Bürgerversammlung in Winkelhaid

Eine Gemeinde unter Strom

Die alternative Stromtrasse würde um Winkelhaid herumführen. Grafik: Gemeinde2014/02/winkelhaidalternativestromtrasse_New_1391782201.jpg

WINKELHAID — Die Bürgerversammlung für Penzenhofen und Winkelhaid bot einen ausführlichen Rückblick ins vergangene Jahr. Aber auch hitzige Diskussionen. Die bevorstehende Kommunalwahl blieb dabei nicht ganz außen vor.

Viele Bürger sind ins Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ gekommen. Doch bevor die Winkelhaider und Penzenhofener ihre Kritik und Anregungen loswerden können, gibt es einen etwa zweistündigen Jahresrückblick von Bürgermeister Michael Schmidt. Einige Bürger gehen bereits vor Ende des Vortrags. Mittels 101 Folien geht Schmidt nicht nur auf die Höhepunkte des vergangenen Jahres in der Gemeinde ein.

Gleich zu Beginn kritisiert er das Flugblatt der Freien Wähler, das die Partei seit kurzem in Winkelhaid verteilt. Er wirft den Freien Wählern vor, die Bürger mit geschönten Zahlen beeinflussen zu wollen. Denn eine Grafik in dem Flugblatt zeigt, dass die Verschuldung der Gemeinde seit Schmidt den Chefposten innehat, angestiegen ist.

Die Zahlen sind folgendermaßen zu erklären: Im Jahr 2007 bestand noch eine größere Summe Verbindlichkeiten für die Erschließung des Gewerbegebietes. Dieser Kredit wurde außerhalb des Haushalts finanziert und taucht deshalb dort gar nicht auf. 2012 wurde die noch nicht getilgte Restsumme abgelöst und in den Haushalt übernommen. Die Grafik der Freien Wähler zeigt die Schulden 2007 exklusive dieses Kredites, ab 2013 inklusive.

Alles Wahlpropaganda?

Als Schmidt zu seiner offensiven Kritik ansetzt – Vertreter aller Parteien im Gemeinderat sind vor Ort – fällt ihm Ulrich Kretschmer, Vorsitzender der FWG, ins Wort: „Wir machen hier aber keinen Wahlkampf.“ „Ich habe das Recht, als Bürgermeister dazu Stellung zu nehmen“, erwidert Schmidt sichtlich angespannt. „Wahlpropaganda“ raunt ein Bürger, der in Kretschmers Nähe sitzt. „Für die Leute war es gut, dass Schmidt das richtiggestellt hat“, ist die Meinung einer Winkelhaiderin an einem der vielen besetzten Tische im Saal.

Viele Themen spricht Schmidt an diesem Abend noch an: Es geht um die Schlüsselzuweisungen, die auf demselben Niveau bleiben oder um den Schulhausanbau. Alle acht Winkelhaider Schulklassen sind nun in der Schule in Penzenhofen untergebracht. Gerüchte, was mit dem alten Schulhausbau passiert, gab es viele: Mal hieß es, ein Krankenhaus kommt, mal ein Asylbewerberheim. Fest steht allerdings, dass auf dem Gelände des Winkelhaider Schulhauses barrierefreie Wohnungen entstehen. Ob das alte Gebäude abgerissen oder umgebaut wird, liegt in der Hand des zukünftigen Käufers.

1600 Einwohner betroffen

Ein brisantes Thema ist in der Gemeinde nach wie vor die geplante Stromleitung, die teilweise von Raitersaich nach Ludersheim führen und dabei direkt über Winkelhaid verlaufen würde. Die Leitung würde etwa 1600 Einwohner, die Kindertagesstätte und Schule betreffen. „Die Bevölkerung geht ausschließlich auf die Firmen Tennet und Amprion los. Sie transportieren den Strom nur. Die Rahmenbedingungen legt die Politik fest“, nahm der Bürgermeister die Netzbetreiber in Schutz. Die Gemeinde hat eine alternative Trassenführung nördlich und westlich von Winkelhaid vorgeschlagen.

„Wir werden alles dafür tun, die Leitung durch den Ort zu verhindern“, so Schmidt. In der Pause zwischen Vortrag und Diskussion wird gerätselt, ob es eine große Diskussion geben wird. „Die Leute sind nach dem Vortrag zu müde“, sagt ein Bürger, der selbst bis zum Ende bleibt. Etwa eine Stunde dauert die Diskussion dann doch. Es geht um den Wunsch der Bürger nach einem öffentlichen WC, den Schmidt mit dem Hinweis auf Vandalismus in anderen Städten und Gemeinden abschmettert. „Die Leute können immer ins Rathaus kommen“, so Schmidt.

Dann spricht ein wütender Bürger die Ungleichheit zwischen Mittelschülern, die mit der S-Bahn nach Altdorf fahren müssen, und Gymnasiasten, die der Schulbus dorthin bringt, an. Für Gymnasium und Realschule ist der Landkreis als Kostenträger zuständig, für die Mittelschule der Schulverband. Deshalb diese verschiedenen Regelungen. Denn jede Insitution legt selbst fest, wie die Schüler befördert werden. Die Behörden müssten eigentlich nur die Kosten für die Bahntickets übernehmen.

Zum Ende des Abends geht es noch einmal heiß her. Eine Bürgerin wünscht sich Lampen am Dorfplatz in Penzenhofen. „Die Penzenhofener fühlen sich von der Gemeinde im Stich gelassen“, klagt sie an. Der Ton wird auf beiden Seiten lauter und rauher. „Ich finde die Diskussion sehr gut, sie ist lebhaft“, kommentiert das ein Bürger und entschärft die Stimmung dadurch ein wenig.

N-Land Luisa Degenhardt
Luisa Degenhardt