Ein Fall für das Arbeitsgericht

Knie verdreht, Job verloren

Laying of paving slabs | Foto: Adobe Stock2019/12/Altdorf-Maurer-scaled.jpg

ALTDORF – Ein Arbeitgeber entlässt seinen Mitarbeiter und meldet ihn bei der Krankenkasse ab. Die Altdorfer Familie muss nun einen finanziellen Engpass überbrücken. Der Fall wird zudem das Arbeitsgericht beschäftigen.

Seit über 30 Jahren arbeitet der 54-Jährige Josef Bauer (Name geändert) auf dem Bau, hat gute und schlechte Zeiten erlebt und nach einer längeren Krankheit im Oktober wieder eine neue Arbeitsstelle gefunden. Richtig gut war der erste Kontakt mit seinem neuen Arbeitgeber seinerzeit, erinnert sich der gelernte Maurer. Der neue Chef habe einen ganz sympathischen Eindruck gemacht, habe offen über alles geredet und ihm alles wichtige gezeigt.

Stutzig machte Josef Bauer nur, dass sein Chef ihm keinen Arbeitsvertrag vorlegte. Darauf angesprochen, winkte der nur ab und versprach, den Vertrag später aufzusetzen. Ein leeres Versprechen, wie sich dann zeigen sollte.

Meniskusriss beim Pflastern

In der zweiten Woche bei seiner neuen Firma verdrehte sich Bauer bei Pflasterarbeiten auf einer Baustelle das Knie. Trotz starker Schmerzen ging er nicht zum Arzt, sondern am nächsten Tag gleich wieder auf die Baustelle, merkte aber, dass er nicht mehr pflastern konnte. Sein Knie machte nicht mehr mit. Als der Arbeitgeber sah, dass sein Mitarbeiter kaum noch gehen konnte, schickte er ihn ins Krankenhaus. Es stellte sich heraus, dass Bauers Meniskus zerstört war.

Warten auf Bescheid des Jobcenters

Was dann folgte, kann sich der Maurer bis heute nicht erklären. Sein Arbeitgeber kündigte ihm fristlos und meldete ihn auch bei der Krankenkasse ab. Der Altdorfer bekommt deshalb kein Krankengeld und hat seit November kein Einkommen. Zwischenzeitlich hat er zwar einen Antrag auf Unterstützungsleistungen beim Jobcenter in Lauf gestellt. Nach vier Wochen hat er aber immer noch keinen Bescheid geschweige denn Geld auf dem Konto gesehen.

Josef Bauers Ehefrau sorgt derzeit mit ihrem Teilzeitjob als Busfahrerin und mit Heimarbeit für ein geringes regelmäßiges Einkommen. Deren Schwester hat der Familie Geld geliehen, damit Stromrechnungen bezahlt und Kredite bei der Bank bedient werden können. Die Weihnachtswünsche der Jungen müssen deshalb in diesem Jahr ganz bescheiden ausfallen. Und warum das alles? Weil der Arbeitgeber seinen Maurer einfach von der Sozialversicherung abgemeldet und dann fristlos gekündigt hat.

Angesprochen auf dieses kaum nachvollziehbare Verhalten, verweist der Ex-Arbeitgeber des Altdorfer Maurers im Telefongespräch mit dem Boten auf eine bevorstehende Gerichtsverhandlung. Vorher werde er sich zu der Angelegenheit nicht äußern.

Dass man gegen eine fristlose Kündigung Einspruch einlegen kann, hat Bauer gewusst. Nicht gewusst hat er, dass dabei eine Frist von drei Wochen einzuhalten ist. Erfahren hat er das von seinem Anwalt Jörg Zitzmann, den er drei Wochen und zwei Tage nach seiner fristlosen Kündigung aufsuchte.

Verdacht der Schwarzarbeit

Nun hat die fristlose Kündigung zwar Bestand, klären muss das Gericht aber, warum der Arbeitgeber den Maurer von der Sozialversicherung abgemeldet hat, bevor er ihm fristlos kündigte. Die Abmeldung von der Versicherung soll, so Josef Bauer, zwei Tage vor der Kündigung erfolgt sein. Und während dieser zwei Tage habe er sogar noch gearbeitet, beteuert der Maurer. Das wäre dann Schwarzarbeit. Dass er nicht mehr krankenversichert ist, erfuhr der Altdorfer aber erst, als er mit seinem verletzten Meniskus in ärztlicher Behandlung war.

Irgendwie muss es jetzt weitergehen, sagt Josef Bauer. Auf jeden Fall will er wieder arbeiten, so schnell wie möglich. Als Maurer, da ist er sich sicher, wird er nach seiner Genesung nicht lange nach einem neuen Job suchen müssen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten