Markus Deyhle zum Katastrophenschutz

„Lebensmittelvorräte sind ein alter Hut“

Die „Rust-Liste“ bei Edeka Fischer in Roth über den Scanner gezogen: Der 14-Tage-Notvorrat summiert sich auf 73 Euro und acht Cent inklusive zwei Euro Flaschenpfand. | Foto: Götz2016/08/7370732.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Hamsterkäufe, Aktion „Eichhörnchen“, Kalter Krieg – diese Schlagworte waren diese Woche öfter zu hören. Denn die Bundesregierung befasst sich mit der Neukonzeption der zivilen Verteidigung im Rahmen des Katastrophenschutzes. Markus Deyhle ist als BRK-Kreisgeschäftsführer im Nürnberger Land mit dem Thema vertraut.

Markus Deyhle

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Was steckt hinter ziviler Verteidigung und Katastrophenschutz?
Markus Deyhle: Damit ist die Gesamtheit der nicht-militärischen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung im Krisenfall gemeint, also bei Naturkatastrophen, Terror- und Amoklagen, Großschadensereignissen wie Zugunglücken oder im militärischen Spannungsfall. Der Bevölkerungsschutz, wie wir es lieber nennen, denn es soll ja nicht die Katastrophe geschützt werden, sondern der Mensch, ist auf mehreren Ebenen angesiedelt: auf staatlicher, zum Beispiel dass genug Krankenhausbetten vorhanden sind, auf individueller und auf Seiten der Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz.

Wissen Sie, was verändert werden soll und vor allem warum?
Genau kenne ich das 70 Seiten dicke Konzept noch nicht. Aber ich denke Hintergrund könnte sein, dass das Leben in der Welt und damit auch in Deutschland deutlich unruhiger und unkalkulierbarer geworden ist. Wir haben teils extreme Wetterlagen. Die hoch technologisierte Welt macht große Schadensfälle möglich und die Vernetzung sorgt für eine große Verletzlichkeit an nicht nur einer Stelle.

Sie sehen in den Bestrebungen des Bundes keine Panikmache?
Nein, diese Empfehlung ist kein Alarmismus, sondern eine Pflicht des Staates. Konzepte müssen angepasst werden, um so auch die Einstellung der Menschen zu ändern. Sie müssen ein Bewusstsein für diese unruhige Welt entwickeln.

Und dazu gehören also auch Hamsterkäufe?
Das mit den Lebensmittelvorräten ist doch ein alter Hut. In den Broschüren des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe steht das schon seit vielen Jahren drin. Es kann jeden treffen, dass er mal längere Zeit nicht aus dem Haus kann. Ich finde einen Vorrat sinnvoll, aber entscheiden muss und kann das ja jeder für sich.

Welche Auswirkungen hat eine Neukonzeption auf das BRK?
Wir überlegen, was wir anpassen müssen. Dazu stehen wir in engem Kontakt mit anderen Hilfsorganisationen und dem Landratsamt. Themen sind dabei Strom-, Wasser- und Kraftstoffversorgung sowie das Transportwesen. Was wir im BRK in ganz Bayern und Deutschland neu überdenken, ist die Anpassung bei Terroranschlägen. Hier ist die Bedrohungslage ganz anders als bei einem Zugunglück zum Beispiel: Die ist vorbei, während es im anderen Fall weitere Bomben oder Attentäter geben kann. Für uns bedeutet das bestmögliche Vorbereitung ohne Verunsicherung der Bevölkerung.

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