Beethovens Lieder erklangen im Schloss

Die Interpreten (von links): Wolfgang Eckert, Gabriele Weidinger und Kurt Weikert.2010/04/Beethoven.jpg

GRÜNSBERG – Mit einer besonderen „Perle“ wartete der zweite Abend im Programm der Grünsberger Schloss-Veranstaltungen  auf: ein Liederabend in der Bibliothek von Burg Grünsberg, dem Konzertsälchen im Palas mit dem historischem Wiener Hammerflügel.

Gabriele Weidinger, Sopran, Kurt Weikert, Bariton, und Wolfgang Eckert am Flügel hatten sich zu einem musikalisch höchst interessantem Programm zusammengefunden. Das Gefühl des Vergnügens am gemeinsamen Musizieren übertrug sich direkt auf die Zuhörerschaft, die zum Teil atemlos lauschte. Man konnte sich um zweihundert Jahre zurückversetzt fühlen, als Beethoven und Haydn selber auf ähnlichen Instrumenten in ähnlich intimen Räumen spielten.
Kurt Weikert begann den Abend in seiner launigen Art mit einer Vorstellung des Programms, bevor er den musikalischen Teil mit Liedern nach Texten von Christian Fürchtegott Gellert, op 48, Bitten, Die Liebe des Nächsten, Vom Tode, Die Ehre Gottes aus der Natur (Die Himmel rühmen), Gottes Macht und Vorsehung, Bußlied“ eröffnete. Von innigstem piano zu mächtigsten fortissimo gestaltete er diese Lieder, die Beethoven in einer religiösen Phase zu Beginn seiner sich immer mehr verstärkenden Schwerhörigkeit geschrieben hatte. Erstaunlicherweise zeigten sich Raum und Flügel dem Klangvolumen Weikerts durchaus gewachsen.
Gabriele Weidinger folgte mit  vier Liedern und einem Duett mit Kurt Weikert, op 82,  in „italienischer Manier“, für die Beethoven sogar einige Kompositionsstunden bei Salieri genommen hatte. Besonders eindrucksvoll zwei Lieder mit gleichem Text „die ungeduldige Liebende“, einmal spöttisch-heiter, wie ein Kammerkätzchen, das zweite Mal tragisch wie eine edle Dame. Der Sängerin gelang es äußerst überzeugend, die verschiedensten Stimmungen allein mit ihrer Stimme dazustellen.
Es folgte, wiederum von Kurt Weikert gesungen, der erste „richtige“ Liederzyklus „An die ferne Geliebte“, basierend auf sechs Gedichten von Aloys Jeitteles. Fast wie in einer kleinen Oper beschreibt Beethoven die Gefühle Sehnsucht, Trauer, Liebe, aber auch die Natur in einer rührenden Szene in seiner Tonsprache und fand in Weikert einen hervorragenden Interpreten, der all diese Gefühle im Zuhörer erwecken konnte.
Die zweite Hälfte war der Solokantate von Josef Haydn „Arianna á Naxos“ gewidmet, die dieser im Original für Sopran und Tasteninstrument geschrieben hatte.
Man kann davon ausgehen, dass sie damals auch mit einem Hammerflügel gespielt wurde. Gabriele Weidinger stellte alle Gefühle der Ariadne, die von Theseus, nachdem sie ihn sicher durch das Labyrinth des Minotauros geleitet hatte, auf einer einsamen Insel verlassen worden war, durch ihren Gesang dar, von zart beseelt über verzweifelt rasend bis nahezu geifernd vor Wut waren sie alle der Komposition zu entnehmen und auch sozusagen greifbar zu fühlen.
Kongenial wurden die beiden Sänger von Wolfgang Eckert begleitet, der den Hammerflügel genau kennt und diesem wunderbaren alten Instrument die unterschiedlichsten Klangfarben zu entlocken wusste.
Man hätte glauben können, er spiele auf sechs verschiedenen Instrumenten. Rasante Läufe, getragene Töne, Riesensprünge, forti und pianissimi, alle ritardandi und accelerandi der Sänger wurden stimmig vom Pianisten übernommen und weitergesponnen. Als Zugabe für einen äußerst gelungenen Abend, der durchaus eine größere Zuhörerschaft verdient gehabt hätte, gab es noch zwei Beethovenlieder; von Kurt Weikert gesungen: „in questa tomba oscura“ und von Gabriele Weidinger „Sehnsucht nach Berenice“.
Zum krönenden Abschluss folgte ein Duett von Peter Cornelius nach einem Text von Walther von der Vogelweide: „Du bist min“, an dem der Hammerflügel beweisen konnte, dass er durchaus auch spätromantischem Liedgut gewachsen ist.

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