Altdorferin hat Hartz IV-Ansprüche verloren

Eine Immobilien-Erbschaft mit Tücken

Karin Meiler am Gartentor der geerbten Doppelhaushälfte, im Hintergrund der Gebäudeteil, in dem bis 1972 die Gaststätte Schwalbenhof untergebracht war, im Garten davor gab es damals den Schwalbenhof-Biergarten. | Foto: Blinten2018/04/Meiler.jpg

ALTDORF – „Ich weiß einfach nicht mehr weiter“, sagt Karin Meiler. Sie muss von der Hand in den Mund leben, seitdem das Jobcenter ihr keine Leistungen mehr gewährt. Begründet wird das mit einer Erbschaft, die die Altdorferin gemacht hat. Als ihre Mutter im vergangenen Jahr verstarb, erbte sie zusammen mit ihren drei Schwestern deren Haus in der Gaußstraße. Allerdings ist die Immobilie bis heute nicht verkauft.

54 Jahre ist die Altdorferin alt, 35 Jahre lang hat die gelernte Metzgereiverkäuferin immer gearbeitet, 2014 hörte sie auf und kümmerte sich um die Pflege ihrer Mutter.

Dazu bezog sie eine Wohnung im mütterlichen Haus in der Gaußstraße und erhielt dann ein Jahr lang Arbeitslosengeld 1, anschließend das Arbeitslosengeld 2. Vom Jobcenter bekam sie zunächst 535 Euro bewilligt, einige Monate später waren es noch 511 Euro und noch einmal Wochen später noch 411 Euro mit der Begründung, die Heizkosten würden nicht mehr erstattet, sie müssten am Jahresende beantragt werden.

Karin Meilers Mann leidet an Zungenkrebs und ist berufsunfähig. Er bezieht eine kleine Rente in Höhe von 675 Euro.

Meldung beim Jobcenter

Als die Mutter der 54-Jährigen im September vergangenen Jahres verstarb, meldete Meiler das dem Jobcenter. Eine neue Stelle zu finden, war nicht einfach, zumal sie inzwischen durch eine Lungenkrankheit gesundheitlich eingeschränkt ist.

Gemeinsam mit ihren drei Schwestern hat Karin Meiler nun beschlossen, das Haus in der Gaußstraße zu verkaufen. Ihre Mutter war Tochter der Familie Gömmel, die in der Gaußstraße bis 1972 den Gasthof Schwalbenhof betrieb. In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die jetzt zum Verkauf stehende Doppelhaushälfte, in der Karin Meiler derzeit noch wohnt, an das Gaststättenhaus angebaut.

Um die Haushälfte verkaufen zu können, mussten sich Meiler und ihr Mann eine neue Wohnung in Altdorf suchen und fanden eine aus ihrer Sicht relativ günstige in der Bahnhofstraße: rund 50 Quadratmeter für 540 Euro warm.

Geht nicht, erfährt sie jetzt vom Jobcenter, weil die festgelegte Miet-obergrenze in Höhe von 473 Euro überschritten ist. Und es gab gleich noch weitere Hiobsbotschaften: Ihre Bitte um Übernahme der Kaution für die neue Wohnung in Höhe von 730 Euro und ein Darlehen für neue Möbel lehnt das Jobcenter ab – obwohl Meiler anbot, sowohl die Auslagen für die Kaution wie für die Möbel zurückzuzahlen, sobald der Erlös vom Verkauf der Haushälfte in der Gaußstraße auf ihrem Konto eingegangen sei. Als Erbin stünden ihr keine Sozialleistungen mehr zu, teilte man ihr mit.

Geld bei Schwestern geliehen

Das Geld für Kaution und Möbel hat sich Karin Meiler jetzt von ihren Schwestern geliehen, weitere 1000 Euro bei einer guten Freundin aus der Nachbarschaft, damit sie die Miete für die neue Wohnung zahlen kann und Geld zum Lebensunterhalt übrig hat. „Ich bin schon total verzweifelt, dass ich das ganze jetzt meinem Anwalt übergeben habe“, sagt sie.

Der Altdorfer Rechtsanwalt Jörg Zitzmann hat sich zwischenzeitlich schriftlich in der Angelegenheit an das Jobcenter gewandt und darauf hingewiesen, dass der Verkauf der Immobilie Gaußstraße 9 zwar geplant, aber noch nicht vollzogen ist und seine Mandantin deshalb bisher kein Geld aus einer Veräußerung erhielt. Er bezeichnet die Einstellung der Zahlungen an Meiler als rechtswidrig.

Zitzmann kritisiert auch, dass das Jobcenter die neue Wohnung der Meilers ablehnt. „Die Behörde hätte zumindest die Anmietung der Wohnung in der Bahnhofstraße genehmigen müssen und hätte darauf hinweisen können, dass derzeit lediglich ein Betrag bis zur Mietobergrenze als Unterkunftskosten angesetzt werden darf“, stellt Zitzmann fest. Eine Obergrenze von 473 Euro ist aus Sicht des Altdorfer Rechtsanwalts ohnehin unrealistisch.

Wie es jetzt weitergehen soll, weiß Karin Meiler nicht genau. Sie ist jedenfalls froh, sich auf die Unterstützung von Verwandten und Freunden verlassen zu können. Und sie hofft, mit Hilfe ihres Anwalts das Jobcenter doch noch zur Zahlung von Leistungen bewegen zu können – zumindest für die Übergangszeit, bis das Haus Gaußstraße 9 verkauft ist.

Verlassen will sie sich nicht darauf und hat deshalb einen 400-Euro-Job als Regal-Einräumerin im Supermarkt angenommen. 

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