Gefahr im Schulbus

Eltern kritisieren Unternehmen

Bei den Fahrten behinderter Kinder zum Wichernhaus in Altdorf soll das seit Beginn des neuen Schuljahrs beauftragte Unternehmen nicht immer seiner Aufsichtspflicht nachgekommen sein. Eltern haben sich mehrfach bei der Schulleitung beschwert. | Foto: Adobe Stock2019/10/Altdorf-Frederike1.jpg

ALTDORF – Sie klagen über mangelnde Aufsicht bei der Beförderung zum und vom 
Wichernhaus in Altdorf. Die Rummelsberger Diakonie hat die Regierung von Mittelfranken informiert.

Seit dem Wechsel der Busunternehmen für Schülerfahrten am Wichernhaus in Altdorf zum neuen Schuljahr gibt es Beschwerden. Eltern klagen darüber, dass Kinder nicht ordentlich betreut werden und in den Bussen der in einem Nachbarlandkreis ansässigen Firma Begleitpersonal fehlt. Schule und Schulträger haben sich bereits an die neu beauftragte Firma gewandt und die Elternbeschwerden zur Sprache gebracht. Zwischenzeitlich ist auch die Regierung von Mittelfranken eingeschaltet.

Kinder unbeaufsichtigt gelassen?

Die Vorwürfe wiegen schwer. So sollen Begleitpersonen Kinder unbeaufsichtigt gelassen haben, die unter epileptischen Anfällen leiden. Fahrer und Begleiter in den Bussen sollen darüber hinaus nicht gewusst haben, wo sich Notfallmedikamente befinden. Außerdem klagen Eltern über Verspätungen von Bussen und darüber, dass Kinder in der Schule schon einmal vom Busunternehmen „vergessen“ wurden.

Frederike ist elf Jahre alt und leidet unter dem Rett-Syndrom, einer seltenen Krankheit, die zu epileptischen Anfällen führt. Ohne Begleitung und Aufsicht kann Frederike in Lebensgefahr geraten. Sie kann stürzen, sich den Kopf anschlagen und sich dabei schwer verletzen. Frederikes Mutter Karin Gotha drängt darauf, dass das Busunternehmen unbedingt regelmäßig Begleitpersonal stellt, das ihre Tochter beaufsichtigt.

Genau diese Aufsicht habe die Firma aber mehrfach versäumt, beklagt sie und verweist dabei auf das Busunternehmen, das im vergangenen Schuljahr mit der Schülerbeförderung beauftragt war und bei dem es nie Grund zur Kritik gegeben habe: „Wir waren hochzufrieden mit Fahrer und Begleitperson.“ Wobei Frederikes Mutter betont, dass sie den Mitarbeitern der jetzigen Firma keine direkten Vorwürfe machen will. Die seien nur indirekt verantwortlich, vielmehr seien die Missstände wohl Folgen einer mangelhaften Organisation.

Beschwerden mehrerer Eltern

Und noch ein Punkt ist Karin Gotha wichtig: Frederike sei kein Einzelfall, betont sie. Es gebe eine ganze Reihe anderer Eltern, die ähnliche Probleme schilderten und sich ebenfalls mit ihren Beschwerden an die Schule gewandt hätten.

Das Busunternehmen hat zwar mit Beginn des neuen Schuljahrs den Schülertransport der Wichernhaus-Kinder übernommen, ist aber nicht neu im Geschäft. Bis vor vier Jahren, als ein anderer Dienstleister den Zuschlag erhielt, hat die Firma schon Kinder aus der Altdorfer Einrichtung gefahren. Täglich bringt das Unternehmen Wichernhaus-Schüler aus der ganzen Region nach Altdorf und fährt die Kinder wieder nach Hause. Viele Mitarbeiter sind schon seit Jahren im Betrieb.

„Wird nicht wieder vorkommen“

Der für Presseauskünfte zuständige Sprecher der Firma räumt den Vorwurf ein, dass Frederike ohne Aufsicht im Bus gelassen wurde, beteuert aber, dass es sich zum einen um einen Einzelfall gehandelt habe, zum anderen sei das Kind nur ganz kurze Zeit allein gewesen. Vielleicht fünf Minuten, hätten ihm die Mitarbeiter später geschildert. „Trotzdem. Das darf nicht passieren und wird auch nicht wieder vorkommen“, verspricht er auf Nachfrage des Boten.

Dass die Fahrer und die Begleitpersonen in den Bussen manchmal nicht wissen, wo sich Notfallmedikamente befinden, die den Kindern bei einem epileptischen Anfall verabreicht werden müssen, streitet der Firmensprecher ab. Ebenso wie den Vorwurf, dass es manchmal kein Begleitpersonal in den Bussen gebe. „Wir fahren mit dem Personal, das der jeweilige Auftrag erfordert“, betont er. Und es gebe eben Fahrten, für die keine Begleiter nötig seien.

Verspätungen könne man seinem Unternehmen nicht anlasten. Das sei bei den heutigen Verkehrsverhältnissen ganz normal. Immerhin müssten die Fahrer von Altdorf aus unter anderem bis in die Gegend von Ansbach fahren. Wenn es dann wegen Staus oder anderer Umstände später wird, dann würden seine Kollegen sich telefonisch bei den Eltern melden.

„Druck ausüben, bis alle Mängel beseitigt sind“

Alles in Ordnung also? Das sieht man im Wichernhaus und bei der Rummelsberger Diakonie nicht ganz so. „Es ist richtig, dass der Fahrdienst noch nicht zur Zufriedenheit aller Beteiligten erledigt wird.“ So die diplomatische Auskunft des Rummelsberger Pressesprechers Georg Borngässer. „Das bedauern wir sehr und stehen in engem Kontakt mit den Eltern der betroffenen Schüler.“

Alle Beschwerden gebe die Schule an das Busunternehmen weiter – mit Nachdruck, wie Borngässer betont. Die Regierung von Mittelfranken als Aufsichtsbehörde habe man ebenfalls informiert. „Die Schule wird nicht nachlassen, Druck auf den Beförderer auszuüben, bis alle Mängel beseitigt sind“, versichert der Sprecher der Rummelsberger Diakonie. Bei alledem sehe man aber die Bemühungen des Unternehmens, die gestellten Anforderungen zu erfüllen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten