamts Nürnberger Land mit dem Cardiff Council ging nach zweijähriger Laufzeit zu Ende. Im Rahmen eines intensiven Austauschs haben Lehrkräfte aus Grund-, Mittel- und Förderschulen aus dem Landkreis, unterstützt von Elternverbänden und Hochschulen Möglichkeiten entwickelt, wie Schulen bei der Umsetzung der Inklusion unterstützt werden können. Im Rahmen einer Feierstunde wurde nun in Feucht das von der EU finanzierte Projekt beendet. Wichtigster Ausfluss aus dem Projekt ist die Lernwirkstatt, die mit dem Schulamt in Feucht eine feste Bleibe gefunden hat. Bei der Feierstunde übernahm Irmgard Badura, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Belange von Menschen mit Behinderung die Schirmherrschaft. Für Dr. Gerald Klenk, den Kopf und Motor der Lernwirkstatt, erfährt damit die Arbeit der Lernwirkstatt und des Schulamts eine Würdigung, die weit über die Landkreisgrenzen hinausreicht.

FEUCHT – „Projekte, die gut gelaufen sind, brauchen einen entsprechenden Abschluss“, meinte Joachim Schnabel, Fachlicher Leiter des Schulamtes, und zeigte sich erfreut über die große Resonanz, die die Einladung gefunden hatte. Unter den Gästen begrüßte er ganz besonders die Delegation aus Cardiff mit Emily Daly an der Spitze, MdL Norbert Dünkel, den Inklusionsbeauftragten der CSU, BLLV-Ehrenpräsident Klaus Wenzel, Landrat Armin Kroder, Wolfgang Kriegelstein als Vertreter der Regierung und Peter Eurich, den Leiter der Privaten Fachakadmie für Heilpädagogik als Gastgeber. Für den Rahmen der Feier sorgten Mitglieder der Schulband der Mittelschule Altdorf unter Leitung von Walter Hruby und das Theater Mimulus.

Dr. Gerald Klenk machte deutlich, dass es im Rahmen des Projekts darum ging, für die Lehrerfortbildung Möglichkeiten auszuarbeiten, die die Inklusion in die Herzen und die Köpfe der Lehrerschaft bringen. „Es ist noch ein langer Weg, den wir erst begonnen haben. Wir freuen uns, weil der Weg zugunsten unserer Kinder und Jugendlichen in den Schulen begangen wird.“ Sein Dank galt allen Beteiligten für das große Engagement beim gemeinsamen Ziel, Inklusion in den Schulen zu leben.

Eine Kurzzusammenfassung des COMENIUS-Regio-Projekts gaben dann der Leiter der Mittelschule Altdorf Jörg Baldamus und Emily Daly. Beide zogen eine sehr zufriedenstellende Bilanz („From flipflops to trainers“) und lobten besonders das Ergebnis Lernwirkstatt. Die Arbeit sei noch lange nicht zu Ende und Baldamus gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Konzept der Inklusion an allen Schulen des Landkreises umgesetzt wird.

Ausführlich konnte man beim anschließenden „Markt der Möglichkeiten“ im persönlichen Gespräch mit den Beteiligten in Erfahrung bringen, was in der zurückliegenden Zeit erarbeitet wurde.

Klaus Wenzel, Ehrenpräsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, gratulierte zum Ergebnis Lernwirkstatt. Er sprach von einem „Leuchturm der Inklusion“, der über das ganze Land leuchte. „Inklusion ist ein großes Ziel und was hier in den zwei Jahren geleistet wurde, verdient hohe Anerkennung.“

Der Lernwirkstatt gratulierte er zur neuen Schirmherrin. Sie sei dafür prädestiniert, weil sie für die Idee der Inklusion lebe. Irmgard Badura werde die Schirmherrschaft aber nicht nur formal übernehmen, sondern wann immer es gehe, ideelle Unterstützung leisten, „damit diese Idee der Inklusion in Bayern eine echte Chance bekommt.“ Sie habe immer wieder Wege aufgezeigt, wie es gelingen kann, „dass aus unserer Gesellschaft wirklich eine inklusive wird“. Sie sei hartnäckig, überzeuge argumentativ und kämpfe für die Idee. Dr. Klenk überreichte der Schirmherrin dann eine Urkunde.

Irmgard Badura betonte, dass sie diesen Schirm über die Lernwirkstatt gerne übernommen habe. Sie wolle ihren Teil dazu beitragen, dass sich Inklusion in allen Bereichen durchsetze. Den schulischen Bereich bezeichnete sie dabei als Vorreiter und wichtigen gesellschaftlichen Motor. Das zeige die Lernwirkstatt besonders deutlich. Sie sei Dr. Klenk und seinen Mitstreitern sehr dankbar, dass man mit der Lernwirkstatt eine Plattform geschaffen habe, die beeindruckend sei und die sie sich in allen bayerischen Schulamtsbezirken wünschen würde. Die Vielfalt der Aufgaben und Themen, wenn es um die schulische Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen gehe, bleibe eine echte Herausforderung.

Intensive Zusammenarbeit

„Inklusive Prozesse leben von einer intensiven Zusammenarbeit über Berufsgruppen hinweg, einer intensiven Kommunikation aller Beteiligten und nicht zuletzt einer inklusive Haltung der Akteure“, meinte Badura. Sie forderte dazu auf, sich ungeachtet der jeweiligen Lebenssituation und des sozialen Status stets auf Augenhöhe zu begegnen, „auch wenn das Gegenüber nicht so gut kommunzieren kann. Auch er hat Anspruch darauf, gleichwertig und mit Respekt behandelt zu werden.“ Ebenso müsse seine Perspektive ernstgenommen und verstanden werden.

In der Praxis komme es immer darauf an, dass Menschen miteinander verantwortlich handeln. Die Lernwirkstatt sei der richtige Ort, um diese Haltungen konsequent zu leben und weiterzutragen. Sie bat die Akteure der Lernwirkstatt darum, das Thema inklusive Haltung immer wieder ins Bewusstsein zu holen.

Wichtig sei ihr auch die Entwicklung eines qualitativ hochwertigen inklusiven Bildungssystems. Bei der Sicherung der Qualität gehe es ihr aber nicht darum, dass irgendwelche Benotungen und Kriterien von Fachleuten und Wissenschaftlern festgelegt werden, sondern bei den Kindern und Jugendlichen angesetzt wird. Die Frage sei also, wie zufrieden die Schülerinnen und Schüler mit der Arbeit der Lernwirkstatt sind und was bei ihnen ankommt. Sie sei sich aber sicher, dass Dr. Klenk auch daran gedacht habe.

„Ich wünsche der Lernwirkstatt lang anhaltenden, wirksamen Erfolg auf dem Weg zur Teilhabe für uns alle. Mal sehen, was wir uns gemeinsam einfallen lassen.“

„Das Projekt wird zwar abgeschlossen, aber die Arbeit geht weiter“, meinte Landrat Armin Kroder, der den Dank an die Beteiligten aussprach. Man könne gemeinsam „frohen Herzens und guten Mutes in die Zukunft gehen“.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl