Der Landkreis Nürnberger Land im Fokus

„Bassd scho“ reicht nicht

Die restaurierte Kaiserburg in Lauf soll in Zukunft ein Spracheninstitut beherbergen. Das Bild zeigt Heimatminister Markus Söder mit Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping. Der Landkreis Nürnberger Land will zudem die einstige Universität in Altdorf wiederbeleben. | Foto: Clemens Fischer2014/07/wenzelschloss_kaiserburg_so__der_bisping_lauf.jpg

LAUF — Wie sieht es aktuell aus im Landkreis Nürnberger Land? Wie ist die wirtschaftliche Lage, was beschäftigt die Politik? Hier ein aktueller Überblick.

Als seit 2014 amtierender Vorsitzender der Europäischen Metropolregion Nürnberg gehört der „Blick über den Tellerrand“ für Landrat Armin Kroder zum Tagesgeschäft. Und wenn er „sein“ Nürnberger Land dabei mit anderen Kreisen und Städten vergleicht, ist er gewöhnlich ganz zufrieden. Ein entspanntes Zurücklehnen und ein gutfränkisches „Bassd scho“ reicht ihm dabei allerdings nicht. Kroder will für das Nürnberger Land im Wettkampf der Regionen die Werbetrommel weiter kräftig rühren.

Mit Zahlen geht das besonders gut, zumal mit derart positiven, wie sie der Landkreis vorweisen kann. Die Arbeitslosenquote lag im Jahresschnitt deutlich unter 2,5 Prozent und ist damit die mit Abstand beste im Arbeitsagenturbezirk Nürnberg. Und mit seinem Bruttoinlandsprodukt von 4,8 Milliarden Euro — das sind 29067 Euro pro Einwohner — lag das Nürnberger Land 2014 im mittelfränkischen Vergleich auf Platz zwei. Einzig der Landkreis Erlangen-Höchstadt stand hier mit 31737 Euro besser da.

Grund für die wirtschaftlich seit Jahren so rosige Situation ist ein gesunder Mix aus „Global Players“ wie dem Schmuckhersteller Sabo, Haushaltswarenfabrikant Fackelmann, Büromöbeldesigner Dauphin, Rüstungs- und Metallkonzern Diehl oder Farb- und Lackpigmenthersteller Eckart, sogenannten „Hidden Champions“ der Automobilzulieferer-, Elektro- oder Keramikbranche, innovativen Mittelständlern und vielen Handwerksbetrieben.

Zugleich zeigt sich seit kurzem aber auch das Ungleichgewicht zwischen dem wirtschaftlich starken Westen und Süden um Lauf und Altdorf und dem strukturschwächeren Landkreisosten: War bislang nur das kleine Vorra im Pegnitztal auf staatliche Stabilisierungshilfen angewiesen, schlüpfte im November auch die Stadt Hersbruck wegen der äußerst kritischen Finanzlage — stetig sinkende Steuerkraft gepaart mit Schulden von rund 20 Millionen Euro — unter den „Rettungsschirm“ des Freistaats.

Stichwort Schulden: Die könnten bald auch Kreiskämmerer Werner Rapp zu schaffen machen. Im 2016er Haushalt, der vor allem wegen der deutlich gestiegenen Belastungen im Bereich Jugend und Soziales auf den Rekordwert von über 200 Millionen Euro schnellte, sind zwar „nur“ 35 Millionen Euro „Miese“ verbucht, die aber könnten in den nächsten Jahren auf 60 Millionen anwachsen.

Das 2009 begonnene, umfangreiche Schulsanierungsprogramm, das am Ende gut 150 Millionen Euro gekostet haben wird, wird fortgesetzt — allein schon wegen des Selbstverständnisses als „Bildungsregion“. Kroder hat hier auch zwei große Vorhaben auf seinem Wunschzettel: die Altdorfina, die ehemalige Universität Altdorf, wiederzubeleben und ein Spracheninstitut in der Laufer Kaiserburg zu entwickeln.

In Sachen Verkehrsinfrastruktur hat der Landkreis heuer ebenfalls wichtige Etappensiege verbucht: Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg—Marktredwitz—Hof ist als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten, der Bund will dafür knapp 1,2 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Zugleich könnte damit aber auch das Schicksal der 23 historischen Eisenbahnbrücken zwischen Hersbruck und Neuhaus besiegelt sein.

Kräftig gebaut wird auch an der B14, einer weiteren, für den östlichen Landkreis wichtigen Verkehrsachse: In Reichenschwand machen sich die geplagten Anwohner der vielbefahrenen Bundesstraße Hoffnung, endlich doch noch eine Umgehung zu bekommen — fand doch eine Tunnellösung ebenfalls Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan.

Noch Zukunftsmusik ist der Wunsch des Landkreises, zwischen Schupf und Traunfeld eine neue Ausfahrt an der A6 zu bekommen — gleichwohl ein wichtiger Impuls für die Entwicklung des ländlichen Raums auf der Hochfläche zwischen Altdorf und Alfeld.

Ein hoch spannendes Feld bleibt zudem die Energieversorgung — vom weitgehend autarken „Bioenergiedorf“ Offenhausen mit seinen Windkraft- und Biomasseanlagen bis zum Kampf gegen die drohenden „Monstertrassen“ durch das Schnaittachtal, Ottensoos und Leinburg sowie bei Ludersheim im Landkreissüden. Kroder setzt hier auf dezentrale, erneuerbare Energiegewinnung.

Entsprechend positiv vermerkten er und die Kreisräte daher das Bekenntnis des Betreibers Uniper zum seit 2011 stillstehenden Pumpspeicherwerk in Happurg. Wird der von den Netznutzungsentgelten befreit (wohl nicht vor 2019) und gibt die Unternehmensführung „grünes Licht“ für die Sanierungsarbeiten im mittleren dreistelligen Millionenbereich, könnte Happurg Ende 2022 wieder ans Netz gehen.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta