Altdorfer Tafel feiert 20-jähriges Jubiläum

Helfen hoch 20

Die Arbeit ist zeitaufwendig, anstrengend und – lustig. Leiterin Sabine Fiedler (oben rechts) und die Helferinnen der Tafel haben beim Vorbereiten der Lebensmittelausgabe viel Spaß. | Foto: Magdalena Mock2019/08/Altdorf-Tafel-20-Jahre-2.jpg

ALTDORF – Sabine Fiedler wuchtet eine Kiste mit Bio-Bananen auf den Tisch. Einige haben kleine braune Stellen, sonst sind sie tadellos. „Na die sind doch prima. Da hast du eine Weile zu tun mit Einräumen, was?“, sagt sie lachend und knufft ihre Mitstreiterin an der Gemüsestation freundschaftlich in die Seite.

Im gut bestückten Regal hinter ihnen stapeln sich bereits Melonen, Pfirsiche, Aprikosen, Äpfel und Zitronen. Es gibt sogar ein paar Schalen Pfifferlinge und einige Rosensträuße.

Mit Spaß bei der Arbeit

Das Obst und Gemüse stammt von umliegenden Supermärkten. Einen Teil davon hat Fiedler am Morgen selbst mit dem Auto abgeholt. Bananen, Brot und weitere Lebensmittel haben die Fahrer der Altdorfer Tafel vor wenigen Minuten mit dem Lieferwagen gebracht. Jetzt sind die freiwilligen Helferinnen damit beschäftigt, die Waren zu sortieren und in Regalen zu verstauen.

Die Leiterinnen der Tafel, Sabine Fiedler und Roswitha Wild, scheinen an allen Stationen gleichzeitig zu sein: Boutique, Wurst und Fleischwaren, Joghurt und Milchprodukte, Trockenwaren Gemüse und Obst. Sie packen mit an, scherzen mit ihren Kolleginnen, verbreiten gute Stimmung.

Seit 11.30 Uhr sind sie und ihre Kolleginnen schon beschäftigt. 15 Uhr kommen die ersten Abholer. In Altdorf sind es alleinerziehende Mütter mit Kindern, einige Rentner und eine Großfamilie, die das Angebot der Tafel in Anspruch nehmen.

Bunte Vielfalt an der Obst- und Gemüsestation: Die beiden Verantwortlichen sortieren grüne Paprika und Champignons ins Regal. Foto: Magdalena Mock2019/08/Altdorf-Tafel-20-Jahre-1.jpg

Millionen in Einkommensarmut

In Deutschland leben Millionen Menschen in Einkommensarmut oder sind unmittelbar von ihr bedroht. Wenn das Geld knapp wird, sparen sie oft bei der täglichen Ernährung.

Gleichzeitig fallen täglich bei Lebensmittelproduzenten, Rewe, Aldi und Co, an Tankstellen, auf dem Bauernmarkt und bei Veranstaltungen große Mengen von Lebensmitteln an, die – obwohl qualitativ einwandfrei – nicht mehr verkauft werden können.

Tafeln schaffen Ausgleich

Tafeln wie die in Altdorf schaffen einen Ausgleich zwischen Überfluss und Mangel: Seit nun 20 Jahren bereiten die Freiwilligen in der Collegiengasse 6a jeden Dienstag und Samstag Lebensmittelausgaben vor. Sie sammeln diese überschüssigen Lebensmittel im Handel und bei Herstellern ein und verteilen sie an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen, kostenlos oder gegen eine symbolische Münze.

Am Samstag kochen die Helferinnen zusätzlich Kaffee und richten mit Selbstgebackenem ein Kuchenbüfett an. Verteilt werden bei den Tafeln ausschließlich gespendete Lebensmittel. Miete, Transport- und Verwaltungskosten deckt die Tafel über Spender und Sponsoren.

“ Uuund hopp“: Mit vereinten Kräften heben zwei Tafelmitarbeiterinnen eine Kiste mit Sahne, Schokopudding und anderen Milchprodukten vom Wagen. Foto: Magdalena Mock2019/08/Altdorf-Tafel-20-Jahre-3.jpg

Zeit zum Reden

Fiedler und ihren Kolleginnen ist sehr daran gelegen, Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. „Ganz wichtig ist, dass wir unsere Kunden nicht von oben herab behandeln“, erklärt die Leiterin. „Und dass wir auch mal Zeit haben, etwas zu besprechen oder einfach nur zuzuhören.“

Um das hinzubekommen, brauchen Fiedler und Wild Personal. Wie so viele Vereine, sucht auch die Tafel nach Nachwuchs, besonders für den Vorstand. 34 aktive Freiwillige helfen derzeit in Altdorf bei der Lebensmittelausgabe aus, stricken im Winter Socken, machen Marmelade und Kuchen. Manche sind jede Woche im Einsatz, manche nur einmal im Monat. Jeder wie er kann. Besonders zur Ferienzeit kann es jedoch zu Engpässen kommen.

„Manche unserer Helfer sind außerdem an die 80“, sagt Fiedler. „Ein paar mehr jüngere Leute, die auch länger dabei bleiben wollen, wären eine große Hilfe.“

20-Jahrfeier vor der Laurentiuskirche

Gerade hat die quirlige Altdorferin mit dem roten Kurzhaarschnitt noch mehr zu tun als sonst: Die Jubiläumsfeier der Tafel steht kurz bevor. Am Sonntag, 25. August, werden sie und ihre Kolleginnen von 10.30 Uhr bis 16 Uhr ihre Arbeit auf dem Platz vor der Laurentiuskirche präsentieren. Bis dahin haben sie noch ihr Programm vorzubereiten: Auf die Gäste warten Flohmarkt, Glücksrad und viele weitere Attraktionen. Und natürlich das obligatorische Kuchenbüfett.

INFO

Wer sich für die Arbeit der Altdorfer Tafel interessiert und sich gern selbst ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich in deren Büro unter 09128/724990 melden.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray