Diskussion über Integration

„Ich schäme mich jedes Mal“

Salman Mohamed Salaan (l.) und Johannes Schäfer (r.) hören Moderator Günther Schauenberg (Mitte) zu. Beim Thema Abschiebung sind die Beiden einer Meinung. | Foto: Magdalena Mock2019/06/Altdorf-SPD-Integration-online.jpg

ALTDORF – Er steht kurz vor dem Ende seiner Ausbildung, engagiert sich in der Feuerwehr und beim FC Altdorf. Im Anker spricht Salman Mohamed Salaan unter anderem über den Tod seines Vaters, die Flucht nach Europa und er erklärt, dass er für das Abschieben straffälliger Flüchtlinge ist.

2011 ist Salman Mohamed Salaan 19 Jahre alt. Er wohnt mit seiner Familie in einem Dorf nahe Mogadischu. Dann kommen Männer in die Siedlung. Sie fordern alle Jungen, wollen sie zu hörigen Soldaten drillen. Salaans Vater und sein Onkel, der bei den UN arbeitet, widersetzen sich – und werden hingerichtet. „Alle wurden getötet. Ich wollte überleben und wusste nicht wohin“, erinnert sich Salaan.

Im Schatten der Linden des halbfertigen Anker-Biergartens verschlucken einige Zuhörer an ihrem Radler. „Integration – Wege in Gesellschaft der Zukunft“ lautet der Titel der SPD-Veranstaltung.

„Dieses Gesetz ist ein Skandal“

Einer der großen Brocken, den Moderator Dr. Günther Schauenberg in der Diskussion anpackt, ist das Einwanderungsgesetz. Es soll Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern den Zuzug nach Deutschland erleichtern, wenn sie hier arbeiten wollen. Für Asylkoordinatorin Carina Fiebich-Dinkel tut es das nicht. Johannes Schäfer vom BAMF hält dagegen: Das Bundesamt sei eine reine Asylbehörde und nicht für Einwanderung zuständig. „Uns interessiert es salopp gesagt nicht, ob jemand ein guter oder ein schlechter Mensch ist“, erläutert er den Unterschied. Es gehe ihnen nicht um Integrationswilligkeit, sondern um Fluchtgründe.

Drastische Worte findet Oana Mahalean für Horst Seehofers Geordnete-Rückkehr-Gesetz: „Dieses Gesetz ist ein Skandal. Es ist überflüssig und nicht menschenwürdig“, erregt sich die Integrationsberaterin. Durch das Gesetz soll es einfacher werden, ausreisepflichtigen Ausländern, die nicht freiwillig ausreisen, die Sozialleistungen zu kürzen, sie in Gewahrsam oder gar in Abschiebehaft zu nehmen.

Schäfer verteidigt das Gesetz nicht, gibt aber zu bedenken: „Wir brauchen Abschiebungen, sonst wird das Asylrecht konterkariert.“ Mahalean stimmt Schäfer zu, dass Abschiebungen von Straftätern unerlässlich sind. Aber sie sieht einen Praxis-Theorie-Konflikt. Schwarzfahren und andere Lappalien gelten schließlich auch als Straftat. „Diebstahl, Vergewaltigung, Mord können nicht gleich behandelt werden wie keine Passpapiere beantragt zu haben“, sagt sie.

Eines Tages möchte er nach Somalia zurückkehren

„Wenn jemand eine Straftat begeht, ist es recht, dass er abgeschoben wird“, bekräftigt Salaan. Sich selbst sieht er nicht in Gefahr. „Ich bin sehr dankbar und stolz hier zu sein. Ich möchte etwas zurückgeben“, sagt der 24-Jährige. Schwierig sei für ihn manchmal die Berichterstattung. „Wenn ein Flüchtling etwas macht, irgendwo, ist das überall in den Medien. Ich schäme mich jedes Mal, obwohl ich nichts gemacht habe“, gibt er zu.

Obwohl er sich in Altdorf sehr wohl fühlt, möchte der junge Mann gerne irgendwann wieder nach Somalia zurückkehren. Er wolle den Menschen vor Ort helfen und weitergeben was er gelernt hat, sobald es die Situation zulässt.

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock