Keine Einschränkungen für Silvesterfeuerwerk

Feuer frei!

Im südlichen Nürnberger Land darf an Silvester weiterhin fröhlich drauf los geballert werden | Foto: Fotolia2018/12/NL-Feuerwerk-Boeller-Fotolia.jpg

ALTDORF/FEUCHT – Stundenlanges Getöse, extreme Feinstaubkonzentration, Müll auf den Straßen: Das jährliche Silvester-Spektakel hat nicht nur eine glitzernde, sondern auch eine dunkle Seite. Und nicht jeder erfreut sich an den Feuerfontänen und Knallern. Eine Einschränkung oder gar ein Verbot von freiem Feuerwerk wird es in den Gemeinden des südlichen Nürnberger Landes in absehbarer Zeit aber wohl nicht geben – auch wenn es manchem ein großes Anliegen ist.

Es funkelt, glitzert und glänzt, knallt, raucht und stinkt. Beim Silvesterfeuerwerk scheiden sich die Geister: Für die einen ist es die lebensfrohe Tradition, das neue Jahr mit Pomp und Krawall zu begrüßen, für die anderen sinnlose Ballerei, die ein Loch in den Geldbeutel reißt, die Umwelt verpestet, Tiere ängstigt und Mitmenschen belästigt.

Der Feuchter CSU-Gemeinderat Wolfgang Mittwoch gehört zu letzterer Fraktion. Er findet nicht nur den Lärm bis 6 Uhr früh vor seinem Haus in der Zeidlersiedlung ärgerlich. Auch die hohe Verletzungsgefahr für alle Beteiligten beschäftigt ihn. Jedes Jahr landen Menschen mit Verletzungen in der Notaufnahme – mit Verbrennungen oder Augenverletzungen bis hin zu dauerhaften Hörschäden. Vergangenes Jahr sind zwei junge Männer aus Brandenburg von Feuerwerkskörpern getötet worden.

In der Silvesternacht steigt außerdem auch die Belastung mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig an. Laut Umweltbundesamt ist die Konzentration am ersten Tag des neuen Jahres vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Wie schnell die Feinstaubbelastung nach dem Silvesterfeuerwerk abklingt, hängt vor allem von den Wetterverhältnissen ab. „Eine zusätzliche Gefährdung, über die in diesem Zusammenhang selten gesprochen wird, ist die Tatsache, dass die Salze der chemischen Stoffe oder Stoffverbindungen, die sich in den Raketen befinden, häufig giftig sind und sich in den Böden anreichern“, erklärt der ausgebildete Apotheker Mittwoch.

„Aufklären und einschränken“

Sollte man also Feuerwerke grundsätzlich verbieten? „Ich denke, man sollte hier mehr als bisher aufklären und versuchen, diese Liebhaberei mancher Zeitgenossen einzuschränken“, sagt Mittwoch. Das buchstäblich in die Luft gejagte Geld sei besser anderswo investiert oder für karitative Zwecke gespendet.

Herbert Sauerer vom Tierheim Feucht teilt diese Ansicht. „Silvester ist die schlimmste Nacht für Tiere“, sagt er. Das krachende Knallen und schrille Pfeifen des Feuerwerks verängstigt sie. „Sie hören viel besser als Menschen und wissen ja nicht, was passiert“, erläutert Sauerer. Seit Jahren verbringen er oder jemand von seinem Team den Silvesterabend im Tierheim, um dort nach dem Rechten zu sehen und im Notfall eingreifen zu können. Auslöser waren Unbekannte, die vor gut zehn Jahren Kracher ins Katzenhaus geworfen hatten. Unabhängig solcher Ausnahmefälle geraten Hunde manchmal in Panik und es kommt zu Beißereien. Und natürlich werden auch Wildtiere durch das Feuerwerk gestört und aus ihrer Ruhe gerissen.

„Verordnung wäre übertrieben“

Ein komplettes Feuerwerks-Verbot halten Mittwoch und Sauerer für wünschenswert, wenn auch für utopisch. Tatsächlich ist eine Einschränkung erst mal nicht in Sicht. Einen angeblichen Antrag der Feuchter Grünen verneint Fraktionsvorsitzende Rita Bogner. „Wir verfolgen das Thema auch, gerade wegen der Luft- und Umweltverschmutzung“, sagt sie. Einen Antrag auf ein Verbot sei jedoch nicht geplant. „Ich appelliere lieber an die Vernunft der Menschen“, erklärt Bogner.

Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht (CSU) schließt sich dem an. Er sieht die Probleme, die das freies Feuerwerk verursachen, sagt aber ähnlich wie Bogner: „Das muss letzten Endes jeder selber wissen und hoffentlich verantwortungsvoll handeln. Eine Verordnung wäre übertrieben.“ Einige Regeln gibt es natürlich dennoch: Die Marktgemeinde erinnert auf ihrer Website zum Beispiel daran, das Abbrennen von Feuerwerk in Landschaftsschutzgebieten oder in weniger als 100 Meter Abstand zu Waldflächen nach Bayerischem Naturschutz- und Waldgesetz nicht zulässig ist. Rund um Krankenhäuser, Kinder- und Altersheime sind Böller und Raketen ebenfalls tabu.

Ruhige Nächte für die Polizei

Über die bestehende bundesweite Gesetzeslage hinaus zu gehen und Feuerwerk aus der Innenstadt zu verbannen, ist auch in Altdorf kein Thema. Es darf nach eigenem Gusto gefeiert und gefeuert werden. Das bestätigt Bernd Bayerlein vom Altdorfer Ordnungsamt. Altdorfs stellvertretender Bürgermeister Ernst Bergmann (SPD) steht dem Ganzen zwiegespalten gegenüber. Besonders aus umweltpolitischer Sicht sei zumindest exzessives Böllern durchaus problematisch, sagt er, andererseits müsse man ja nicht jeden Spaß gleich konsequent verbieten.

Aus polizeilicher Sicht besteht jedenfalls kein Grund dazu. Polizeichef Reimund Mihatsch beschreibt die vergangenen Jahre als „unproblematisch und ausgesprochen ruhig“. Bei dem Brand der Feuchter Lagerhalle in der Gsteinacher Straße vergangenes Silvester handle es sich um eine große Ausnahme. Der Verursacher hatte ein Batteriefeuerwerk unsachgemäß gezündet. Ansonsten seien nicht einmal Beschwerden wegen Ruhestörung eingegangen. „Ich sehe daher wirklich keinerlei Veranlassung, hier reglementierend einzugreifen“, schätzt Mihatsch die Lage ein.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray