Altdorfer beim Windsbacher Knabenchor

Badeverbot vor Papstbesuch

Beeindruckendes Erlebnis bei Papst Franziskus in Rom. Niklas ist der ganz rechte Chorknabe in der ersten Reihe. | Foto: privat2019/03/Altdorf-Windsbacher-und-Papst.jpg

ALTDORF – „Musikbegeisterte junge Menschen zum Vorsingen bitte in den Musiksaal kommen!“ – So oder ähnlich klang der Aufruf in der Grundschule Altdorf, der das Leben des damals achtjährigen Niklas langfristig auf ein neues Gleis setzen sollte. Sieben Jahre später freut er sich auf einen Auftritt mit seinem Windsbacher Knabenchor in der Laurentiuskirche am Sonntag, 24. März, um 17 Uhr.

Übermäßig viel gesungen wurde in der Familie Logsch nicht. Im Nachhinein, wenn man sich die besondere Musikalität von Niklas erklären will, finden er und seine alleinerziehende Mutter aber schon, dass es in der Verwandtschaft einige Sängertalente gab. Und auch die klassische Musik, die die Mama hin und wieder hörte, könnte zum Musikinteresse des Juniors beigetragen haben. Doch Musik war nicht die einzige Leidenschaft, die der kleine Niklas schon in jungen Jahren neben der Schule, die ihm erkennbar leicht fiel, zeigte.

„Mach ich halt“

Er war auch begeisterter Sportler und gern mit Freunden unterwegs. Mama Diana legte ihm irgendwann nahe, auch im Schulchor mitzusingen, sozusagen als Bedingung und Ausgleich für all seine anderen Aktivitäten. „Mach ich halt“, war die Reaktion des Jungen. Bald glänzte er mit Soli bei Auftritten des Chors und wurde von den Musiklehrern zur Bewerbung bei den Windsbachern ermutigt, als der Talentscout in Altdorf vorbeischaute.

Den überzeugte er schnell und wurde gleich zum Vorsingen nach Windsbach eingeladen. Dass er dann auch im Internat wohnen müsste, sollte er von Chorleiter Martin Lehmann ausgewählt werden, schreckte den Achtjährigen nicht. Aus dem Studium der Harry-Potter-Bücher wusste er schließlich: „Internat ist cool.“

Niklas freut sich auf das Konzert in der Laurentiuskirche, bei dem er einige seiner ehemaligen Lehrer und Mitschüler treffen wird. | Foto: Spandler2019/03/Altdorf-Windsbach-Niklas.jpg

Die musikalische Prüfung, bei der er vor- und nachsingen musste, bestand er ebenfalls mit Bravour. Und so guckte er sich mit Mama die Einrichtung an und erfuhr, dass auch großen Wert auf die schulischen Leistungen gelegt wird. Und dass das Einstudieren der Vortragsstücke nicht so einfach nebenher zu leisten ist.

Als Kinderkrankenschwester hätte Mutter Diana die Ausbildung ihres Sohnes aber nicht allein stemmen können. Doch als sie erfuhr, dass es auch eine finanzielle Förderung für ihren Filius und der junge Altdorfer begeistert vom Probewohnen zurückkam, stand fest. „Zum Beginn der vierten Klasse gehe ich nach Windsbach.“

Begeistert vom Internat ist er heute immer noch. Was nicht bedeuten soll, dass es keine Eingewöhnungsschwierigkeiten oder Krisen gegeben hat. Das räumt der aufgeweckte dunkelhaarige Junge ein. Er und seine Mutter sind zudem sichtlich bemüht, den Eindruck des Wunderkinds zu vermeiden.

Infektionsgefahr

Einen ganz durchschnittlichen Musikgeschmack hatte er damals, Kinderlieder von Rolf Zuckowski, später Pop plärrten aus den Lautsprechern, und wenn man ihn fragt, was am schönsten im Internat ist, antwortet er damals wie heute, „dass da immer gleich Jungs da sind, mit denen man etwas unternehmen kann“. Zum Beispiel ins Freibad radeln, was allerdings untersagt ist, wenn binnen einer Woche ein Konzert auf dem Terminplan steht: Infektionsgefahr!

Doch damit kein falscher Eindruck entsteht: Allzu viel Freizeit haben die Sängerknaben im Internat wirklich nicht. Mittlerweile ist Niklas auf dem Gymnasium in Windsbach, wo die Mitglieder des Knabenchors in eigene Klassen gehen, derzeit sind es bei Niklas nur sieben Schüler. Denn durch ihre häufige Konzertreisetätigkeit, die sie immer wieder während des Schuljahrs für längere Zeit ins Ausland führt, müssen sie den Stoff in einem ganz anderen Rhythmus lernen. Beherrschen müssen sie ihn aber genauso wie die externen Kollegen.

Und dazu kommt natürlich noch diverser Musikunterricht: eineinhalb Stunden Chor pro Tag, manchmal auch am Wochenende, einmal wöchentlich Stimmbildung und Instrumentalunterricht. Auch der ist Pflicht, Niklas hat Klavier gewählt. Nebenher müssen noch die Texte gelernt werden und zweimal im Jahr muss er vorspielen.

Alle anderen haben aufgegeben

Da entsteht schon ein gewaltiger Druck, gesteht er, und es ist wohl auch kein Zufall, dass alle anderen, die mit ihm in der vierten Klasse angefangen haben, bereits aufgegeben haben, entweder weil sie die Schule nicht geschafft oder die stimmliche Leistung nicht erbracht haben. Für viele ist der Stimmbruch auch ein Umbruch.

Nicht so für Niklas Logsch. In der achten Klasse musste er für ein halbes Jahr aussetzen, als sich die Stimme veränderte, aber nun singt er statt Alt 1 und Sopran 1 im Bass 2 mit, die tiefste Stimmlage, die es gibt.

Besteht dann auch bei ihm noch die Gefahr, dass er hinschmeißt, wenn es ihm zu viel wird? Seine Mutter hat ihm immer wieder angeboten, ihn wieder zurückzuholen, nach Neumarkt, wo sie mittlerweile lebt. Doch das schließt er unterdessen aus. Gelegentliches Heimweh hat er längst überwunden, zudem gelernt, das Leistungsniveau zu halten und die Regeln zu akzeptieren. Windsbach will er durchziehen bis zum Abitur: „Anders kann ich mir das nicht mehr vorstellen“, versichert er.

Bis zu 70 Auftritte jährlich

Und natürlich spielen die Konzertreisen, die ihn in alle Winkel dieser Erde führen, eine große Rolle. Neben den bis zu 70 Auftritten im Jahr gibt es stets auch ein kleines kulturelles Rahmenprogramm. Und so waren die Chinareise und die Einladung zum Papst besondere Höhepunkte im Sängerleben. „Die Chinesen wollen immer deutsche Volkslieder hören“, schmunzelt der Teenager, also studierte der Knabenchor im Vorfeld dieses Genre ein. Obwohl er am liebsten Motetten singt – auch wenn die Familie nicht viel mit dem Christentum anfangen kann.

Geblieben sind ihm auch Erinnerungen an die viel größeren Konzertsäle in China, an die schlechte Luft, die seinem Kehlkopf anfangs zusetzte, an die chinesische Mauer, die Verbotene Stadt und ein Mönchskloster, wo er zu Kampfsportübungen eingeladen wurde.

Dass er damals erst elf war, war für die Mama schlimmer als für ihn. Sie hielt Kontakt mit einer „Männerstimme“, die dem kleinen Niklas als Ansprechpartner und Pate zugeteilt war, und Diana Logsch immer versichern konnte, dass es dem Sohnemann gut geht. Mittlerweile hat er schon selber einen kleinen Knaben, um den er sich kümmert und zum Beispiel aufpasst, dass er am Flughafen nicht verloren geht oder an der richtigen Haltestelle aussteigt.

Nächste Highlight: USA

Mehr beeindruckt als die Chinareise hat ihn allerdings der Trip zum Papst, als er zwölf Jahre alt war. Der kam sehr kurzfristig. Als der junge Altdorfer seinen Namen auf dem Aushang entdeckte, der bekannt gab, wer mit dabei ist, hat er sich riesig gefreut.

In Rom sang die Windsbacher Abordnung im Petersdom und – was Niklas noch mehr beeindruckte – in der Sixtinischen Kapelle, wo eine Heilige Messe gefeiert wurde. Papst Franziskus erklärte hinterher auf Deutsch, dass ihm der Gesang sehr gut gefallen und er sich über ihren Besuch gefreut habe.

Nun freut der 15-Jährige sich – neben seinem Konzert in der Laurentiuskirche, zu dem viele ehemalige Lehrer und Mitschüler kommen wollen – auf das nächste Highlight: die USA im Herbst. Bei so viel Talent und Begeisterung für Musik und Konzerttätigkeit scheint der Berufswunsch klar. Doch weit gefehlt, das Singen soll ein Hobby bleiben, „irgendwas mit Computer“ fände er interessanter.

Aus diesem Blickwinkel versteht man dann auch, dass das Nervigste am Windsbacher Internatsleben nicht der Arbeitsstress oder die Hausregeln sind, sondern das miese Netz.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler