Dankeschön-Abend des Altdorfer DAV zum 50-Jährigen

„Berge bewegen Menschen“

Der aktuelle Vorsitzende Reichert (rechts) und der Ehrenvorsitzende Holz beim Dankeschön-Abend. | Foto: Gisa Spandler2017/11/altdorf-dav-holz-und-reichert.jpg

ALTDORF – „Das ist nicht normal“, äußerte sich Stadtrat Thomas Kramer, der Vertreter der Stadt, beim Dankeschön-Abend des DAV. Nicht normal im positiven Sinn sei es, dass ein Verein über 200 seiner engagierten Mitglieder und Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Essen mit kleinem Rahmenprogramm, gemütlichem Beisammensein und vielen Gesprächskontakten einlädt, bei denen die Anerkennung ihres Einsatzes für die gemeinsame Sache im Mittelpunkt stehen sollte. Anlass war – wie schon mehrmals in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum der Altdorfer Sektion.

Stellvertretende Vorsitzende Elfriede Müller begrüßte die Ehrengäste, darunter Stadträte und Sponsoren, vor allem aber all jene, die als große oder kleine Helfer, langjährige Mitarbeiter oder Quartiergeber den DAV unterstützt haben: „Mit dieser Einladung möchten wir Ihnen unsere Wertschätzung überbringen“, versicherte sie den Anwesenden im rappelvollen Saal des Gasthauses Knör in Berg.

Die „Herzkammer des DAV“ nannte Landrat Armin Kroder, der bereits an der dritten Jubiläumsveranstaltung des Vereins in diesem Jahr teilnahm, die einsatzfreudigen Ehrenamtlichen und „eine wunderbare Geste“ die Idee, die alle zu diesem Danke-Abend einzuladen. Er freute sich, dass mit Hans Werner Eckstein und Roman Leyerer tatsächlich noch zwei Gründungsmitglieder anwesend sein konnten, die den Verein, der heute mit seinen 2000 Mitgliedern ein „Riesenbetrieb“ sei, mit aus der Taufe hoben.

Thomas Kramer berichtete, dass es Bürgermeister Erich Odörfer war, der ihn vor 15 Jahren zum Alpenverein gebracht hatte und dass er selbst viele persönliche Erlebnisse mit der Organisation verbinde. Hierzu gehörten für ihn vor allem die Schi-Ausflüge und Familienwochenenden, an denen man dem Nachwuchs vermittelte, wie einfach und beglückend das Leben auf der Hütte sein konnte.

Mit feinem Humor

Mit vielen Details und feinem Humor hielt der erste Vorsitzende Uli Reichert seine Festrede und sprach dabei die Mitglieder als „lieber Alpenverein“ an. „Du warst ein Wunschkind und auch ein biologisches Wunder, hattest du doch zwei Mütter, aber 16 Väter“, erinnerte er an die 18 Gründer des Vereins, der zunächst in der Sektion Nürnberg als Ortsgruppe beheimatet war. Einer der „Väter“, der Apotheker Erich Kreuzeder, war der erste Vorsitzender, in dessen Ägide wichtige Projekte fielen: Beginn der Jugendarbeit, die „Altdorfer Rundwege“, Gründung einer Schiabteilung. 1972 begann auch die Reihe der ersten öffentlichen Vorträge mit Reinhold Messner, Luis Trenker und später Hans Kammerlander sowie Gerlinde Kaltenbrunner.

„Du warst in vielen Dingen frühreif“, meinte der Vorsitzende augenzwinkernd, was der Grund dafür war, dass der DAV mit Freundinnen im Ausland angebandelt hätte: dem Coro Alpino Trentino, der Trachtengruppe in Altdorf/Uri, Vereine in Wiesen, der Bergwacht in Victoria/Rumänien. 1980, mit bereits 500 Mitgliedern, begannen die beliebten Touren- und Bergwanderwochen, 1986 wurde ein Umweltschutzreferent berufen und die Bergsteigergruppe gegründet. 1987 wechselte der Vorsitz an Konrad Holz. Wichtig war die „Unabhängigkeit“ von Nürnberg: „Ab 1994 warst du mit fast 1000 Mitgliedern und einer neuen Satzung endlich erwachsen und selbstständig“, so Uli Reichert. Die Gründung einer Bergradgruppe und die Installation eines offiziellen Geschäftsführers sowie der Beginn der integrativen Jugendarbeit sind weitere Einschnitte in der Vereinsgeschichte unter Konrad Holz‘ Vorsitz. Als „Vorzeigeprojekt“ bezeichnete Reichert die Kletterhalle Kunstgriff, die 2004 eingeweiht wurde.

2006 wurde der Verein schließlich an Uli Reichert übergeben, der „ein großes Erbe“ annahm. 2012 wurde die Vorstandschaft von zwölf auf 16 erweitert, die immer umfangreicher werdenden Verwaltungs- und Organisationsarbeiten machten dies notwendig. 2013 hat sich der Nachwuchs der Senioren, sozusagen die „Jungsenioren“ – denn die verschiedenen Abteilungen orientieren sich auch am Alter der Alpenfreunde – mit dem Klettern und Radfahren ein neues Betätigungsfeld geschaffen. Humorvoll stellte Reichert fest: „Du muss nun Obacht geben, dass mit dem demografischen Wandel aus dem Alpenverein kein Altenverein wird.

Die vielen Unternehmungen wären nicht möglich gewesen, hätte es nicht all die Zeit Verantwortliche gegeben, die das Geld ordentlich verwaltet und sich auch um Sponsoren bemüht hätten.

„Berge bewegen Menschen“, zitierte er abschließend aus einer früheren Chronik, und stellte lobend fest: „Ja lieber Alpenverein, da sitzen sie fast alle, die dich bewegt und zu dem gemacht haben, was du heute bist. Nämlich ein mittleres Dienstleistungsunternehmen, das in Altdorf sichtbare Spuren im alpinen, sportlichen und kulturellen Leben hinterlassen hat.“

Positives Stimmungsbild

Einen noch ausführlicheren Blick auf das halbe Jahrhundert Alpenverein Altdorf, ein weitgehend positives, aber nicht verklärendes Stimmungsbild mit vielen Anekdoten, warf der frühere Vorsitzende und jetzige Ehrenvorsitzende Konrad Holz. Er berichtete zunächst über die Schwierigkeiten der Anfangszeit, die aber auch einen besonderen Charme hatte: „Wir haben damals den Reiz des Abenteuers in der Natur- und Bergwelt, auch ohne Handy, WLAN und GPS eindrucksvoll erlebt, nur mit unseren Augen und Sinnen.“

Anschaulich schilderte er die Kameradschaft bei all den Unternehmungen und hatte auch eine kleine Statistik parat: Unter anderem hat man in den 50 Jahren 227 Wanderungen, 545 Gemeinschaftsfahrten und 36 Bergwanderwochen durchgeführt. Einen großen Stellenwert nimmt die Jugendarbeit im Verein ein und daher ist man auch stolz auf den dritten Platz, den die Sektion beim deutschlandweit vergebenen „Grünen Band“ 2003 für die beste Nachwuchsarbeit erhielt.

Dass der Alpenverein sich auch in Sachen Kulturförderung engagierte, ist ein weiterer Aspekt, den Holz herausstellte: zahlreiche Brauchtumsveranstaltungen und Chorkonzerte, oft mit befreundeten Gruppen aus dem Ausland, fanden in der langen Zeit statt.

Dass auch der Naturschutz in der eigenen Heimat immer ein Rolle gespielt hat, verdeutlichte der Ehrenvorsitzende am Einsatz der Mitglieder 1993 bis 1995 bei den Demonstrationen zur Rettung der Dörlbacher Au, die die Politik zu einer Mülldeponie machen wollte.

Auch andere eher negativ wahrgenommene Stationen in den 50 Jahren verschwieg Holz nicht, etwa die Auseinandersetzungen mit der Sektion Nürnberg, die schließlich zur Abspaltung führten (und letztendlich der neuen Sektion Altdorf einen gewaltigen Schub verlieh), oder die denkwürdige Vereinszusammenkunft 1983, als kein einziges der damals 692 Mitglieder zur Versammlung erschien und die Vorsitzenden unverrichteter Dinge wieder nach Haus gehen mussten.

Auch in der Vereinsarbeit ließ sich in den vergangenen Jahren ein Wandel im Verhältnis vieler Mitglieder zu ihrer Sektion feststellen, konstatierte Holz. Darauf entsprechend zu reagieren, war hauptsächlich die Herausforderung, der sich sein Nachfolger seit 2006, Uli Reichert, stellen musste, denn auch in der ehrenamtlichen Arbeit wolle man sich heute nicht mehr dauerhaft binden.

Abschließend wies er darauf hin, dass im kommenden Jahr mit Dr. Volker Güther die vierte Generation den Vorsitz im Jubelverein übernehmen werde.

Nach dem gemeinsamen Essen gab es musikalische Einlagen und eine Rückschau auf Erlebnisse aus dem Zeitgeschehen und Geschichten aus der Sektion.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler