Deutschklassen für Flüchtlingskinder

Erste Schritte zur Integration

Locker und auch lustig geht es zu, wenn Natalie Vogel (links) und Shero (3.v.r.) mit ihren Schützlingen lernen und spielen. | Foto: Gisa Spandler2016/03/altdorf-faks-unterricht-2.jpg

ALTDORF – „Erste Schritte Deutsch“ heißt ein Angebot der „Jungen VHS“, mit dessen Hilfe Kinder und jugendliche Asylsuchende, die in der Notunterkunft der ehemaligen Fachakademie untergebracht sind, Deutsch lernen und sinnvoll beschäftigt werden sollen. Unterstützt werden diese Kurse, die noch eine Woche laufen, vom Rotary Club Nürnberger Land, dem CRM-Beratungshaus curexus Nürnberg und dem Bildungsfonds des Landkreises Nürnberger Land.

Noch eine Woche werden die Kinder aus Syrien, dem Irak und Iran oder Aserbaidschan die schwere deutsche Sprache büffeln, basteln, singen und malen, dann ist der Crash-Kurs zu Ende. Gestresst wirken aber weder die insgesamt etwa 20 Kinder der beiden Altersgruppen von sechs bis neun bzw. von zehn bis 15 Jahren noch VHS-Lehrkraft Natalie Vogel oder ihre beiden Assistenten Shero (21) und Robin (17). Die beiden jungen Männer sind selber Asylsuchende, leben in Oberferrieden und fungieren ehrenamtlich als Dolmetscher und Vermittler.

Die Stimmung im alten Feuerwehrhaus ist gut, die jungen Schüler sind motiviert, spitzen die Ohren, wiederholen komplizierte Wörter mehrmals, bevor die Lehrerin sie ihre Arbeitsblätter wieder in die Mappe legen lässt. „Kleidung“ lautet das Thema an diesem Unterrichtstag, und nachdem die Hausaufgaben kontrolliert wurden, sind die Kleinen eifrig dabei, die Kleidungsstücke der Lehrerin zu benennen. Natürlich wird konsequent Deutsch gesprochen, denn es gibt ja keine gemeinsame Verkehrssprache, in der unterrichtet werden kann. Und das ist auch gut so, finden VHS-Geschäftsführerin Ulrike Scheske, Kurt Morchner vom Vorstand des Rotary Clubs und Susan Pache, geschäftsführende Gesellschafterin von Curexus und ebenfalls Rotarierin, denn schließlich geht es ihnen allen um Integration, und die ist nur mit Kenntnis der deutschen Sprache möglich.

Die Gruppe der Jüngeren mit den Kooperationspartnern im Hintergrund (v.r.): Kurt Morchner, Susan Pache, Ulrike Scheske, Shero, Natalie Vogel und Robin.
Die Gruppe der Jüngeren mit den Kooperationspartnern im Hintergrund (v.r.): Kurt Morchner, Susan Pache, Ulrike Scheske, Shero, Natalie Vogel und Robin. | Foto: Gisa Spandler2016/03/altdorf-faks-unterricht1.jpg

 

Also haben sie, nachdem sich die Kooperation von VHS und Rotariern in diesem Bereich schon gut bewährt hat, dieses neue Format entwickelt, für das die VHS das Know-How und der Wohltätigkeitsverein das Geld zur Verfügung stellen.

Fortsetzung möglich

An vier Tagen die Woche, jeweils 60 Minuten, kommen die Kinder und Jugendlichen, die durch ihren Status noch von einem Schulbesuch ausgeschlossen sind, zum Teil in Begleitung ihrer Eltern in den Feuerweg und machen schon sehr bald Fortschritte in der fremden Sprache. Nach Beendigung dieses Kurses sind weitere nicht ausgeschlossen, deutet Morchner an. Auch Ulrike Scheske zeigt sich hier aufgeschlossen, weist aber auf gewisse Schwierigkeiten hin. „Die Fluktuation bei den Teilnehmern ist naturgemäß groß“, weiß sie. Immer wieder kommen Neuankömmlinge hinzu, andere verlassen die Unterkunft, oder sie haben Termine und können nicht regelmäßig teilnehmen. Auch das sprachliche Ausgangsniveau ist recht unterschiedlich. Manche Kinder waren auf Grund einer langen Fluchtgeschichte noch nie in einer Schule, andere tun sich mit der Alphabetisierung schwer, wieder andere lernen die deutschen Wörter, schreiben sie aber gewohnheitsgemäß von rechts nach links. „Das wird immer ein offenes Angebot bleiben“, stellt Scheske fest, in einer kleinen Gruppe funktioniert aber auch das. Für die Kinder bedeutet der Unterricht, gerade wenn sie länger bleiben und manches sich wiederholt, ein Stück Normalität, er gibt ihrem oft verstörenden Alltag Struktur. Außerdem lernen sie nicht nur die Sprache, sondern auch Eckpfeiler der deutschen Kultur wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Rücksicht.

2400 Euro kosten die beiden Maßnahmen. Einen großen Teil zur Finanzierung beigetragen hat die Entscheidung der Firmenleitung von Curexus, statt Kundengeschenken an Weihnachten zu verteilen, diese gute Sache zu unterstützen. Diesem Beispiel folgten auch die Mitarbeiter des Unternehmens und zückten ebenfalls die Geldbörsen, um den Betrag noch aufzustocken.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler