Olympiasieger Wolfermann in Altdorf

„Ein komplett anderes Leben“

Klaus Wolfermann bei seinem Vortrag in Altdorf. | Foto: Gisa Spandler2019/11/Altdorf-Wolfermann-1.jpg

ALTDORF – Der gebürtige Altdorfer Klaus Wolfermann spricht bei der Bürgerehrung über seinen Olympiasieg 1972.

Eine lange Serie von Auszeichnungen stand auch in diesem Jahr im Zentrum der Bürgerehrungen der Stadt. Vor allem Sportler waren in erster Linie im Mittelpunkt, aber auch andere Persönlichkeiten, die durch ihre herausragenden Leistungen von Bürgermeister Erich Odörfer in der Zweifach-Turnhalle geehrt wurden. Speerwerfer und Olympiasieger Klaus Wolfermann, gebürtiger Altdorfer, läutete mit einem persönlichen und emotional vorgetragenen Referat die Veranstaltung ein.

Hier bezog er sich natürlich auf den Olympiasieger Klaus Wolfermann, der in seinem Vortrag auf seine Jugend in Altdorf, aber auch die Weltkarriere, die er als Speerwerfer hinlegte, einging. Er beschrieb seinen Lebensweg als Sportler, der vom Vater als kleines Kind sonntagsmorgens zu den Sportlern mitgenommen wurde, danach bei den Handballern ankam und schließlich im Siemens-Sportverein bei seinem Arbeitgeber erfuhr, wie wichtig Einsatzbereitschaft und Konzentration sind.

Klaus Wolfermann : Fünf- und Zehnkampf

Die heute üblichen hervorragenden Trainingsbedingungen gab es damals noch nicht, und so probierte der junge Klaus verschiedene Sportarten aus, bis er schließlich doch über den Fünf- und Zehnkampf beim Speerwurf landete.
1968 gab es erste berechtigte Hoffnungen auf eine Deutsche Meisterschaft, was ihm die Garantie einbrachte, bei Olympia in München dabei sein zu dürfen. Dass er dort noch als 13. im Training ausschied, verstand er als Lernphase, doch weckte das seinen Ehrgeiz, vier Jahre später als „Greenhorn“ in München dabei zu sein.

Eine Bronzemedaille hätte er sich damals ausgemalt, bekannte der Spitzensportler, dessen wichtigstes Ziel immer war, verletzungsfrei zu bleiben für die Wettkämpfe.
Einen großen Vorteil sah er auch in der Möglichkeit, bis drei Tage vor den Wettkämpfen zu Hause trainieren und wohnen zu dürfen. Aber das Einmarschieren dann, für seine Mannschaft, sein Land, war für ihn „eine große Ehre“.

Olympiasieger Klaus Wolfermann : Rezept für den Erfolg

Vielleicht war seine Fähigkeit, sich so gut zu konzentrieren, ein Rezept für den Erfolg, denkt er heute, denn er hat in diesen Zeiten nichts um sich herum wahrgenommmen und schließlich wegen zwei Zentimetern vor seinem Konkurrenten, dem damaligen sowjetischen Russen – heutigen Letten – Janis Lusis gewonnen. Mit ihm ist er heute noch eng befreundet und hat sich damals gerechtfertigt: „Janis, entschuldige, dass ich gewonnen habe.“

Vollkommen uneitel erklärt er, was es für ihn bedeutet hat, „da oben zu stehen, wenn 80 000 deinen Namen vor Begeisterung schreien“. „Das wirft einen in ein komplett anderes Leben“, erinnert er sich, weiß aber auch, dass man aus „Niederlagen lernt, sich zu verbessern“.

Weiter referiert er über seine folgenden Ehrungen, seine Begegnungen mit Sportlern, die in der ganzen Welt bekannt sind, und die Stiftung, die er auch mit gegründet hat, denn es ist ihm ganz wichtig, dass Kinder auf der Schattenseite des Lebens Unterstützung erfahren: Die „Kinderhilfe Organtransplantation“ braucht Hilfe und Geld.
Den Altdorfer Sportlern, vor allem den jungen, gibt er mit auf den Weg: „Es lohnt sich, Sport zu treiben, macht weiter, egal, wo ihr seid!“

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