Von Stöckelsberg nach Polen und zurück

Fünf Tage im Segelflugzeug

Mehr ging einfach nicht rein in die LS4. Wenn man einen Wandersegelflug plant, muss man sehr sparsam sein mit dem Proviant: Erich Schleifer von den Segelfliegern im Postsportverein nach seiner Landung am Heimatflugplatz in Stöckelsberg bei Altdorf-Hagenhausen. | Foto: Rosi Blasen2017/06/erishsstreflug06-17.jpg

HAGENHAUSEN – Einen etwas längeren Streckensegelflug unternahm Erich Schleifer. Der Segelflieger packte kurzerhand ein bisschen Proviant, bestehend aus Pfefferbeißern, Schokoriegeln, einem Laib Brot, einer Zahnbürste und fünf Unterhosen in sein Flugzeug. Und, am wichtigsten , „frisches Wassser, ausreichend für zwei Tage“, wie er versicherte. Dann ging es los, Kurs Richtung Osten. Denn dort standen die Wolken am besten.

Erste Etappe, so Schleifer, war das rund 327 km entfernte Mnichova Hradiste in Tschechien. Dass es sich dabei um einen Verkehrslandeplatz handelte, stellte den kühnen „Wessi“ vor die erste Herausforderung. Denn es gab dort weder Winde noch Schleppflugzeug, um vom Platz wegzukommen. „Und auch der englischen Sprache waren die Flieger dort nicht kundig“, witzelte Schleifer. Doch Hilfsbereitschaft wird unter Piloten groß geschrieben und man besorgte flugs eine Schleppmaschine von einem benachbarten Verein, die den „gestrandeten Streckenflugpiloten“ wieder zu den Wolken hochschleppte.

Die Thermik war (noch) bestens, und Schleifer flog in euphorischer Stimmung weiter über Stettin, diesmal Richtung Ostsee. „Doch dort war es dann auch schon vorbei mit der Thermik. Jetzt galt es, eine rasche Entscheidung zu treffen. „Aufgrund der tiefen Wolkenbasis entschloss ich mich dann, wieder nach Osten zu fliegen“, so Schleifer. Nach weiteren 350 km Tagesstrecke landete Schleifer schließlich in Zielona Gora in Polen. Der Flugplatz beeindruckte ihn, wie er erzählte, denn, „so einen gepflegten Platz habe ich in ganz Deutschland noch nie gesehen“, meinte er. „Alles war wie geleckt, und der Rasen so kurz, als wäre er mit der Nagelschere geschnitten“.

Am nächsten Tag wollte Schleifer eigentlich über die Wasserkuppe in der Rhön gen Heimat düsen, doch es herrschte Blauthermik. Für Segelflieger nicht optimal. Deshalb habe er sich für Plan B entschieden und sei dann in sechs Stunden 350 km nach Pirna-Pratzschwitz bei Dresden geflogen. Während dieses Fluges gab es auch bange Minuten erzählt er, denn „bei Görlitz musste ich ein wenig Bodenakrobatik machen. Ich war schon fast auf 240 m (über Grund) als ich endlich wieder einen Bart erwischte, der mich wieder hoch brachte“, grinst er im Nachhinein.

Danach hatte er zwei Tage fliegerische Pause. Wetterbedingt. Damit muss man immer rechnen. Doch am nächsten Morgen bauschten sich die ersehnten Thermikwölkchen am Himmel und Schleifer machte sich auf den Heimflug nach Stöckelsberg, wo er nach weiteren 373 Kilometern und sechseinhalb Stunden Flugzeit wohlbehalten landete.

Sohnemann Max fiel dann auch ein „mittlerer Stein“ vom Herzen, als des Vaters Stimme im Funk ertönte, hätte er doch im Falle eines Scheiterns seinen Papa buchstäblich „vom Acker holen“ müssen.

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